Ein Maibaum als Liebesbeweis – das hat auch im Rheinland Tradition. Sie stammt ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert und diente damals der unkomplizierten „Partnervermittlung“: Heiratswillige Junggesellen stellten dabei in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai unbemerkt eine bunt geschmückte Birke vor die Haustür ihrer Auserwählten – und bekundeten damit ihre Heiratsabsichten. Einen Monat lang blieb der Maibaum stehen, so lange hatte die Dame Zeit, sich für oder gegen ihren Verehrer zu entscheiden. Im Volksmund heißen die Exemplare auch „Liebesmaien“ – „Maien“ waren früher Zweige, mit denen die Menschen zu festlichen Anlässen Haus und Hof schmückten und dekorierten.

Wer aber am Morgen des 1. Mai statt einer bunt geschmückten Birke einen krummen Baum mit schwarzem Krepp oder Klopapier an den Zweigen vor seiner Haustür fand, der hatte es nicht mit einer Liebesmaie, sondern einem Schandbaum zu tun – ein Symbol für verschmähte Liebe oder Betrug.

Maibäume für junge Leute und Diskotheken

Dass Maibäume auch heutzutage noch angesagt sind, kann Chris Korfmacher nur bestätigen. Der 40-Jährige verkauft sie im Bilker Gartencenter, das er an der Fleher Straße betreibt. Noch vor zehn, 15 Jahren sei der Andrang auf Maibäume eher überschaubar gewesen, erinnert er sich. „In den vergangenen Jahren haben wir aber einen Boom erlebt, besonders bei jungen Leuten“, sagt er. Die meisten von ihnen seien 20 bis 25 Jahre alt und wollten mit dem Maibaum ihren Partner überraschen. Zu den Käufern zählten aber auch die Betreiber von Diskotheken und Clubs in der Landeshauptstadt, die anlässlich des „Tanz in den Mai“ Partys organisieren und dafür bei Korfmacher im Vorfeld Großbestellungen an Maibäumen aufgeben.

Maibaumfeste für Familien

Selbst habe er noch nie einen Maibaum geschlagen oder einer Dame vor die Tür gestellt, gibt Korfmacher zu. Dafür schaue er jedes Jahr gerne beim Maibaumfest in Volmerswerth vorbei, wo er auch wohnt. Der Bürger- und Heimatverein richtet es im ländlich geprägten Stadtteil auf dem Schützenplatz an der Volmerswerther Straße aus und bietet damit besonders Familien mit Kindern Gelegenheit, den neuen Monat feierlich zu begrüßen. Auch in früheren Zeiten tanzten Dorfbewohner bereits um den Maibaum, den sie zuvor zentral auf dem Marktplatz aufgestellt hatten.

Hoher Umsatz am 30. April

Mehr als 50 geschlagene, bis zu 3,5 Meter hohe Birken aus dem Großhandel bietet Korfmacher derzeit in seinem Gartencenter zum Verkauf an. Außerdem gibt es auch circa 30 Exemplare im Topf, die jeweils 1,80 Meter hoch sind. Im vergangenen Jahr seien diese sehr gut angekommen, schon fertig geschmückt mit buntem Krepppapier. Das überrascht nicht angesichts der Tatsache, dass sie nicht nur einfacher zu transportieren, sondern auch länger haltbar sind als die geschlagenen Birken, die Korfmacher von einem Bekannten bezieht.

Der umsatzstärkste Tag für den Verkauf sei erfahrungsgemäß der 30. April. „Es ist ein kurzes Geschäft mit kleinem Zeitfenster, genau wie beim Glücksklee zu Silvester“, sagt der 40-Jährige. „Den kaufen die Kunden ja auch nicht Wochen im Voraus“. Und in der Regel auch nicht später: „Nur ein einziges Mal habe ich erlebt, dass ein Kunde erst am 1. Mai einen Maibaum kaufen wollte“, erinnert sich Korfmacher.

Birken als Symbol für Frühling und Fruchtbarkeit

Birken eigneten sich deshalb so gut als Maibaum, weil sie so gut und einfach gedeihen, sagt er. Nach dem Winter gehören sie zudem zu den ersten Bäumen, die zu blühen beginnen und symbolisieren damit treffend den Abschied von der kalten Jahreszeit.

Wer noch keinen Maibaum hat, sollte sich aber unbedingt an reguläre Verkaufsstellen wenden – und nicht etwa eigenhändig ein Exemplar im Wald fällen. Davor warnt auch das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW. „Wer ohne Genehmigung des Waldbesitzenden oder der Forstrevierleitung einen Baum fällt, dem drohen rechtliche Konsequenzen wegen Sachbeschädigung und Diebstahl“, heißt es. Es empfiehlt sich zudem, den Maibaum nach einem Monat wie Grünschnitt zu entsorgen oder zu kompostieren.

Wo es Düsseldorf Maibäume gibt – von Wittlaer über Bilk bis Garath

Im Angebot hat das Bilker Gartencenter Birken zwischen einem und dreieinhalb Meter. Kostenpunkt: 10 bis 40 Euro. Der Verkauf läuft am Donnerstag von 9 bis 19 Uhr. Doch nicht nur dort gibt es in Düsseldorf Maibäume, die Stadt hat mehrere Anlaufstellen.

Im Schlosshof Garath (Schlossallee 22) gibt es Exemplare von einem bis fünf Metern Höhe, pro Meter zahlt man 5 Euro. Wer einen besonders imposanten Liebesbeweis wünscht, erhält hier auch größere Birken – allerdings nur mit Vorbestellung. Bunter Schmuck lässt sich vor Ort ebenfalls direkt dazukaufen. Zwischen 10 und 19 Uhr hat der Schlosshof geöffnet. Ab Nachmittag sind dort auch Kaltgetränke erhältlich.

Beim Böhmann-Ilbertz Gartencenter in Wittlaer (Duisburger Landstraße 24) gibt es neben geschlagenen auch eingepflanzte und bereits geschmückte Maibäume. Sie messen zwischen 1,50 und 2,50 Meter und kosten zwischen 20 und 25 Euro. Geöffnet ist der Center am Donnerstag zwischen 9 und 18 Uhr.

Egal woher – das Aufstellen eines Maibaums dürfte aktuell wohl der größtmögliche Liebesbeweis sein. Nicht nur in Düsseldorf, da aber ganz besonders.