Im Falle seines Sieges bei der französischen Präsidentschaftswahl in knapp einem Jahr will der rechtspopulistische Parteichef des Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, die Europaflagge vom Elysée-Palast in Paris entfernen und nur noch die französische Flagge behalten. Neben dem Präsidentenpalast wolle er auch am Regierungssitz Matignon „nur die französische Flagge belassen, weil das ein Symbol ist“, sagte Bardella am Mittwoch im Sender BFMTV.
Auch andere rechte Parteien in Europa stellen sich öffentlich gegen die Europäische Union. Gleichzeitig wurde bekannt, dass rechtsnationale Europaabgeordnete in der vergangenen Legislaturperiode EU-Gelder veruntreut haben sollen. Prüfer der Parlamentsverwaltung waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Mitglieder der ID-Fraktion in der vergangenen Legislaturperiode mindestens 4,3 Millionen Euro aus EU-Mitteln missbräuchlich verwendet haben. Laut ihrem Bericht sind die Gelder unter anderem an Firmen im Umfeld der Fraktion geflossen und an Vereine, die Abtreibungsgegner unterstützen. Zu der mittlerweile aufgelösten ID-Fraktion gehörte Bardellas RN, die deutsche AfD, die österreichische FPÖ und die italienische Lega.
Bardella ist seit 2019 Europaabgeordneter der RN und Vorsitzender der 2024 entstandenen Fraktion Patrioten für Europa (PfE), die sich aus rechtspopulistischen, rechtsextremen und EU-skeptischen Parteien zusammensetzt.
Ob der 30-jährige in Frankreich bei der Präsidentschaftswahl 2027 antritt, hängt davon ab, ob RN-Fraktionschefin Marine Le Pen im Juli im Berufungsverfahren um veruntreute EU-Gelder erneut zur Nichtwählbarkeit verurteilt wird. In Umfragen liegt Bardella derzeit in der ersten Wahlrunde vorn, würde aber in der Stichwahl gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Edouard Philippe verlieren.