Mit Saufgelagen in der Bahnhofshalle oder auf dem Vorplatz an Berliner Bahnhöfen soll zukünftig Schluss sein – zumindest am Zoologischen Garten und Ostbahnhof. Ab dem heutigen 1. Mai gilt dort ein dauerhaftes Alkoholverbot.

Die Deutsche Bahn begründet dies mit dem Ziel, „unseren Reisenden sichere und saubere Bahnhöfe zu bieten“, wie ein Sprecher auf Morgenpost-Anfrage erklärt. Zuvor hatte die „B.Z.“ darüber berichtet. In Geschäften und Gastronomien, in denen Alkohol verkauft oder ausgeschenkt wird, gilt die neue Regelung nicht.

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Bahn verschärft Alkoholverbot und droht mit Strafanzeige

Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit Hausverweisen oder Hausverbot rechnen. Im Falle wiederholter Missachtung behalte sich die Bahn eine Strafanzeige vor, heißt es in einer internen Information für die Mitarbeitenden. Untersagt ist demnach der Konsum von Alkohol sowie das Mitführen solcher Getränke in geöffneten Behältnissen. „Entsprechende Informationen an den Stationen weisen darauf hin“, so der DB-Sprecher.

Bereits in anderen deutschen Städten herrscht ein entsprechendes Verbot an bestimmten Bahnhöfen. So wurde Anfang April am Kölner Hauptbahnhof ein Alkoholverbot eingeführt. Ob weitere Bahnhöfe in Berlin folgen, ist laut dem DB-Sprecher noch nicht sicher. „Wir prüfen mit diesem Modellprojekt, wie es angenommen wird, und entscheiden dann über das weitere Vorgehen.“

Alkohol auf dem Spielplatz, Rauchen am Sandkasten – am Beispiel des Berliner Bezirks Pankow zeigt sich, wie schwer es in der Praxis fällt, klare Verbote durchzusetzen.

Gewalt gegen Mitarbeitende der Bahnhofsmission – „fast immer Alkohol im Spiel“

Das Alkoholverbot an den beiden Berliner Bahnhöfen dürfte insbesondere alkoholkranke und obdachlose Personen treffen – sowohl am Ostbahnhof als auch am Bahnhof Zoologischer Garten ist die Szene stark sichtbar. Wird das Problem durch das Eingreifen der Deutschen Bahn lediglich verschoben? Das jedenfalls befürchten manche, die für die Berliner Stadtmission in der Mobilen Einzelfallhilfe am Zoo tätig sind, wie Sprecherin Barbara Breuer erklärt. Die, die bereits am Rande der Gesellschaft stehen, würden durch die Verbotszonen weiter verdrängt, so die Auffassung mancher Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Allerdings zeigt man bei der Berliner Stadtmission auch Verständnis für das Vorgehen der DB. „Gerade dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, wo Aggression und Gewalt ein Thema sind, sinkt durch Alkohol die Hemmschwelle“, sagt Breuer und beruft sich auf Erfahrungen von Mitarbeitenden in den Bahnhofsmissionen und Notübernachtungen. Dort habe die Gewalt zugenommen – das spiegele sich sowohl in der Statistik als auch im subjektiven Empfinden der Mitarbeitenden wider, meint Breuer. „Fast immer sind dabei Alkohol oder Drogen im Spiel.“ Am Hauptbahnhof habe erst kürzlich jemand im Vorraum der Bahnhofsmission uriniert. „Am nächsten Tag wusste er nichts mehr davon“, so Breuer.

Robert Crumbach bringt ein Alkoholverbot im Regionalverkehr ins Spiel. (Archivbild)

Eine wünschenswerte Lösung wäre aus Sicht der Berliner Stadtmission, das Alkoholverbot durch einen Ausbau der Hilfsangebote und Sozialarbeit zu flankieren. Das Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Szene müsse „immer mit Augenmaß“ erfolgen, fordert die Sprecherin und verweist auf die bereits existierende Kooperation zwischen der Stadtmission und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Die Sicherheitsmitarbeitenden dort werden in Schulungen für das Thema Obdachlosigkeit und Sucht sensibilisiert. Ziel ist unter anderem ein adäquater und respektvoller Umgang mit obdachlosen Personen.

In den Fahrzeugen der BVG ist der Konsum von Getränken nicht erlaubt, stark alkoholisierte Personen werden von der Beförderung ausgeschlossen, so eine Sprecherin. „Unsere Mitarbeitenden setzen die Regeln entsprechend konsequent und zugleich mit Augenmaß durch.“ Könnte jedoch auch an den Bahnhöfen der BVG bald ein Alkoholverbot verhängt werden? Dazu erklärt die Sprecherin, dass man die Regelung der DB „sehr genau“ beobachte.

Sonderprogramm der Deutschen Bahn

Das Verbot der DB erfolgt im Rahmen eines Sonderprogramms der Bahn, mit dem der Konzern die Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen verbessern will. Dazu nimmt das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in diesem Jahr 50 Millionen Euro in die Hand. So sollen an 35 hoch frequentierten Bahnhöfen deutschlandweit vermehrt DB-Sicherheitskräfte patrouillieren. In Berlin betrifft das neben dem Ostbahnhof und dem Bahnhof Zoo auch den Hauptbahnhof und den Bahnhof Gesundbrunnen.

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Zusätzlich soll die Sauberkeit erhöht werden. In einer Frühjahrsputz-Aktion an 50 Berliner Bahnhöfen bekommen „Bahnsteige, Treppen, Tunnel, Aufzüge, Glasflächen, Bedienflächen an Automaten, Mobiliar und Vitrinen […] eine zusätzliche Reinigung“, so ein DB-Sprecher. Am Dienstag werden darüber hinaus am Bahnhof Gesundbrunnen Schrotträder an den Stationen entfernt.