Streit ums Ihme-Zentrum
Jahrelanger Stillstand: Hannover droht Investor mit Enteignung
30.04.2026 – 10:06 UhrLesedauer: 2 Min.
Das Ihme-Zentrum (Archivbild): Investor Lars Windhorst übernahm 2019 den Großteil der Immobilie. (Quelle: IMAGO/imago)
Das Ihme-Zentrum ist ein Sorgenkind von Hannover. Jetzt verschärft die Stadt den Ton: Oberbürgermeister Belit Onay bringt sogar eine Enteignung ins Spiel.
Die Stadt Hannover hat offenbar genug vom Dauerstillstand am Ihme-Zentrum – Oberbürgermeister Belit Onay denkt in einem Interview mit dem „Manager Magazin“ laut über drastische Maßnahmen nach. „Am Ende könnte die Enteignung stehen“, so der Grünen-Politiker. Hintergrund ist der seit Jahren stockende Umbau des riesigen Gebäudekomplexes.
Die Stadt will den Druck schrittweise erhöhen. „Wir stülpen über das bebaute Grundstück einen neuen Bebauungsplan drüber“, sagte Onay zu dem Magazin. Der soll klare Vorgaben für die Nutzung machen – etwa mehr Wohnraum und weniger Einzelhandel. Eine rechtliche Prüfung im Rahmen des Planverfahrens hatte ergeben, dass der Bebauungsplan aus dem Jahr 1971, auf dessen Grundlage das Ihme-Zentrum entstand, gar nicht gilt. Grund dafür ist ein Formfehler.
Sollten die Investoren auf die neuen „baurechtlichen Leitplanken“ nicht reagieren, will die Stadt weitergehen. „Wir können ein Baugebot aussprechen, um unsere Vorgaben umzusetzen“, sagte Onay in dem Interview. Das könne zur Enteignung führen. „Jemanden wie Lars Windhorst muss man auch wieder vor die Tür setzen können.“
Das Ihme-Zentrum gilt seit Jahrzehnten als Problemfall. Auch unter Windhorst kam die Sanierung kaum voran. Die Stadt kündigte ihren Mietvertrag, später meldete die Projektgesellschaft von Windhorst Insolvenz an. Für viele Eigentümer im Gebäude verschärfte sich die Lage weiter. „Es wirkt, als ob das Gebäude zum Buchungstrick wurde“, so Onay über das Vorgehen von Windhorst. Versprochene Fortschritte seien ausgeblieben, stattdessen habe das Projekt weder der Stadt noch dem Viertel etwas gebracht.
Gleichzeitig grenzt sich die Stadt klar ab: Ein Einstieg mit Geld der öffentlichen Hand komme nicht infrage. Die Stadt sei nicht die Eigentümerin des Gebäudes. „Unsere Rolle muss es sein, das Ihme-Zentrum städtebaulich zu entwickeln.“
