Wasserspiele – davon träumt Stefan Busch, genannt Buschi, der mit Downsyndrom in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt. Stundenland kann er einfach dem laufenden Wasserhahn zuschauen – bis ihn seine Betreuerin mal wieder suchen kommt.
Wasser zieht ihn magisch an, doch weil er nicht schwimmen kann, darf er nicht mit ins Schwimmbad. Und auch sonst erlebt Buschi wenig. Seine Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen beherrscht er perfekt. Jeder Handgriff sitzt. Abwechslung und Abenteuer findet er höchsten in Filmen.
Abenteuerliche Reise von Köln nach Bern über Weimar und Dresden
Eines Tages – seine Kölner Wohngruppe spaziert gerade über die trubelige Hohenzollernbrücke – schließt sich Buschi unbemerkt einer japanischen Reisegruppe an und steigt mit in den Bus. Die Türen schließen sich und der Bus rollt in Richtung Weimar. Das Roadmovie beginnt – und damit die unwahrscheinliche Freundschaft zwischen Buschi, der niemals spricht, und dem schweigsamen Japaner Hideo Kitamura, der sich stets hinter seiner Sonnenbrille versteckt.
Leipziger Regisseur Thomas Stuber ändert die Optik
„Der Frosch und das Wasser“ ist der erste Kinofilm des Leipziger Regisseur Thomas Stuber nach dem Ende seiner Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Clemens Meyer. Mit „Herbert“ (2015), „In den Gängen“ (2018) oder „Die stillen Trabanten“ (2022) hatten sie für die Leinwand einen spezifischen Ton angeschlagen: melodramatisch, melancholisch – prekäre Lebensverhältnisse in nächtlichen Stimmungen. Nun hat Stuber die Nacht gegen den Tag getauscht.
Der Film entstand auf der Grundlage einer Idee des Bremer Theatermaches Gotthart Kuppel, der im „Blaumeier-Atelier“ Bremen mit Darstellenden mit Behinderung arbeitet. Es ist eine märchenhafte und hoffnungsvolle Geschichte. Farbenfrohe, sommerliche Bilder begleiten die Reise, die über Weimar, Dresden und dann später den Rheinfall bei Schaffhausen bis nach Bern führt. Das bringt auch eine neue cinematische Perspektive auf die Landschaften und Städte, die auf der Strecke liegen.
Freundschaft für die Ewigkeit: so groß wie Goethe und Schiller
Fast nebenbei schafft Stuber dabei symbolische Bilder, die zum Nachdenken und Schmunzeln anregen. Etwa als Buschi in Weimar vor dem berühmten Goethe-Schiller-Denkmal schließlich doch auffällt und aufgefordert wird, die Gruppe zu verlassen. Doch der hochgewachsene Hideo stellt sich schützend zu ihm.
Gerade sprachen der Reiseleiter und der japanische Übersetzer über den realen Größenunterschied zwischen Goethe und Schiller – den bilde das Denkmal nicht mit ab. Da sticht umso mehr der Größenunterschied zwischen den beiden Personen ins Auge, die nun vor dem Denkmal stehen und mit auf die Fotos der Reisegruppe kommen: zwei für die Ewigkeit.