Die Erleichterung war allen Beteiligten anzumerken: Endlich kann das kleine Trafohaus im Vorster Wald unweit der „Türhüter“ des verstorbenen Künstlers Wilhelm Schiefer zu Ausstellungszwecken genutzt werden. Viele Handwerker, überwiegend aus Kaarst und der näheren Umgebung, haben zum Gelingen beigetragen. Stephanie Hermes aus Korschenbroich ist die erste Künstlerin, die jetzt an diesem so besonderen Ort ausstellt. Die Vernissage am Sonntagvormittag war sehr gut besucht. Die Schirmherrschaft hatte die Landrätin Katharina Reinhold übernommen.

Markus Albiez, Vorsitzender des Kunstvereins Nordkanal, war begeistert. Er sprach von einem „White Cube“, von einem weißen Würfel und meinte den kleinen, quadratischen Ausstellungsraum. Und er war erfreut über die unerwartet große Resonanz. Eine kleine Auswahl der Besucherinnen und Besucher: Bürgermeister Christian Horn-Heinemann, der Kulturausschuss-Vorsitzende Ulrich Orlinski, die ehemalige Bürgermeisterin Ulrike Nienhaus, Jürgen Schiffer und der frühere Bürgermeister Franz-Josef Moormann als Vertreter der Bürgerstiftung, Dorothee Kraus von der Kulturverwaltung und viele Kunstinteressierte, die immer dabei sind, wenn in Kaarst und Umgebung eine interessante Ausstellung eröffnet wird. Albiez nannte das Trafohäuschen scherzhaft „eine mögliche Dependance der Landesgartenschau in Neuss“. Und er erklärte, dass Fledermäuse, die sich unter dem Dach des kleinen Hauses eingenistet hatten, mit zur Verzögerung der Bauarbeiten beigetragen hätten.

Den neuen Kunstraum nannte er „eine ganz cleane Geschichte“. Das Besondere daran: Er kann nicht betreten werden. Die Exponate können durch 20 runde Löcher, die in das Mauerwerk eingetrieben wurden, besichtigt werden. In allen vier Seiten gibt es diese Löcher, sie sind unterschiedlich groß und in unterschiedlicher Höhe. Die ehemalige Galeristin Brigitte Splettstößer ging auf die Arbeiten ein. Im Mittelpunkt steht eine Lindenholzskulptur. Sie ist knapp zwei Meter hoch und zeigt auf sehr abstrakte Weise eine weibliche Figur. „Sie ist durch die starken Farben an die Farben des Waldes angepasst“, erklärte Splettstößer. Dass Stephanie Hermes ihre Arbeiten mit unterschiedlichen Farben bemalt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Das Besondere an ihrer Kunst: Sie kann noch so filigran wirken, aber sie wird mit der Kettensäge geschaffen. „Dabei geht die Künstlerin bis an die Grenze des Machbaren“, erklärte Brigitte Splettstößer. Zerstörungen seien für sie eine Notwendigkeit. „Die Natur zeigt mir den Weg“, erklärte Stephanie Hermes.

Im Trafohaus präsentiert sie übrigens nicht nur die zwei Meter hohe Skulptur aus Lindenholz, sondern auch einige reliefartige Arbeiten aus Lindenholz in Schwarz, die an den Wänden hängen. Sie wirken fast flächig und fragil. Die stabilisierenden Edelstahlelemente bezeichnet die Künstlerin als Implantate. Kostenpflichtiger Inhalt Der neu geschaffene Kunstraum hatte ursprünglich Mini-Museum heißen sollen. Darauf, so Albiez, habe man aber verzichtet, weil ein Museum ja im Gegensatz zum Trafo-Haus begehbar sei. Sein Tipp: „Die Kunst kommt besonders gut nachts zur Geltung.“

Es hatte zu den Herausforderungen gehört, den Kunstraum mit Strom zu versorgen. Umso besser, dass dies gelang und der weiße Würfel bei Dunkelheit beleuchtet ist. Es gibt aber auch weniger Schönes zu sehen als faszinierende Kunstwerke: Das kleine, rot verklinkerte Haus ist schon jetzt voller Graffiti. Bleibt zu hoffen, dass zu diesen Verschandelungen nicht noch Zerstörungen hinzukommen.