Manchmal findet sich Größenwahn im Verborgenen. Ein Beispiel hält Carla Chlebarov hoch. Auf dem Bild mit einem dunklen, dicken Farbauftrag fällt oben rechts ein orangenes Objekt ins Auge. Bei genauem Hinsehen erkennt man dazu im Zentrum die amerikanische Flagge. Das Bild von Klaus Plebanski wird wahrscheinlich neben der Eingangstür der Galerie Gunzoburg seinen Platz erhalten. Noch steht nichts fest. Die teilnehmenden Künstler der Ausstellung „Größenwahn“, die der Freundeskreis Kunst Uhldingen-Mühlhofen ausrichtet, haben gerade erst ihre Werke abgeliefert. Nun herrscht geschäftiges Treiben, überall lehnen Bilder an den Wänden oder werden wieder umgesetzt. „Viel tiefer“, ruft Clara Chlebarov über die Köpfe hinweg den beiden im unteren Raum zu, die die ersten Bilder zur Probe aufhängen. Die erste Vorsitzende des Vereins hat alles im Blick. Zum dritten Mal werde der Freundeskreis im Mai eine Ausstellung in der Galerie Gunzoburg zeigen, erläutert sie. Einige der Künstler seien ebenfalls Mitglied im Internationalen Bodensee-Club (IBC), der die Räume zur Verfügung stellt.  

Titel der Ausstellung entsteht spontan

Der Titel „Größenwahn“ sei spontan bei einer Mitgliederversammlung entstanden, sagt Clara Chlebarov. Schließlich gebe es viele Arten, den auszuleben oder zum Ausdruck zu bringen, fügt die Künstlerin hinzu. Einige hätten eigens für das Thema produziert, andere wählten mehr oder weniger passende Werke aus ihren Beständen. „Ich juriere so wenig wie möglich. Wir sind ein sehr liberaler Verein“, beschreibt die Vorsitzende die Vorgehensweise. Das heißt, wer mitmachen möchte, liefert Bilder ab und was dann aufgehängt wird, entscheidet sich vor Ort. Manchmal passten Thema und Platz perfekt zusammen, erläutert Clara Chlebarov und zeigt auf drei große Formate in knalligem Blau. „Das ist Größenwahn!“, lacht sie.

Carla Chlebarov, Vorsitzende des Vereins, zeigt das Bild mit dem sie an der Ausstellung teilnimmt.

Icon vergrößern

Carla Chlebarov, Vorsitzende des Vereins, zeigt das Bild mit dem sie an der Ausstellung teilnimmt.
Foto: Sabine Busse

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Carla Chlebarov, Vorsitzende des Vereins, zeigt das Bild mit dem sie an der Ausstellung teilnimmt.
Foto: Sabine Busse

Sie ist selbst mit einem abstrakten Bild vertreten, auf dem ein Gitter von Pastelltönen auf einem blasseren Grund zu sehen ist. Sowohl der Weg zur Abstraktion als auch die Malweise beschreibt sie als persönlichen Prozess. Wie bei den meisten Künstlern habe auch bei ihr in der Ausbildung erst einmal die gegenständliche Arbeit dominiert.

Vernissage und Ausstellung

Die Ausstellung „Größenwahn“ des Freundeskreis Kunst e.V. ist vom 3. bis zum 31. Mai 2026 in der Galerie Gunzoburg, Aufkircher Straße 3, in Überlingen zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag von 11 bis 14 Uhr und an Sonntagen von 14 bis 17 Uhr. Die Vernissage findet am Samstag, 3. Mai, um 11 Uhr statt, musikalisch begleitet von Dorle Ferber. Weitere Informationen: www.kunst-in-uhldingen.de.

Fotorealistische Darstellung von dramatischer Schönheit

Bei Chin-Lin Lu-Rauscher verlief die Entwicklung umgekehrt. Die Künstlerin stammt aus Taiwan, wo sie ihre Ausbildung begann, die sie in Deutschland fortsetzte. Mehrere Jahre war sie als Dozentin an der Jugendkunstschule in Uhldingen tätig, bis es zu einem Bruch in ihrem Leben kam. Sie gab das Unterrichten auf und wandte sich von der abstrakten Malerei ab. Aktuell zeichnet sie mit Bleistift, reduziert ihre Bilder also konsequent auf schwarz und weiß. In der Ausstellung präsentiert sie eine Ansicht des Bodensees aus einer Perspektive dicht über der Wasseroberfläche in Richtung Sonnenuntergang. Eine Szene, die farbig dargestellt schnell klischeehaft wirkt, ist in der schwarz-weißen, detailreichen und beinahe fotorealistischen Darstellung von dramatischer Schönheit. Die Stofflichkeit des Wassers mit den sanften Wellen und unzähligen Lichtreflexen nur mit Bleistift produziert, ist beeindruckend. Gleiches gilt für die Darstellung eines Alpenmassivs. Bei ihr passt das Motto Größenwahn vor allem zum zeitintensiven und akribischen Herstellungsprozess. Chin-Lin Lu-Rauscher arbeitet mehrere Wochen an einem Bild.

Bevor die Werke der 18 teilnehmenden Künstler ihren Platz gefunden haben, gibt es viel zu tun.

Icon vergrößern

Bevor die Werke der 18 teilnehmenden Künstler ihren Platz gefunden haben, gibt es viel zu tun.
Foto: Sabine Busse

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Bevor die Werke der 18 teilnehmenden Künstler ihren Platz gefunden haben, gibt es viel zu tun.
Foto: Sabine Busse

Eine wesentlich dezentere Form des Größenwahns zeigt Ute Manuela Dreher. In ihren Collagen steht jeweils eine monochrome Fläche im Mittelpunkt auf einem braunen Bogen Papier. Dreher färbt die amorphen Flächen aus Glasfaser ein und positioniert sie mal mittig, mal ragen sie über den Untergrund. Das wirkt auf den ersten Blick unaufgeregt, entwickelt aber eine besondere Kraft durch die Reduzierung und Konzentration, die sie dem Betrachter abverlangt.

Ute Manuela Dreher tüftelt noch an der Reihenfolge, in der sie ihre Bilder hängen möchte.

Icon vergrößern

Ute Manuela Dreher tüftelt noch an der Reihenfolge, in der sie ihre Bilder hängen möchte.
Foto: Sabine Busse

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Ute Manuela Dreher tüftelt noch an der Reihenfolge, in der sie ihre Bilder hängen möchte.
Foto: Sabine Busse

Insgesamt 18 Künstlerinnen und Künstler präsentieren einen Monat lang in der Gunzoburg ihre individuelle Form von Größenwahn. Für die Besucher gibt es entsprechend viel zu entdecken. Gespannt sein dürfen sie auch auf die spezielle Art der Laudatio, die Dorle Ferber mit Stimme und Violine bei der Vernissage intonieren wird.