„Immer wieder fällt Finnland, wenn es um die Frage geht, wie wir resilient werden können“, lenkte Lanz nun den Blick gen Norden. Es seien die historische Erfahrung des Winterkriegs 1939 bis 40 mit der Sowjetunion und die 1.300 Kilometer lange Grenze zu Russland, die dem Land eine „innere Widerstandsfähigkeit“ beschert hätten, vermutete Claudia Major. Dort wisse man, dass „Sicherheit nichts ist, was man an den Staat outsourced“, so die Militärexpertin. Sie verwies auf die flächendeckende Ausstattung mit Bunkern und sprach von einem „Lerntourismus nach Finnland“, der mittlerweile eingesetzt habe.
In der Nato kursiere der Witz, dass nicht Finnland der Nato, sondern die Nato Finnland beigetreten sei, ergänzte Florence Gaub. Während bei uns kein Lehrer, keine Kindergärtnerin und kein Busfahrer wüsste, was im Ernstfall zu tun sei, kenne in Finnland jeder seinen Platz, so die Forschungsdirektorin am Nato Defense College in Rom. „Aber auch Finnland ist ohne den Rest von Europa nicht sicher“, milderte Sanna Marin die Lobeshymnen ab, „wir brauchen uns gegenseitig.“
Als Lanz ihr Drohungen Wladimir Putins vorspielte, die dieser gegen das von ihr in die Nato geführte Finnland ausgestoßen hatte, reagierte die Ex-Regierungschefin allerdings bestimmt: Man müsse Entscheidungen auf Basis eigener Überzeugungen treffen, nicht angstgetrieben. „Das ist exakt, was Putin will“, so Marin. Für den Kreml-Herrscher gelte dieselbe Handlungsmaxime wie für Schulhof-Tyrannen, erklärte sie: Stärke zeigen.
„Wie sehr steht Trump noch an der Seite der Nato?“, wandte sich Lanz schließlich noch an Claudia Major. Die USA seien im Ukraine-Krieg „vom Unterstützer zum Moderator geworden, bestenfalls“, urteilte die Wissenschaftlerin. Vielleicht stünden sie aber auch schon auf Seiten Russlands.