Helfer beobachten vom Schlepper "Robin Hood" aus nächster Nähe den Lastkahn, in dem der Buckelwal transportiert wird.

AUDIO: Nachrichten 14:00 Uhr – 29.04.2026 (4 Min)

Stand: 29.04.2026 15:14 Uhr

Einer privaten Rettungsinitiative war es gestern gelungen, das Tier in einen Lastkahn zu leiten. Nun hat der Schleppverband Fehmarn passiert. An der Rettungsaktion gibt es aber auch Kritik.

Er ist auf dem Weg Richtung Nordsee: Der Buckelwal, der wochenlang vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern festhing, hat Fehmarn (Kreis Ostholstein) passiert und ist nun zwischen den Inseln Lolland und Langeland unterwegs. Das Tier wird in einem Lastkahn transportiert – von der „Fortuna B“ geschleppt und von der „Robin Hood“ begleitet. Die Schiffe bewegen sich aktuell mit drei bis vier Knoten.

Der Schleppverband soll um die Nordspitze Dänemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee fahren – und den Wal dort entlassen. Am späten Vormittag sagte Martin Bocklage, Kapitän der „Robin Hood“ NDR Schleswig-Holstein am Telefon, der Schleppverband komme planmäßig voran. Der Wal blase regelmäßig Fontänen aus und werde von Tierärzten im Blick behalten.

29 Tage lang hatte der Wal vor der Insel Poel gelegen. Gestern war der Buckelwal in den mit Wasser gefüllten Lastkahn, auch Barge genannt, gelangt – mithilfe einer privaten Rettungsinitiative. Helferinnen und Helfer hatten das Tier in eine gebaggerte Rinne bugsiert und es mit Gurten zur Barge gezogen. Am Abend schoben kleinere Boote den Lastkahn mit dem Tier dann in die Wismarer Bucht, wo sie vom Schlepper „Robin Hood“ auf den Haken genommen wurde. Später, bei Fehmarn, übernahm die „Fortuna B“ den Kahn.

Ein Schlepperverband zieht den Wal in einem mit Wasser gefüllten Lastkahn kurz vor der dänischen Grenze.

Der Schleppverband ist mit dem Wal unterwegs Richtung Nordsee. Verfolgen Sie alle Infos, Bilder, Videos und Stimmen im Liveblog.

FAQ zur aktuellen Rettungsaktion

Der Wal befindet sich in einem Schwimmdock oder Transportdock. Darin kann er sich bewegen – und er liegt, laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus, in einem Bett aus Sand. Das Schwimmdock wird normalerweise verwendet, um kleinere Schiffe zu transportieren. Die Besonderheit ist, dass es in Flachwasser eingesetzt werden kann. Ein Netz verhindert, dass der Wal aus dem Dock herausschwimmt.

  • „Fortuna B“: Das Mehrzweckschiff war bis vor wenigen Monaten als „Scharhörn“ für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im Einsatz und fährt jetzt unter dänischer Flagge und gehört zu einer Offshore-Service-Firma mit Sitz in Glückstadt.
  • „Robin Hood“: Das Boot war lange als Marineschlepper unterwegs, anschließend fuhr es für eine Reederei in Brunsbüttel auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Inzwischen gehört der Schlepper zu einer Küstenschiffreederei mit Sitz in Elsfleth.
  • Barge /Lastkahn: Das Transportschiff der SET Werft aus Tangermünde funktioniert wie ein schwimmendes Aquarium und wurde eigentlich entwickelt, um Schiffe zu transportieren.

Geplant ist derzeit, dass der Schlepperverband durch die Lübecker Bucht, an Fehmarn vorbei, fährt. Dann durch den Großen Belt und den Kattegat.

Ein Transport wäre – laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes – möglich gewesen, sei aber nicht angefragt worden. Laut der Mit-Initiatorin der privaten Rettungsaktion, Karin Walter-Mommert, war der Transport des Buckelwals durch den NOK nie eine Option. Grund: Das Risiko, dass etwas schiefgeht und der Schlepperverband samt Wal im NOK festhängt, sei hoch, der Schaden für die Wirtschaft sei dann immens.

Freude bei Helfern und Minister – Kritik vom Meeresmuseum

Während sich Helferinnen und Helfer und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern erleichtert zeigten, gibt es auch Kritik an der Rettungsaktion. Fachleute warnen vor Stressbelastung für das Tier wegen der Lautstärke. Das Deutsche Meeresmuseum hatte von einem Lastkahn-Transport des Buckelwals abgeraten. Besser sei größtmögliche Ruhe für das Tier und eine palliative Versorgung, so die Einrichtung. Die wiederholten Strandungen des Wals würden auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hinweisen. Eine Bergung sei mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden.

Der Wal wird am Mittwochmorgen von zwei Schleppern in einem gefluteten Lastschiff vor der dänischen Küste transportiert

Bilderstrecke

Der Buckelwal, der wochenlang vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern festhing, wird in einem Lastkahn Richtung Nordsee transportiert.

Meeresbiologe skeptisch gegenüber Rettungsversuch

Auch der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter zeigte sich skeptisch: „Der Zustand des Wales ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich.“ Das Tier habe Wochen auf Land gelegen. „Das tut so einem riesigen Organismus nicht gut.“ Die Rettungsversuche könnten dem Tier auch schaden. Auch er wies auf die hohe Lärmbelastung hin. „Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.“ Ritter sagte aber auch: „Es steckt unglaublich viel Lebenswille in ihm und das hat alle – auch die Experten – überrascht.“

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Eine private Rettungsinitiative transportiert das Tier aktuell mit dem Lastkahn Richtung Nordsee. Eine Chronologie.

Wo strandete der Wal bisher?

Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd wurde er aus dem Hafenbecken geleitet. Am 23. März strandete er auf einer Sandbank in vor Niendorf (Kreis Ostholstein). Dort wurde eine Rinne für ihn gebaggert. Er schwamm sich am 27. März frei. Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb in der Kirchsee vor Poel liegen.

Video:
Spektakuläres Video: Der Moment, in dem der Wal in die Barge schwimmt (3 Min)

Wal

Die wiederholte Strandung eines Buckelwals an der Ostseeküste sorgt für große Aufmerksamkeit. Eine private Initiative versucht ihn retten.

Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse.

Ein in der Lübecker Bucht vor Niendorf gestrandeter Buckelwal in der Ostsee

Walflüsterer, Politiker und Tierärzte streiten sich um den richtigen Umgang. Um das Tier geht es längst nicht mehr.

Screenshot der Webansicht eines TikTok-Profils im Darkmode

Rechte und Rechtsextreme nutzen die Geschehnisse rund um den gestrandeten Wal, um Stimmung gegen Politik und Behörden zu machen.

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.

Screenshot eines Spendenaufrufs auf Social Media

Der vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwal sorgt weiter für Schlagzeilen – auch Betrüger nutzen die Aufmerksamkeit.