
AUDIO: Auf Augenhöhe mit dem Meister: Dirigierkurs in Hannover (4 Min)
Stand: 01.05.2026 12:10 Uhr
Zwischen Adrenalin, Perfektion und einer gewissen Leichtigkeit: Vier Stipendiaten für Orchesterdirigieren besuchen aktuell einen Meisterkurs bei Cornelius Meister. Sie proben auch im Großen Sendesaal in Hannover mit der NDR Radiophilharmonie.
Leonhard Kreutzmann ist noch nicht zufrieden. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie er sich diese Takte aus Beethovens Zweiter Sinfonie wünscht. Manchmal sucht er nach Wörtern, um dem Orchester den Klang zu beschreiben, den er haben will. Auf bestimmte und gleichzeitig sanfte Art gibt er seine Anweisungen: „Es darf noch mehr sein, zwischen Oboe und zweiten Geigen“, dann intoniert er ein paar Takte.
Zeitmanagement und Selbstständigkeit

Cornelius Meister ist gebürtiger Hannoveraner und seit 2018 Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart.
20 Minuten hat der junge Dirigent mit dem Orchester. Dann wird wieder gewechselt. Weiter oben im Großen Sendesaal des NDR in Hannover sitzt Cornelius Meister. Er beobachtet die Stipendiaten und macht sich Notizen. Auf der Bühne greift er nicht ein. Er will den Stipendiaten vermitteln, wie sie selbstständig arbeiten können. Das fängt schon bei der Zeiteinteilung an. „Ich habe das Ziel gehabt, dass die vier Teilnehmenden diese Woche nutzen, als wären sie diese Zeit irgendwo als Dirigentin oder Dirigent zu Gast.“
Schon vor vielen Wochen habe er begonnen, mit den Teilnehmenden darüber zu sprechen, wie die Noten eingerichtet werden. Dafür habe er ihnen auch seine eigene Einrichtung für die Erste Sinfonie zur Verfügung gestellt, also was man da in den einzelnen Stimmen an Phrasierungen oder auch an Dynamiken eintrage. „Und die Zweite Sinfonie – jeder hat einen Satz übernommen – haben sie dann selber eingerichtet“, erzählt Meister, der in Hannover an der Musikhochschule unter anderem Klavier bei seinem Vater Konrad Meister studierte.
Taktgefühl auch beim menschlichen Miteinander
Selbst vermeintlich banale Dinge wollen gelernt sein. Leonhard Kreutzmann profitiert dabei von Cornelius Meisters Erfahrung mit Orchestern: „Ab dem Moment, wo wir auf dem Podium stehen, hat er uns immer sehr hilfreiche Tipps zum Proben selbst gegeben, die einfach unfassbar praxiserprobt sind.“ Dazu habe auch die verbale Kommunikation mit dem Orchester gezählt: Wie spricht man mit dem Orchester und wie eben nicht?

Leonhard Kreutzmann ist einer der Stipendiaten in dem Dirigierkurs von Cornelius Meister.
Während der Probe sei er zwar nicht nervös, aber habe viel Adrenalin, sagt Leonhard Kreutzmann. Das ist zu spüren – im besten Sinne. Die Musikerinnen und Musiker der NDR Radiophilharmonie schauen aufmerksam, respektvoll und neugierig. Kreutzmann weiß das zu schätzen: „Das ist ein phantastisches Orchester. Die reagieren, die sind sehr offen für unsere Ideen und sehr konzentriert, sehr diszipliniert.“
Brüllerei am Pult gibt’s nicht mehr
Die Kommunikation ist essenziell in diesem Beruf. Die hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert, wie Cornelius Meister erzählt: „So, wie wir das aus alten Audioaufnahmen kennen, dass Arturo Toscanini die Kontrabässe als Hunde beschimpft, das sollte man sich heute sicherlich nicht mehr trauen als Dirigent – und das ist auch gut so.“
Für Cornelius Meister ist klar, was junge Dirigenten stattdessen brauchen, um heute in diesem Beruf bestehen zu können: „Wenn ich als Dirigent nicht in der Lage bin, eine sehr genaue Klangvorstellung zu haben und sie zu vergleichen mit dem, was ich tatsächlich dann höre, dann habe ich ein Problem.“
Es darf auch gelacht werden
Hören und Lesen seien die Grundvoraussetzungen. Aber: „Ich muss Freude haben, mit anderen Menschen Musik zu machen und ich sollte unglaublich fleißig sein, unglaublich gerne reisen, mich einstellen auf andere Kulturen, auch auf andere Sprachen.“ Bei aller Konzentration darf aber auch eine gewisse Leichtigkeit nicht fehlen. „Bei einer Probe muss auch mal gelacht werden. Dann geht manches leichter.“
Das Abschlusskonzert ist am 30. April um 18 Uhr im Großen Sendesaal des NDR in Hannover.

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