Die Discokugel dreht sich, ein Beat setzt ein und für einen Moment ist sie wieder da, die Zeit, in der Musikvideos noch Tagesgespräch auf dem Schulhof waren und gefühlt alle erst bei der Kult-Sendung „Formel Eins“ und dann beim Musiksender MTV vor dem Fernseher saßen. Roncalli’s Apollo Varieté holt dieses Gefühl mit „Pop Culture“ zurück auf die Bühne – bunt, leicht und mit dem richtigen Maß an Retro-Glamour.

Die Show lebt von den großen Popmomenten der 80er-, 90er- und frühen 2000er-Jahre. Was früher über den Bildschirm flimmerte, wird hier lebendig: mit Gesang, Artistik und einer Atmosphäre, die an die MTV-Ära erinnert, ohne bloß in Erinnerung zu schwelgen. Das Apollo macht aus Popgeschichte kein Museum, sondern einen Abend voller Bewegung, voller Farbe und auch voller Ironie.

Dass das gelingt, ist vor allem ihr Verdienst: Sandra Groove und Olivier St. Louis tragen den Abend mit Live-Gesang und geben den bekannten Songs neue Kraft. Zu hören gibt es Höhepunkte aus vier Jahrzehnten Popgeschichte mit Hymnen von Madonna über die Backstreet Boys bis Lady Gaga. Und – Achtung, kleiner Spoiler zum Ende der Show – auch die Hits von ABBA kommen noch einmal ganz groß raus.

Durchs Programm führt Peanut Buttah, Tänzerin, Schauspielerin und im Apollo Conférencière mit vielen Talenten und noch mehr Humor. Dazu kommt eine ausgesuchte Truppe an Artistinnen und Artisten, etwa Kanako Sato, eine Kontorsionistin, die auch schon beim Cirque du Soleil unter Vertrag war, das Duo Satin mit Hand-auf-Hand-Akrobatik und die Happy Boys mit atemberaubenden Sprüngen durch Reifen und Ringe. Asya Popsulis aus der Ukraine bezaubert mit einer eleganten Nummer am Vertikaltuch, während Maxim Voronin mit seiner Illusionskunst das Publikum verblüfft. Das Ergebnis: Ein abwechslungsreicher Abend für Augen und Ohren, denn über allem liegt der Sound der 80er- bis 2000er-Jahre, perfekt ergänzt durch zeitgemäße Kulissen und Kostüme von glamourös bis mega-schrill.

Auch die humorvollen Momente sitzen. Die Mustache Brothers sorgen für die kleine Portion Spaß zwischendurch, ohne den Abend aus dem Takt zu bringen. Gerade diese Mischung aus Witz, Musik und körperlicher Kunst macht den Reiz von „Pop Culture“ aus. Es ist kein schweres Programm, sondern eines, das mit Leichtigkeit arbeitet und trotzdem sorgfältig inszeniert ist.

Regisseur Stefan Huber und Choreografin Renée Boyle setzen auf Tempo, starke Bilder und viel Abwechslung. Das passt gut zu einem Abend, der sich wie ein lebendiges Musikvideo anfühlen soll. Die Show ist dabei nicht laut um ihrer selbst willen, sie will Freude machen – und das tut sie auch.

Am Ende bleibt ein sympathischer Eindruck: „Pop Culture“ spielt mit dem Glanz der vergangenen Jahrzehnte, ohne sich darin zu verlieren. Wer die MTV-Ära und das Lebensgefühl der 80er noch im Kopf hat, findet hier viele vertraute Momente wieder – nur eben auf der Bühne, mit echten Stimmen, echten Menschen und echt guter Laune.

Info „Pop Culture“ im Apollo läuft bis zum 12. Juli. Tickets gibt es online unter https://www.apollo-variete.com, über die Hotline (0211 8289090) und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Die Preise für die Show beginnen bei 21,90 Euro.