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Über 300 Werke, ikonische Infinity Rooms und spektakuläre Installationen: Die Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln ist ein visuelles Erlebnis.
Yayoi Kusama ist eine Künstlerin, die ungewöhnlich viele Welten gleichzeitig erreicht. Ihre Arbeiten haben die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts geprägt – und sind zugleich zu einem festen Bestandteil der globalen Social-Media-Kultur geworden. Punkte, Kürbisse, Spiegelräume: Bilder, die sich millionenfach verbreiten und dabei ein Publikum anziehen, das vom Instagram-Fan bis zum Stammgast der Hochkultur reicht. In Köln zeigt sich, wie groß diese Anziehungskraft ist: Mehr als 150.000 Besucher kamen bereits seit Eröffnung. Eine überwältigende Ausstellung als Megahit – die erstaunlich breit funktioniert.
Über 300 Werke, ikonische Infinity Rooms und spektakuläre Installationen: Die Kusama-Ausstellung im Museum Ludwig in Köln ist ein visuelles Erlebnis. © © picture alliance/dpa | Oliver BergÜberwältigend und übergroß
Übergroß beginnt dieser Ausstellungsbesuch schon im Foyer des Museum Ludwig. Ein Polka-Dot-Kürbis steht dort wie ein riesiges Versprechen auf das, was folgt. Und das löst die Ausstellung direkt ein.
Kusama ist zugleich filigran und überlebensgroß. Diese Mischung zieht sich durch ihr gesamtes Werk – und genau das fängt die Kölner Schau ein. Sie ist überwältigend in ihrem Umfang, aber auch in ihrer Sinnlichkeit. Man schaut nicht nur, man wird regelrecht hineingezogen.
Jahrhundert-Künstlerin Kusama
Geboren 1929 im japanischen Matsumoto, arbeitet Kusama seit mehr als siebzig Jahren an einem Werk, das sich konsequent um zentrale Motive dreht: Natur, Vergänglichkeit und die Vorstellung, dass sich alles im Unendlichen auflöst. Die Kölner Ausstellung zeigt das als große Retrospektive mit über 300 Arbeiten – von frühen Zeichnungen aus den 1930er-Jahren bis hin zu aktuellen Werken. Anlass ist das 50-jährige Jubiläum des Hauses.
Zum Großteil ist die Ausstellung in chronologische Segmente aufgeteilt. Sie erzählt die Geschichte von Kusama als Künstlerin, ihre Herkunft, ihre Einflüsse. Viele Werke stammen direkt aus ihrer eigenen Sammlung, darunter auch Arbeiten aus jüngster Zeit. Serien wie „Every Day I Pray for Love“ ziehen sich in dichten, farbintensiven Bildern durch ganze Räume.
Kleine Bilder wechseln sich mit riesigen Leinwände ab. Immer wieder diese grafischen Details, die anfangen zu flimmern, wenn man länger hinschaut. Irgendwann hat man das Gefühl, die Motive bewegen sich. Diese Kunst wird lebendig.
Motiven wie den Kürbissen, Infinity Nets oder auch ihrer Mode sind eigene Bereiche gewidmet. Das funktioniert gut, weil man sieht, wie konsequent Kusama über Jahrzehnte an denselben Ideen arbeitet – nur immer wieder in neuen Formen.
„Infinity Rooms“ und Installationen
Zu den absoluten Highlights gehören die Installationen. Ein Raum ist komplett mit gelb-schwarzen Punkten überzogen, darin stehen große, luftgefüllte Tentakel, die in den Raum ragen. Mittendrin eine verspiegelte Box – einer der berühmten Infinity Rooms. Innen wird alles durch Spiegelwände reflektiert, vervielfältigt, endlos weitergeführt. 45 Sekunden bekommt jede Besuchergruppe Zeit in der Box. Man muss sich entscheiden: Fotos machen oder einfach schauen und darin aufgehen – viele versuchen beides.
Auch die anderen Räume ziehen viele an. Ein Apartment unter Schwarzlicht, von oben bis unten mit leuchtenden Punkten beklebt („I’m Here but Nothing“). Oder der Spiegelkubus plus Riesenblumen auf der Dachterrasse, mit Blick auf den Kölner Dom. Die Schlangen davor sind lang. Es dauert ein bisschen, bis man eintreten kann. Aber es lohnt sich jedes Mal.
Dazwischen zeigt die Ausstellung eine Fülle, die man so selten sieht: Gemälde, Grafiken, Drucke, Skulpturen, Texte, Videos. Dazu frühe Arbeiten wie „Aggregation: One Thousand Boats Show“ von 1963.
Kurator Stephan Diederich hat eine hervorragende Werkschau zusammengestellt. Man kann hier Stunden verbringen und sich durch die Räume arbeiten. Oder sich einfach treiben lassen, von einem Eindruck zum nächsten, bis auch die Sinne anfangen zu flirren. Und die Besucherinnen und Besucher lieben es.
„Wir sind begeistert vom Erfolg dieser Ausstellung. Uns war natürlich bewusst, dass sie ein Publikumsmagnet sein wird, aber dass der Ansturm so enorm sein würde, haben wir nicht erwartet“, so Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig. „Besonders freut uns, dass auch viele Menschen kommen, die nicht regelmäßig Museen besuchen, quer durch alle Generationen. Die Vielfalt des Medienechos von der Lokalzeit, über die Sendung mit der Maus bis zu den tagesthemen war schon ein Anzeichen, dass die Ausstellung erfolgreich sein würde. Außerdem ist sie ein echter Renner auf Instagram“, so Dziewior weiter.
Kusama: Überwältigend gut.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 2. August 2026 in Köln. Tickets und weitere Informationen bietet die Website des Museums Ludwig (www.museum-ludwig.de). Unbedingt vorher Tickets reservieren. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de.)