Münster – „Zukunft tanken: Bio-CNG und Bio-LNG im regionalen Güterverkehr“: Unter dieser Überschrift tauschten sich jetzt Logistikunternehmen sowie Vertreterinnen und Vertreter von Fachverbänden und Hochschulen in einer gemeinsamen Veranstaltung der Wirtschaftsförderungen Stadt Münster (WFM) und Kreis Coesfeld (wfc) und der Agravis Raiffeisen AG aus.

Aktueller Anlass war die offizielle Inbetriebnahme des ersten Bio-CNG-Tankpunktes in Münster speziell für Lkw und Nutzfahrzeuge. Die Raiffeisen-Tankstelle der Agravis am Industrieweg wurde in den vergangenen Monaten um diese Säule erweitert, wie das Unternehmen nun mitteilt.

„Wir sind davon überzeugt, dass die Zukunft des Güterverkehrs grün sein muss“, sagte Dominik Wilhelm, Projektmanager Nachhaltigkeit bei der Wirtschaftsförderung Münster GmbH, zu Beginn der Veranstaltung. Bio-CNG und Bio-LNG seien wichtige Bausteine, um sich im Verkehrssektor unabhängiger zu machen von Dritten.

Funktionierende Kreislaufwirtschaft

„Alternative Kraftstoffe verknüpfen Klimaschutz bzw. Nachhaltigkeit mit wirtschaftlichem Nutzen für Unternehmen“, sagte Wilhelm mit Blick auf Kostenvorteile gegenüber fossilem Diesel, die regionale Wertschöpfung sowie die messbaren positiven Auswirkungen auf den Klimaschutz. „Diese Kraftstoffgase sind ein hervorragendes Beispiel für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft“, unterstrich AGRAVIS-Vorstandsmitglied Jan Heinecke, der unter anderem die Energiesparte des Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmens verantwortet. AGRAVIS produziert zusammen mit Partnern in Dorsten und Velen selbst Biomethan für den Kraftstoffmarkt und setzt dabei als Substrate für die Anlagen zum ganz überwiegenden Teil Wirtschaftsdünger aus der Landwirtschaft aus.

Erfahrungsberichte

In der von WFM-Nachhaltigkeitsberaterin Dr. Christina Willerding moderierten Veranstaltung schilderten Sascha Hähnke (Remondis) und Christian Messing (Spedition Messing, Coesfeld) ihre Erfahrungen beim praktischen Einsatz von Bio-CNG in den Fahrzeugflotten ihrer Unternehmen. „Alternative Antriebe sind alternativlos“, betonte Sascha Hähnke, Geschäftsführer der Remondis Sustainable Services GmbH. Remondis setzt im Münsterland schon seit einigen Jahren aus Bioabfällen produziertes Biogas zur Fahrzeugbetankung ein. Er ermutigte kleinere und mittelständische Unternehmen, sich als „Trittbrettfahrer“ ebenfalls an den Umstieg heranzuwagen. Bio-CNG gehört auch zu dem Antriebsmix in den Lkw der Spedition Messing. „Gasfahrzeuge machen in der Kostenbetrachtung aktuell richtig Spaß“, fasste Christian Messing zusammen. Wichtig sei, die unterschiedlichen Antriebsarten auf den jeweiligen Einsatz des Fahrzeugs abzustimmen.

Einsatzmöglichkeiten

Die Reichweite eines Bio-CNG-Lkw bezifferte Johannes Joslowski (AGRAVIS) im reinen Fernverkehr mit 400 bis 600 Kilometern. Die Kraftstoffkosten gegenüber herkömmlichen Diesel seien deutlich niedriger, erst recht in der aktuellen Hochpreisphase für Diesel, bedingt durch den Irankrieg. Anders als noch zu Beginn des Ukrainekrieges vor vier Jahren würden CNG und LNG heute nicht mehr aus fossilem Erdgas, sondern aus Biomethan gewonnen. Daher seien hier als Folge des Irankrieges auch keine Preissteigerungen zu erwarten.

Aussagen über die Einsatzmöglichkeiten von Bio-LNG und HVO, einem paraffinischen Kraftstoff aus Bio- und Restabfallstoffen, im Schwerverkehr rundeten die Informationsveranstaltung ab.