1963 begann die erste Saison der neu gegründeten Bundesliga statt. Seitdem sind 63 Jahre vergangen und nur zwei Clubs haben in dieser Zeit mehr Bundesliga-Spiele absolviert als der VfB Stuttgart: Rekordhalter ist der FC Bayern München mit 2075 Partien, gefolgt von Werder Bremen mit 2067 Partien. Der VfB absolviert am kommenden Samstag (02.05./15:30 Uhr) sein 2000. Bundesliga-Spiel. Zum Vergleich: Gegner TSG Hofffenheim wird gegen Stuttgart sein 610. Bundesligaspiel machen. In der langen Bundesliga-Historie des VfB Stuttgart haben sich einige dramatische und skurrile Geschichten abgespielt.
Extreme Ergebnisse
In der ersten Saison der neu gegründeten Bundesliga (1963/64) verlor der VfB am 24. Spieltag mit 1:7 in Dortmund – ein Negativrekord der seitdem nicht übertroffen wurde. Es war allerdings nicht die einzige Partie mit sechs Toren Differenz – insgesamt vier weiter Bundesliga-Spiele verloren die Schwaben mit 0:6. Das letzte Mal am 30. Spieltag der Saison 2018/19 gegen den FC Augsburg. Ähnlich sieht es beim höchsten Sieg aus. Fünfmal gewann der VfB 7:0. Das letzte Mal in der Saison 2010/11 gegen Borussia Mönchengladbach. Die Gladbacher sind außerdem Lieblingsgegner des VfB. Gegen kein Team gewannen die Schwaben öfter (insgesamt 46 mal).
Der VfB verdirbt Schalke 04 die Meisterschaft – und sichert sich den Klassenerhalt

Die Vorzeichen sind eindeutig, als der VfB Stuttgart am 33. und vorletzten Spieltag der Saison 2000/01 auf Schalke 04 trifft. Die Stuttgarter stecken mitten im Abstiegskampf, brauchen jeden Punkt, Schalke steht an der Tabellenspitze – punktgleich mit dem FC Bayern. Lange rennen die Schalker erfolglos gegen den Defensivblock der Stuttgarter an. Die Defensivtaktik von Trainer Felix Magath geht im heimischen Gottlieb-Daimler-Stadion auf.
Zeitleich spielt der Tabellenzweite Bayern München gegen den 1. FC Kaiserslautern: Auch hier steht es lange 0:0, erst in der 87. Minute trifft Roque Santa Cruz für die Münchner zum 1:0. Schalke rutscht auf Tabellenplatz Zwei. Es wird noch dramatischer: In Stuttgart läuft die 90. Minute, der Ball trudelt durch den Strafraum der Schalker. Auftritt Krassimir Balakov: der Bulgare kommt aus dem Rückraum, schießt aus etwa 18 Metern, der Ball schlägt unhaltbar im rechten Toreck ein. Der VfB gewinnt mit 1:0, sichert sich den Klassenerhalt und Schalke verliert die Tabellenführung und die Meisterschaft. Am letzten Spieltag gewinnt Schalke zwar gegen Unterhaching, Bayern spielt unentschieden gegen den HSV und ist Meister, mit einem Punkt Vorsprung – doch das ist eine andere Geschichte.
Deutscher Meister VfB, oder: die jungen Wilden unter Armin Veh

In der Saison 2006/07 duellieren sich der VfB und Schalke 04 wieder. Diesmal allerdings im Fernduell um die Meisterschaft. Am 33. Spieltag überholen die Schwaben Schalke durch einen 3:2 Sieg beim VfL Bochum und stehen vor dem letzten Spieltag mit 2 Punkten Vorsprung auf Tabellenplatz Eins. Das entscheidende letzte Spiel bestreiten beide Clubs vor heimischem Publikum. Schalke gegen Bielefeld und der VfB gegen Energie Cottbus. Anpfiff: 15:30 Uhr. Und dann: Drama pur.
Nach 16 Minuten führt Schalke bereits 2:0. In Stuttgart geht Energie Cottbus nach 19 Minuten mit 1:0 in Führung. Die Meisterschaft: weg. Für etwa acht Minuten jedenfalls, denn dann gleicht Thomas „Hitz the hammer“ Hitzlsperger nach Ecke durch einen fulminanten Volley-Abschluss aus und bringt den VfB wieder auf Kurs. Zur Halbzeit wechselt Trainer Veh Antonio da Silva ein. Und der flankt 17 Minuten nach Wiederanpfiff auf Sami Khedira. Kopfball. Tor! Führung. Schlusspfiff. Der VfB gewinnt 2:1 und ist Deutscher Meister. Und Schalke? Wieder nur Zweiter.
Rettung in letzter Sekunde
Weit entfernt von der Meisterschaft, aber genauso dramatisch: Die Saison 2021/22. Vor dem letzten Spieltag steht der VfB auf dem Relegationsplatz – drei Punkte hinter Hertha BSC Berlin, aber mit deutlich besserem Torverhältnis. Am letzten Spieltag trifft der VfB zuhause auf den FC Köln, die Hertha auswärts auf den BVB. Die Spielverläufe der beiden Clubs aus Stuttgart und Berlin sind nahezu identisch: Beide Teams gehen früh in Führung und kassieren in der zweiten Hälfte den Ausgleich. Es folgen: Die Minuten 84 bis 90+2.
In Dortmund kassiert die Hertha das 1:2 und liegt plötzlich hinten. Beim VfB weiß man: Ein Tor noch und der direkte Klassenerhalt ist gesichert. Die Spieler auf der Bank peitschen das Team nach vorne. Nachspielzeit. 90+2 Minuten sind gespielt. Omar Marmoush steht an der linken Eckfahne, bereit zur Ecke. Am kurzen Pfosten verlängert Hiroki Ito auf Kapitän Wataru Endo, der fliegt förmlich in den Ball hinein, Kopfball: Tooor. 2:1. Abpfiff, Ekstase, Klassenerhalt, Platzsturm.
Nun also das Jubiläumsspiel. Auch Nummer 2000 könnte erneut Stoff für Geschichten bieten: Im Derby gegen die TSG Hoffenheim geht es für den VfB um die Champions-League-Qualifikation.