Ein 84 Jahre alter Mann soll in Stuttgart in mehreren Hundert Fällen Mädchen und Jungen sexuell missbraucht haben. Nach einer intensiven Fahndung konnte die Polizei den Mann am Dienstag festnehmen. Er befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Vom zuständigen Haftgericht wurde ein Haftbefehl erlassen. Der Fall war Ende Februar ins Rollen gekommen: Die Eltern eines zehn Jahre alten Mädchens hatten der Polizei von einem sexuellen Übergriff auf ihre Tochter im Solebad in Bad Cannstatt berichtet. Daraufhin hatte die Polizei einen Zeugenaufruf initiiert.

Es hatten sich dann zahlreiche Zeugen gemeldet, die von ähnlichen Vorfällen berichteten. „Wir gehen von wenigen Geschädigten, aber von mehrfachen Übergriffen aus. Es könnten mehrere Hundert Fälle von sexuellen Übergriffen sein“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Stuttgart der F.A.Z.

Nach Darstellung der Polizei hat es nach dem Zeugenaufruf viele Hinweise auf ähnliche Fälle gegeben. „Es gab offenbar Eltern, die ähnliche Beobachtungen gemacht hatten“, sagte die Sprecherin. Das habe die Ermittlungsarbeit sehr erleichtert.

Mit Ballspielen weggelockt

Bei dem Täter soll es sich um einen deutschen Staatsbürger handeln. Über Vorstrafen und die Biographie des Mannes machte die Polizei keine weiteren Angaben. Offenbar besuchte er das Solebad in Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt häufiger, um sich dort seine minderjährigen Opfer zu suchen. Er soll seine Opfer mit Ballspielen von den Aufsichtspersonen weggelockt haben.

Das Solebad in Cannstatt liegt am Kurpark und gehört neben den Mineralbädern Berg und Leuze zu den beliebtesten und gerade von Familien meistfrequentierten Schwimmbädern der baden-württembergischen Landeshauptstadt.

Die Ermittler haben Hinweise, dass der Mann einige sexuelle Übergriffe auf Minderjährige auch im familiären Umfeld verübte. Es wird damit gerechnet, dass die Staatsanwaltschaft in den nächsten Monaten Anklage erheben wird.

Am Donnerstag wurde ebenfalls in Baden-Württemberg ein schwerer Verstoß gegen das Verbot bekannt, Kinderpornographie zu besitzen. Ein 59 Jahre alter Mann aus Karlsruhe soll mit einem KI-Bildgenerierungsprogramm in vier Fällen kinderpornographisches Material hergestellt haben. Mit Prompts und sogenannten Loras soll er wirklichkeitsnahe Ergebnisse produziert haben. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe wirf dem Verdächtigen außerdem vor, zwischen 2020 und 2024 in mehreren Fällen kinderpornographische Inhalte einer unbestimmten Zahl von Nutzern im Internet zugänglich gemacht zu haben.

Der Fall konnte auch durch die Spezialisten des baden-württembergischen „Cybercrime-Zentrums“ aufgeklärt werden. Das Ermittlungszentrum ist bei der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe angesiedelt; das zuständige Amtsgericht in Karlsruhe hat die Anklage noch nicht zugelassen.