Neue Messungen
Mikrobeben ausgelöst: RWTH forscht an Erdbebenvorhersage
29.04.2026 – 11:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Florian Amann im BedrettoLab: Das ist ein unterirdisches Testlabor im Schweizer Kanton Tessin zur Erforschung von Erdbeben. (Quelle: Niels Knippertz)
Im Gotthardmassiv lösen Forscher gezielt Mikrobeben aus und vermessen die Abläufe im Untergrund. Hunderte Sensoren liefern außergewöhnlich genaue Daten.
Forschende der RWTH Aachen haben gemeinsam mit Partnern aus Zürich und Rom ein künstliches Erdbeben im Schweizer Gotthardmassiv ausgelöst. Das teilte die Aachener Hochschule mit. Ziel sei es, die physikalischen Abläufe von Beben besser zu verstehen.
Das Experiment fand im sogenannten BedrettoLab im Kanton Tessin statt. Das unterirdische Labor liegt tief unter dem Pizzo Rotondo in einem alten Stollen. Dort installierte das rund 60-köpfige Team hunderte Sensoren direkt an Gesteinsverwerfungen. Diese Bruchzonen gelten als Auslöser von Erdbeben.
Die Forschenden pressten Wasser unter hohem Druck in die Störzonen und lösten so gezielt mehrere Mikrobeben aus. Das stärkste erreichte eine Magnitude knapp unter null und blieb an der Oberfläche unbemerkt. Projektleiter Florian Amann von der RWTH Aachen erklärte, große und kleine Beben unterschieden sich physikalisch kaum.
Während einer einwöchigen Phase registrierten die Messgeräte eine Vielzahl von Signalen. Amann zufolge seien die Daten außergewöhnlich. Die Sensoren erfassen selbst kleinste Bewegungen im Gestein, darunter Dehnungen und Neigungen. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie sich Spannungen im Untergrund aufbauen und entladen.
Die Messungen zeigen, dass einem Hauptbeben zahlreiche kleine Erschütterungen vorausgehen. Diese Vorbeben liefern wichtige Hinweise auf die Entwicklung eines Erdbebens. Ziel des Projekts ist es, langfristig die Vorhersage solcher Ereignisse zu verbessern.
Die Anlage registrierte sogar ein Erdbeben in Japan vom 20. April. Das verdeutlicht die hohe Empfindlichkeit der Technik. Aus Sicherheitsgründen bleibt das Labor derzeit unzugänglich. Das eingepresste Wasser fließt aktuell kontrolliert aus dem Gestein ab. Danach endet die aktuelle Versuchsphase.
