In einer mit Spannung erwarteten Rede vor dem US-Kongress hat König Charles III. die Fähigkeit der USA und Großbritanniens beschworen, Differenzen zu überwinden. „Immer und immer wieder haben unsere beiden Länder Wege gefunden, wieder zusammenzufinden“, sagte der Monarch. Dispute hätten die gemeinsame Geschichte zwar geprägt. Als Ergebnis der gemeinsamen Tradition seien beide Länder jedoch „instinktiv gleichgesinnt“.

In seiner Rede warnte Charles eindringlich vor Isolationismus – was als Anspielung auf die „America First“-Politik von US-Präsident Donald Trump gewertet wurde. „Ich bete von ganzem Herzen, dass unsere Länder gemeinsam mit unseren Partnern in Europa und dem ‌Commonwealth sowie auf der ganzen Welt weiterhin unsere gemeinsamen Werte verteidigen ‌und dass wir ⁠die lauten Rufe ignorieren, uns immer mehr nach innen zu kehren“, sagte Charles.

Seine Rede nutzte der britische Monarch auch, um mehreren Meinungsäußerungen von Trump zumindest indirekt etwas entgegenzusetzen. So wies er etwa auf die Gefahren des Klimawandels hin, den der US-Präsident immer wieder praktisch geleugnet hatte, ebenso wie etliche seiner Parteigenossen im Kongress. Charles sagte in seiner Rede, die Menschheit müsse im Einklang mit der Natur leben. Aufseiten der Republikaner fiel der ‌Applaus dafür verhalten aus.

Mehr Militärausgaben: Charles zeigt Entgegenkommen

Charles schien in seiner Rede bemüht, die Wogen zu glätten – etwa im Bereich Militärausgaben. Das Vereinigte Königreich sei sich darüber im Klaren, dass die Bedrohungen von heute neue Antworten erforderten, so Charles. „Deshalb hat sich unser Land, um für die Zukunft gerüstet zu sein, zur größten nachhaltigen Aufstockung der Verteidigungsausgaben seit dem Kalten Krieg verpflichtet.“

Für Charles gilt der Staatsbesuch als diplomatischer Drahtseilakt: Trump ist zwar großer Fan der britischen Royals, doch auf Premierminister Keir Starmer war Trump zuletzt nicht gut zu sprechen. Nachdem die USA zusammen mit Israel den Iran angegriffen hatten, hatte sich die britische Regierung geweigert, sich an dem Krieg zu beteiligen. Deshalb griff Trump den britischen Premier mehrfach verbal an.

Charles sprach zwar vom Konflikt im Mittleren Osten, nahm jedoch keinen direkten Bezug auf den Krieg im Iran. Er ist erst der zweite Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II., der zum US-Kongress spricht. Ähnlich wie sie erntete er bereits vor seiner Rede andauernden Applaus. Elizabeth II. hatte 1991 die Einheit beider Länder auch an ihrer gemeinsamen Reaktion auf den Krieg in Kuwait festgemacht.

Charles erinnert USA an Nato-Beistand nach dem 11. September – Aufruf zu Verteidigung der Ukraine

„Es ist eine Zeit, die in vielerlei Hinsicht unbeständiger und gefährlicher ist als die Welt, von der meine verstorbene Mutter 1991 in diesem Plenarsaal sprach“, sagte Charles. Der König nutzte die Chance, um zu einer entschlossenen Verteidigung der Ukraine aufzurufen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 habe die Nato ihren Artikel fünf aktiviert – und die Verbündeten hätten zu den USA gestanden.

Heute sei „dieselbe unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen“, sagte er in Richtung des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson.

Wie Elizabeth II. sorgte Charles in seiner Rede immer wieder für laute Lacher im Saal. Die nicht besonders große gewachsene Königin hatte ihre Rede 1991 mit der Frage eröffnet, ob jeder sie gut sehen könne. Charles sorgte mit einem Zitat von Oscar Wilde für heitere Stimmung: „Wir haben heutzutage wirklich alles mit Amerika gemeinsam, außer natürlich der Sprache.“

Charles spricht das Thema Epstein nicht direkt an

Charles verwies in seiner Rede auf die gemeinsame Stärke beider Länder, um „Opfer einiger der Missstände zu unterstützen, die heute in unseren beiden Gesellschaften auf so tragische Weise bestehen“. Ob dies als indirekter Hinweis auf Opfer sexuellen Missbrauchs im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu verstehen war, blieb offen.

Charles‘ jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew, war viele Jahre mit Epstein befreundet; das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies das stets zurück.

Eine Einladung des US-Abgeordneten Ro Khanna, sich mit Überlebenden des Missbrauchsskandals zu treffen, hatte Charles abgelehnt. Palastkreisen zufolge wollte das Königspaar mögliche Strafverfahren nicht beeinflussen. Khanna zeigte sich enttäuscht und sagte, angesichts der schweren Vorwürfe gegen seinen Bruder wäre Charles dies den Opfern schuldig gewesen. Auch Trump hatte Kontakt zu Epstein und versucht, eine öffentliche Debatte zu umgehen.

Trump stellt sich erneut als König dar

Der US-Präsident bemühte sich beim offiziellen Empfang für Charles im Weißen Haus, die historische Freundschaft beider Nationen in den Vordergrund zu stellen. Aus ⁠einstigen Feinden im Unabhängigkeitskrieg seien im Zweiten Weltkrieg „Waffenbrüder“ geworden, sagte ‌Trump. Den britischen König bezeichnete er als „fantastische Person“. Für Aufsehen sorgte ein Beitrag ‌des Weißen Hauses in den sozialen Medien, der ein Foto von Trump und Charles ‌mit der Bildunterschrift „Zwei Könige“ zeigte.

Anlass für den Staatsbesuch der Royals ist das Jubiläum der Unabhängigkeit der USA. Am 4. Juli 1776, also vor 250 Jahren, erklärten die Vereinigten Staaten offiziell ihre Loslösung von der britischen Krone.