Altkreis Halle. Nun ist das Aus für das Deutschlandticket an den Schulen in Trägerschaft des Kreises Gütersloh endgültig besiegelt. Nach dem Fachausschuss hat sich auch der Kreisausschuss in seiner Sitzung am Montag (27. April) mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule und das Kreisgymnasium Halle zurück zum Westfalenticket wechseln. Grüne und SPD hatten hingegen für dessen Erhalt votiert. Als Grund für die Umstellung werden die geringeren Kosten genannt. Der Kreis kann dadurch unterm Strich etwa 45.400 Euro einsparen.

„Die Schulleiter haben sich an uns gewandt, dass sie das Deutschlandticket gerne behalten würden, da es die Planung von Klassenfahrten deutlich erleichtert“, sagte Marion Weike, Fraktionsvorsitzende der SPD. Kreisdirektorin Susanne Koch erinnerte jedoch an die bestehende Beschlussfassung des Kreistages, das Deutschlandticket nur dann auszugeben, solange es günstiger sei als das Schülerticket Westfalen. Dieses war im Vorfeld des Schuljahres 2023/2024 der Fall, sodass es damals zur Umstellung kam und solidarisch alle Schüler, unabhängig von der Entfernung des Wohnortes zur Schule, das Deutschlandticket erhielten.

„Das ist nun nicht mehr der Fall“, so Susanne Koch. Zu Beginn des Jahres ist der Preis für das Deutschlandticket von 58 Euro auf 63 Euro pro Monat gestiegen. Das Schülerticket Westfalen kostet dagegen im kommenden Schuljahr für die Peter-August-Böckstiegel-Gesamtschule und das Kreisgymnasium Halle nur 53,30 Euro pro Monat, ist also deutlich günstiger. Die Bürgermeister der Entsendekommunen befürworten den Wechsel mehrheitlich.

PAB-Leiterin fürchtet Mehrbelastung für Eltern


PAB-Leiterin Ulla Husemann. - © Andre Schneider

PAB-Leiterin Ulla Husemann.
| © Andre Schneider

„Ich bedauere diese Entscheidung sehr“, sagt PAB-Leiterin Ulla Husemann. Das Deutschlandticket sei auch ein tolles Mittel gewesen, um die Schülerinnen und Schüler an den ÖPNV heranzuführen. „Die Schüler sollten merken, dass Bus und Bahn sinnvolle Alternative für den Weg zur Schule sind“, erklärt Husemann. Zudem habe man das Deutschlandticket für viele Tagesexkursionen oder Klassenfahrten nutzen können.

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„Die siebten Klassen sind immer zur Nordsee gefahren, nun müssen wir wohl den Elternbeitrag anheben“, sagt Husemann. Man wolle an den Angeboten festhalten, jedoch müssten die Mehrkosten aufgefangen werden. Und dies dürfte in der Regel dadurch passieren, dass die Eltern einen höheren Eigenanteil zahlen. Allerdings gebe es auch vom Land vorgegebene Obergrenzen, die man einhalten müsse.   

Man müsse die Entscheidung akzeptieren und schauen, was im Rahmen der Möglichkeiten zukünftig noch umsetzbar sei. Dass es letztendlich an einer relativ geringen Summe gescheitert ist, möchte Husemann nicht kommentieren. „Die ist politisch entscheiden worden. Ich bin nicht in der Rolle, darüber zu urteilen“, sagt Husemann.

KGH-Direktor hätte geringe Zuzahlung befürwortet


KGH-Schulleiter Markus Spindler. - © KGH Halle

KGH-Schulleiter Markus Spindler.
| © KGH Halle

Deutlichere Worte findet diesbezüglich ihr Kollege Markus Spindler, Leiter des Kreisgymnasiums Halle. „Man schafft es ab, weil man damit unterm Strich etwa zwei Euro pro Kind im Monat einsparen kann“, sagt Spindler. „Unsere Eltern wären bereit gewesen, diese Differenz auszugleichen.

Ein Vorschlag, der ebenfalls diskutiert wurde, aber keine Mehrheit fand. Henrika Küppers, Fraktionsvorsitzende der CDU, fragte, ob es nicht vielleicht möglich wäre, dass die Eltern freiwillig die Differenz zum Deutschlandticket zahlen. Doch Susanne Koch winkte ab – viel zu viel Verwaltungsaufwand, außerdem fehle es an Verbindlichkeit.

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Ein Grund für das derzeitige Solidarmodell für alle Schülerinnen und Schüler sei ja gerade der geringere Verwaltungsaufwand gewesen. Dieses Modellprojekt läuft noch bis zum Ende des Schuljahres 26/27, dann wird erneut über die Ticketfrage diskutiert. „Die Finanzlage wird nicht besser werden. Es ist kein Geld mehr im Pott drin“, stellte Helmut Kaltefleiter (CDU) fest.

Auch die FDP hatte sich Gedanken dazu gemacht und beantragt zu prüfen, ob man nicht vielleicht einen Eigenanteil von den Eltern zur Entlastung der kommunalen Kassen einführen könnte. Dieser Antrag wurde jedoch mehrheitlich abgelehnt, soll aber im Herbst mit Blick auf den Haushalt 2027 erneut in Betracht gezogen werden, wenn diskutiert wird, wie es nach dem Modellprojekt weitergehen soll.

Busfahrt nach La Rochelle würde 18.000 Euro kosten

„Wir können Exkursionen und Klassenfahrten nur noch deshalb anbieten, weil die Schülerinnen und Schüler ein kostenfreies Deutschlandticket besitzen. Die Kostensteigerungen der vergangenen sechs Jahre würden sonst einen Großteil unseres Fahrtenprogramms verhindern“, erklärt Markus Spindler seinen Standpunkt.

Viele Fahrten und Ausflüge stehen nun auf dem Prüfstand. Etwa die beliebte Fahrt nach La Rochelle, die bisher immerhin bis zur Grenze gratis verlaufen konnte. Der Reisebus dorthin würde mittlerweile 18.000 Euro kosten. Ohne das Deutschlandticket müssten weitere Tagesexkursionen, wie etwa für die Lateiner nach Köln, ausfallen.

„Wir müssten Klassenfahrten kürzen oder relativ unattraktive Ziele wählen. Unsere Eltern signalisieren uns seit Jahren über die Schulpflegschaft, dass die Gesamtkosten im Laufe eines Schuljahres mittlerweile für viele eine hohe Belastung darstellen. Kostensteigerungen werden nicht mehr akzeptiert. Damit würde unser pädagogisches Programm schweren Schaden nehmen“, sagt Spindler. Dortmunder Nordstadt statt Norderney oder Bad Berleburg statt Berlin – der Gymnasiast wird da wohl wenig Jubelpotenzial verspüren.

Für die Berufskollegs ändert sich übrigens nicht – sie erhalten weiterhin das Deutschlandticket, da dieses aufgrund der größeren Einzugsgebiete günstiger ist als das Westfalen-Ticket. Aktuelle News bekommen Sie täglich über den WhatsApp-Kanal des HK