TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Rostock – Ein Kind ist tot, ermordet. Weil sich sein Vater für ihn, den 8-jährigen Fabian entschied – und gegen dessen Stiefmutter, seine langjährige Lebensgefährtin Gina H. (30)? Die Staatsanwaltschaft sieht darin ein mögliches Motiv.

Die Suche nach der Wahrheit dauerte heute 17 Minuten. So lange oder so kurz war der Prozessauftakt im Landgericht Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) in einem Fall, der Deutschland wie kaum ein anderer erschütterte: Der Mord an Fabian. Im Oktober 2025 war der Junge aus Güstrow verschwunden, vier Tage später wurde er tot aufgefunden. Erstochen und verbrannt an einem abgelegenen Tümpel. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass Gina H. die Täterin ist. Sie habe bedenkenlos das Leben eines Kindes ausgelöscht, in der vagen Hoffnung, die Beziehung zu reparieren, heißt es in der Anklage.

Fabian (8) musste vermutlich sterben, weil Gina H. nicht damit klarkam, dass Fabians Vater mit ihr Schluss machte

Fabian wurde nur 8 Jahre alt. Seiner Mutter ist es wichtig, dass sein Foto offen gezeigt wird

Foto: Schwarck Media

Gina H. (30) ist wegen Mordes angeklagt

Gina H. (30) ist wegen Mordes angeklagt

Foto: Privat

Gina H. wurde mit Fußfesseln in den Saal geführt, sie hielt sich eine rote Mappe vor das Gesicht. „Ängstlich und nervös“ sei seine Mandantin vor dem Prozess gewesen, sagte ihr Verteidiger Thomas Löcker gegenüber BILD. Wie muss sich erst Fabians Mutter Dorina fühlen, die als Nebenklägerin im Saal sitzt? Als der Staatsanwalt verliest, wie der Mord an ihrem Sohn vonstatten gegangen sein soll, schluckt sie, zweimal, dreimal. Ihre Augen sind auf die Angeklagte gerichtet. Vor den Objektiven der Fotografen konnte Gina H. sich verstecken. Vor der Frau, der sie nach Überzeugung der Ankläger das einzige Kind genommen hat, nicht.

30-jährige Angeklagte vor Gericht: Mordfall Fabian – BILD beim ProzessauftaktProzess um Fabian startet – BILD vor Ort in Rostock

Quelle: BILD28.04.2026

Beziehung per Chatnachricht beendet

Vier Jahre waren der Vater von Fabian und dessen mutmaßliche Mörderin zusammen. Eine Beziehung, von der sie laut Staatsanwaltschaft finanziell profitierte. Doch es soll immer wieder zum Streit zwischen Matthias R. und Gina H. gekommen sein, auch wegen Fabian. Als der Junge beobachtete, wie sich die beiden so heftig stritten, dass es der Anklage zufolge zu einer „körperlichen Auseinandersetzung“ kam, soll der Junge, der bei seiner Mutter lebte, den Kontakt abgebrochen haben. Es renkte sich wieder ein. Doch offenbar wollte Matthias R. eine solche Situation nie mehr erleben. Am 9. Oktober traf er eine Entscheidung – zwischen Gina H. und seinem Sohn. Er entschied sich für Fabian, machte per Chatnachricht endgültig Schluss. Am 10. Oktober war der Junge tot.

Dorina L., Fabians Mutter (r.), war beim Prozessauftakt anwesend. Ihre Anwältin Christine Habetha sitzt neben ihr

Dorina L., Fabians Mutter (r.), war beim Prozessauftakt anwesend. Sie ist mit der Veröffentlichung ihres Fotos einverstanden, neben ihr sitzt ihre Anwältin Christine Habetha

Foto: Fabian Matzerath/BILD

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Gina H. an diesem Tag mit ihrem orangefarbenen Ford Ranger zu Hause bei Fabian vorfuhr. Dass der Junge dort alleine und krank war, habe sie „vermutet oder im Vorfeld in Erfahrung gebracht“. Demnach habe Gina H. den Jungen mitgenommen und im Wald ihr Handy deaktiviert. Sie sei mit Fabian zu einer Schweinesuhle bei Klein Upah gefahren und habe Fabian dort mit einem 10 Zentimeter langen Messer erstochen. Sechs Stiche in die Brust, zwei davon ins Herz.

Angeklagte schweigt

Um 12.43 Uhr soll sie ihr Smartphone wieder aktiviert und sich mit einem Freund zu einem Treffen verabredet haben. War Fabian zu diesem Zeitpunkt schon tot? Die Gerichtsmedizin hat das Zeitfenster seines Todes auf „zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr“ festgelegt. Später soll Gina H. zum Tatort zurückgekehrt sein, um die Leiche mit Grillanzünder zu verbrennen.

Klicken Sie auf die Grafik, um zu lesen, was bisher über den Fall Fabian bekannt ist

Klicken Sie auf die Grafik, um zu lesen, was bisher über den Fall Fabian bekannt ist

Foto: Privat; Schwarck Media

Zur Suche nach der Wahrheit trug die Angeklagte nichts bei, was ihr gutes Recht ist. „Wir werden keine Angaben zur Sache machen“, erklärte ihr Verteidiger. 17 Verhandlungstage sind bis zum 2. Juli angesetzt, mehr als 60 Zeugen sollen gehört werden. Dann entscheidet sich, ob Gina H. lebenslänglich ins Gefängnis muss. „Sie leidet sehr darunter, dass sie ihr Kind nicht sieht“, sagt ihr Anwalt. Das Kind ist aktuell in einer Pflegefamilie. Es ist sieben Jahre alt. Ein Jahr jünger als Fabian es war.

Anklage nennt Motiv im Mordfall Fabian: „Er entschied sich für seinen Sohn“Tag 1 im Prozess um Fabian – Anklage nennt Motiv: „Er entschied sich für seinen Sohn“

Quelle: BILD28.04.2026