Nachdem es im Vorjahr bei der Mai-Kundgebung des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) in Düsseldorf noch zu einem Zwischenfall kam, als linke Demonstranten Oberbürgermeister Stephan Keller als „Kriegstreiber“ beschimpften, blieb am Freitag alles friedlich. Rund 800 Demonstranten zogen nach Auskunft der Polizei von der Friedrich-Ebert-Straße zum Johannes-Rau-Platz, wo die zentrale Kundgebung stattfand. Die Stimmung war ausgelassen, was sicher auch am schönen Wetter lag. Die Beeinträchtigungen für den Verkehr hielten sich in Grenzen und waren nur von kurzer Dauer.
Am Rheinufer war ein kleines Dorf aufgebaut, in dem sich Parteien und Organisationen präsentierten, die ganz eindeutig links von der politischen Mitte einzuordnen waren. Die Antifa sagte „Nein zur Wehrpflicht“, Greenpeace forderte „Milliardäre besteuern, Klima retten“ und die SPD wünschte sich eine „Rente wie in Österreich“, was immerhin 75 Prozent des Nettoeinkommens bedeuten würde. Dass „Wohnen keine Ware“ ist, hielt das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum fest. Und trotz dieser vielen kämpferischen Parolen geriet bei diesem Familienfest zwischen Streuselkuchen und Bratwurst fast ein wenig in Vergessenheit, dass unter dem DGB-Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ an diesem Tag ja eigentlich ernste Themen im Vordergrund standen.
Das änderte sich dann, als alle Demonstranten auf dem Johannes-Rau-Platz angekommen waren und auf dem Podium das Wort ergriffen wurde. Sigrid Wolf, Vorsitzende des DGB-Stadtverbandes Düsseldorf, erinnerte an die Verantwortung der Unternehmen, Arbeits- und Ausbildungsplätze zu sichern, statt abzuschaffen, forderte eine höhere Besteuerung bei Vermögen und Erbschaften: „Wer mehr Geld hat, muss auch mehr für das Gemeinwohl tun.“ Die schwarz-grüne Kooperation in Düsseldorf bekam dabei ebenfalls ihr Fett weg. Diese wehre sich trotz Wohnungsnot und mangelnder Infrastruktur vehement gegen notwendige Steuererhöhungen.
Das konnte Bürgermeister Josef Hinkel in Vertretung von Keller so natürlich nicht auf sich sitzen lassen: „Die Gewerbesteuer ist ein Stück weit eingebrochen, das ist richtig. Aber wir müssen unseren Haushalt noch nicht genehmigen lassen, können selbst bestimmen, das ist wichtig für eine florierende Wirtschaft“, appellierte Hinkel, den Konsens zu suchen, statt auf Konfrontation zu setzten.
Zum Abschluss sprach Patrick Schlüter, Landesvorsitzender der GdP (Gewerkschaft der Polizei). Er nahm sich vor allem die Gesundheitsreform vor, die in seinen Augen mehr Kampfansage der Regierung als Entlastungspaket sei. „Gesundheit muss bezahlbar bleiben – und zwar für alle“, so Schlüter.