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Leipzig – Ein finsterer, verwinkelter Raum in der Leipziger Bar „Cocks“. Frauen haben keinen Zutritt. Ausschließlich Männer treffen sich hier, viele verschwinden für unverbindlichen Sex ins Hinterzimmer. Was am frühen Morgen des 13. Septembers in dem Darkroom passierte, wird nun am Landgericht beleuchtet: Es geht um versuchten Mord.

Richard C. (35) wirkt fast verängstigt, als Staatsanwalt Moritz Diekmann die Anklage verliest. Der schmächtige Mann mit dem scheuen Blick arbeitet als Grafiker. In der Tatnacht soll er in der Schwulenbar in Leipzig rein zufällig Peter L.* (51, Name geändert) wiedergetroffen haben. Vor Jahren führten er und der Lehrer eine sexuelle Beziehung. Die endete laut Anklage dramatisch: Der Grafiker behauptet, 2022 von dem Lehrer, in dessen Wohnung betäubt und vergewaltigt worden zu sein. Vor einem Berliner Gericht hatte der Vorwurf jedoch keinen Bestand, das Verfahren wurde im Oktober 2023 eingestellt.

Der Angeklagte Richard C. mit seiner Rechtsanwältin Andrea Liebscher

Der Angeklagte Richard C. mit seiner Rechtsanwältin Andrea Liebscher

Foto: Silvio Buerger

Halsschnitt als späte Rache

Und dann dieses verhängnisvolle Wiedersehen im Darkroom in Leipzig! Laut Anklage trafen sich die beiden nur kurz, als Peter L. sich gerade mit einem anderen Mann in eine stille Ecke zurückzog, um dort Sex zu haben. 30 Minuten später, als er gerade seine Kleidung richtete, folgte der Angriff: „Mit dem Taschenmesser fügten Sie ihm eine halbmondförmige Schnittverletzung am Hals zu, um ihn zu töten“, sagt Moritz Diekmann zum Angeklagten.

Der Angegriffene selbst erinnert sich im Zeugenstand: „Er sprang mich von hinten an. Ich hatte anfangs gar nicht gemerkt, dass da ein Messer im Spiel war, nur einen Druck am Hals verspürt.“ Zehn Minuten später, als Rettungsdienst und Polizei bereits unterwegs waren, griff Richard C. ein zweites Mal an. Laut Staatsanwalt stach er seinem Opfer „völlig überraschend mit dem Messer in den Bauch“. Der attackierte Lehrer überlebte, sein Hals musste mit neun Stichen genäht werden. Richard C. wurde am Tatort festgenommen, sitzt seither in U-Haft.

Täter räumt Messer-Angriffe ein

Der Angeklagte gestand die beiden Angriffe zum Prozessauftakt. Über seine Anwältin ließ er mitteilen, dass er bis heute überzeugt sei, von dem Lehrer 2022 in Berlin betäubt und vergewaltigt worden zu sein. Er habe zur Tatzeit in einer tiefen Lebenskrise gesteckt. In seiner Gedankenwelt bringe er Peter L. auch mit anderen Negativerlebnissen in Verbindung.

Der Prozess wird fortgesetzt. Es sind noch fünf weitere Verhandlungstage geplant.