Opernintendantin Rebekah Rota hatte zum dritten Damendialog in die Oper Wuppertal eingeladen. Im Kronleuchterfoyer ging es mit Vorträgen, Workshop und regem Austausch um das Thema „Instinktiv falsch? – Warum Frauen sich selbst hinterfragen“.

Der Wuppertaler Damendialog versteht sich als offenes Forum an der Schnittstelle von Musiktheater, gesellschaftlicher Reflexion und persönlicher Erfahrung. Die Oper wünscht sich einen interaktiven Austausch mit Wuppertaler Frauen. „Wir möchten die Oper gerne stärker in die Stadt bringen“, sagte Rebekah Rota bei der Begrüßung.

Laura Knoll stellte den Inhalt der Oper „The Lodger“ vor

Seit Beginn ihrer Intendanz 2023/24 hat Rota in jedem Jahr die Oper einer Komponistin auf den Spielplan gesetzt und zum Anknüpfungspunkt für den Damendialog gemacht. „Die Werke von Komponistinnen machen 30 Prozent unseres Spielplans aus, 50 Prozent der Regieteams sind weiblich“, betonte sie.

Aktuell ist die Oper „The Lodger“ der englischen Komponistin Phyllis Tate (1911-1967) zu sehen, in der weibliche Intuition eine wichtige Rolle spielt. Operndramaturgin Laura Knoll stellte anschaulich den Inhalt der Oper vor. Das Werk ist ein psychologisches Kammerspiel und ein packender Thriller zugleich. Die Musik der Komponistin Phyllis Tate ist in England sehr bekannt. Ihre spannende Oper „The Lodger“ erlebte am 18. April in Wuppertal aber erst die zweite Premiere. Zu dieser Premiere war Celia Frank, die Tochter der Komponistin, eigens aus England angereist.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Emma Bunting, die zusammen mit ihrem Mann George durch Arbeitslosigkeit in finanzielle Not geraten ist. Sie nehmen einen Untermieter – „Lodger“ – auf. Der ist elegant und freundlich, zahlt die Miete für vier Monate im Voraus und erweist sich als finanzielle Rettung für das Ehepaar. Im Laufe der Handlung wächst bei Emma der Verdacht, dass der Untermieter, der im früheren Kinderzimmer der erwachsenen Tochter Daisy wohnt, der gesuchte Serienmörder „Jack the Ripper“ sein könnte. Die Oper, entstanden zwischen 1957 und 1960, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Marie Belloc Lowndes (1868-1947) aus dem Jahr 1913.

Die Autorin war vor mehr als 100 Jahren für ihre „True Crime-Romane“ bekannt und erzählt eine fiktive Geschichte im Hintergrund der Mordserie des berühmten „Jack the Ripper“. Der junge Polizist Joe wirbt um Buntings Tochter Daisy. Von ihm erfahren George und Emma Details über den gesuchten Mörder. Emma erkennt in den Beschreibungen Ähnlichkeiten mit ihrem Untermieter. Sie sorgt sich, schwankt zwischen Angst und Mitgefühl, zwischen Moral und finanzieller Not. Am Ende entscheidet sie, ihn nicht bei der Polizei anzuzeigen.

Zur Zeit, als Phyllis Tate die Oper komponierte, wurde in England zum letzten Mal die Todesstrafe vollzogen. Die Komponistin galt als eine entschiedene Gegnerin dieser Strafe. Die Gründe für Emmas Handeln sind jedoch vielschichtig und werden in der Oper nicht geklärt.

Hier setzte der Vortrag von Prof. Anna Baumert an. Sie hat den Lehrstuhl für Sozial- und Persönlichkeitspsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal und forscht zu Themen wie Zivilcourage und Intuition.

In ihrer Keynote stellte sie Bedingungen und Herausforderungen zivilcouragierten Handelns und die Abgrenzung zwischen Zivilcourage und Helfen vor. Dann gab sie Einblicke in ihre aktuelle Forschung zu Eingreifen, Ängsten, Mut, Empathie und Verantwortung in Alltagssituationen. Sie thematisierte Fragestellungen wie „Wollen wir, dass immer eingegriffen wird?“ und das einschränkende „Was ist, wenn ich falsch liege?“

Bisherige Studienergebnisse geben keine Auskunft darüber, ob Männer oder Frauen eher Zivilcourage zeigen. Anna Baumert ging auf viele Fragen des weiblichen Publikums ein und machte einen Exkurs in die Stressreaktionen des Nervensystems „Fight, Flight, Freeze“ (Kampf, Flucht, Erstarren). Eine Pause nutzten die etwa 20 Teilnehmerinnen für angeregte Gespräche. Es folgte ein Workshop von Coach Miriam Noronha zu Intuition und dem Vertrauen auf die innere Stimme.

Im Anschluss an den Dialog bestand die Möglichkeit, die Oper „The Lodger“ zu besuchen.