Bielefeld. Der Mondmann ist vom Himmel gefallen, oder besser: Der Astronaut ist auf einem Planeten gelandet. Vor sechs Jahren habe er fliegen gelernt, sagt er – eine lange Zeit der Einsamkeit und Dunkelheit. Und jetzt ist er nicht mehr alleine, denn der „Kleine Prinz“, jene bezaubernde unverfängliche und kindlich naive Figur aus Antoine de Saint-Exupérys gleichnamigen Märchen, ist längst da auf diesem Stern.
Und sofort beginnt sie, dem Mondmann ein Ohr abzuknabbern mit ihren infantilen und herzlichen Erkenntnissen und Weisheiten: „Wenn man morgens aus dem Bad kommt, muss man erst den Planeten sauber machen“, sagt der Prinz. „Und wenn man traurig ist, dann liebt man Sonnenaufgänge. Kannst Du mir einen zaubern?“
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Im Verlauf des Stücks „Dark Side of the Moon – Pink Floyd trifft auf den Kleinen Prinzen“, das am Wochenende in der Komödie am Klosterplatz eine umjubelte Premiere feierte, hüpfen der Mondmann und der Prinz von Planeten zu Planeten – nicht aber die Bühnenkulisse wechselte, sondern die Figur des Astronauten – und das ist sehr geschickt gemacht.
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Pink Floyd gepaart mit dem kleinen Prinzen
Als der Prinz über Rosen sinniert („Blumen lassen Dornen aus Gemeinheit wachsen“) wird der Mondmann zur dornigen Blume. „Us and them“ aus Pink Floyds epochalem Werk „Dark Side of the Moon“ wird gespielt – und zwar live von einer sechsköpfigen Band plus drei Sängerinnen. „Wir sind doch alle nur ganz normale Menschen“, heißt es in dem Stück und zum ersten Mal an diesem Abend könnte man glauben, Songtexter Roger Waters hätte dem „Kleinen Prinzen“ von den Lippen abgelesen beim Schreiben.
Eine andere Superband: Neues von den Rolling Stones: Single, Album und Konzerte?
Planetenwechsel: Die dornige Blume wird zum König und später zum eitlen Narziss. „Money“ ertönt es aus dem gleichen Floyd-Album. Nicht nur die beiden Akteure auf der Bühne spielen sich verbal die Bälle zu, die oft erst über Umwege beim jeweils anderen ankommen, auch die Band umrahmt sehr anschmiegsam und feinfühlig die Handlung mit ihrer Musikauswahl. Der Narziss wird zum Säufer: „Shine on you crazy diamonds“ – ein Stück (nicht aus „Dark Side…“), das dem Pink Floyd – Mitbegründer Syd Barret gewidmet war.
Eine ausgewachsene Band (Schlagzeug, Leadgitarre, Rhytmusgitarre, Bass, Keyboard, Gesang) und drei Sängerinnen holten die Musik von Pink Floyd in die Gegenwart und nach Bielefeld.
| © Komödie am Klosterplatz
Syd verließ die Band wegen psychischer Probleme. „Früher hast Du wie die Sonne geleuchtet, heute sind in Deinen Augen nur schwarze Löcher“, heißt es in dieser „70er-Jahre Begleitmusik für den kleinen Drogenrausch zwischendurch“. Der Kleine Prinz lässt sich nicht lumpen, greift erfrischend zur Luftgitarre und begleitet damit die Musiker.
Kindliche Weisheiten und psychedelische Rockmusik
Aus dem Narziss wird ein Nachtwächter („Is there anybody out there?“), und aus dem Kleinen Prinzen ein kleiner Philosoph mit neongelbem Schal: „Der Planet dreht sich zu schnell und ich schlafe doch so gerne“. Vom Nachtwächter über einem Wüstenfuchs zurück zum Mondmann – die Planetenrundreise, die sich zwei Stunden lang anfühlt wie das Blättern in einem Poesiealbum („Man sieht nur mit dem Herzen gut…“), steuert auf das große musikalische Feuerwerk hin mit „Another Brick in the Wall“ und „Run like Hell“.
Diesen Spurt ins Fegefeuer konterkariert der Kleine Prinz und entschleunigt das Publikum im Saal, das längst begonnen hat, die Musik von Pink Floyd, die in der DNA vieler Zuhörer verankert ist, zu feiern: „Ich liebe es, nachts den Sternen zuzuhören“, sagt der Prinz. Der Mondmann trägt unter seinem Glitzeroverall mittlerweile ein „Wish you were here“-Tour-Shirt.
Eine herrlich entspannende und dennoch spannende Kombination: Die sphärisch-rockig-psychedelische Musik von Pink Floyd gepaart mit diesen infantilen entwaffnenden Weisheiten des „Kleinen Prinzen“, in Szene gesetzt von Johanna Serenity Miller und Gideon Rapp als Parabel für Freundschaft und inneren Frieden. Sensationell auch die Band, die schon bei der „Meat Loaf“-Aufführungen im letzten Spätsommer in der Komödie zu überzeugen wusste.
Auch mit anderer musikalischer DNA lohnt ein Besuch der Komödie. Aufführungstermine sind am Freitag, 1. Mai, Samstag, 2. Mai, Freitag, 8. und Samstag, 9. Mai, jeweils um 19.30 Uhr. Tickets ab 20 Euro online unter www.komoedie-am-klosterplatz.de
