Stand: 01.05.2026 21:31 Uhr

Per Lastkahn ist der zeitweise in Norddeutschland gestrandete Buckelwal entlang der dänischen Küste Richtung Nordsee transportiert worden. Am Freitagabend fuhr der Konvoi im Skagerak. Zuvor war bereits das Netz an der Barge entfernt worden – offenbar soll der Wal bald freigelassen werden. An der privaten Rettungsaktion gibt es auch Kritik.

Das Schleppschiff, die Barge mit dem Wal und das Begleitschiff befanden sich am Freitagabend zum Zeitpunkt des Sonnenunterganges nördlich der nördlichsten Spitze Dänemarks in der Nordsee und fuhren offenbar Richtung Norwegen. Das Sicherungsnetz an der Barge war bereits vorher entfernt worden, als der Konvoi sich noch auf der Ostsee befand. Das war auf einem Live-Video von News5 zu sehen. Freigesetzt wurde der Wal jedoch noch nicht. Die private Rettungsinitiative hatte am Freitagmittag gesagt, dass jeder Kilometer Richtung Nordsee zähle. Zu dem Zeitpunkt hatte der Konvoi noch Probleme, auf die Nordsee zu kommen.

Video:
Buckelwal-Transport: So soll das Tier freigelassen werden (2 Min)

Hohe Wellen in der Nordsee erschweren Fahrt zeitweise

Der Konvoi hatte am Freitagmorgen die Nordsee bereits fast erreicht, musste wegen des hohen Wellengangs zunächst aber an der Nordspitze Dänemarks abdrehen. Mit verminderter Geschwindigkeit ging es ein Stück zurück in Richtung Süden. Grund seien schwierige Wetterbedingungen, sagte Martin Bocklage, Kapitän der „Robin Hood“ NDR Schleswig-Holstein am Morgen am Telefon. Die Wellen erreichten zeitweise eine Höhe von bis zu zwei Metern. Wie von NDR Wetterexperte Sebastian Wache prognostiziert, besserten sich später aber die Bedingungen und die Schiffe konnten weiterfahren auf die Nordsee. Wann genau der Wal freigelassen werden soll, war am Freitagabend nicht bekannt.

Peilsender am Wal angebracht

Am Donnerstag hat laut der Rettungsinitiative ein Meeresbiologe einen Peilsender an der Finne des Wals angebracht. Dazu habe er sich in die Barge zum Wal begeben, sagte Karin Walter-Mommert dem NDR. Eine Genehmigung habe zu dem Zeitpunkt nicht vorgelegen, darauf wolle sie nicht warten. Auf die Daten des Peilsenders könne nur ihr Team zugreifen, dazu zählen 26 Personen, aber nicht Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD), betonte Walter-Mommert.

Private Initiative: Wal geht es gut

Am Mittwochnachmittag (29.4.) sagte Martin Bocklage, Kapitän der „Robin Hood“ NDR Schleswig-Holstein am Telefon, der Schleppverband komme planmäßig voran. Der Wal blase regelmäßig Fontänen aus, habe seine Fluke aufs Wasser geschlagen und werde von Tierärzten im Blick behalten. Ähnlich äußerte sich auch Karin Walter-Mommert. Nach ihren Angaben geht es dem Wal weiterhin gut. Er singe und bewege sich. Das habe wohl auch mit dem steigenden Salzgehalt des Wassers zu tun. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Es gibt einen Notfallplan

Wenn doch nicht alles nach Plan läuft, dann gebe es einen Notfallplan. Das sagte Felix Bohnsack, Technischer Leiter der Walrettung, am Dienstag. „Sollte irgendwas passieren, das Tier bildet Stress oder Panik, gibt es immer die Möglichkeit, das Tier freizulassen und per GPS-Tracker zu verfolgen und ihn dann per Schiffsverfolgung in die richtige Richtung zu leiten.“

Dänisches Umweltministerium will Wal bei erneuter Strandung nicht retten

Der Transport des lebenden Wals vorbei an Schleswig-Holstein wurde offenbar nicht durch die Behörden begleitet. „Die aktuelle Rettungsaktion wird nach unserer Kenntnis privat organisiert und finanziert. Wir sind nicht beteiligt und auch nicht dafür angefragt“, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel am Dienstag auf Nachfrage des NDR. „Solange das Tier in der Obhut der Rettungsinitiative ist, trägt diese die Verantwortung.“

Das dänische Umweltministerium teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden, heißt es. Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium nicht.

Wal hat 29 Tage vor Poel gelegen

29 Tage lang hatte der Wal vor der Insel Poel gelegen. Am Dienstag war der Buckelwal in den mit Wasser gefüllten Lastkahn, auch Barge genannt, gelangt – mithilfe einer privaten Rettungsinitiative. Helferinnen und Helfer hatten das Tier in eine gebaggerte Rinne bugsiert und es mit Gurten zur Barge gezogen. Am Abend schoben kleinere Boote den Lastkahn mit dem Tier dann in die Wismarer Bucht, wo sie vom Schlepper „Robin Hood“ auf den Haken genommen wurde. Später, bei Fehmarn, übernahm die „Fortuna B“ den Kahn.

Der Buckelwal liegt in einem gefluteten Lastschiff kurz vor der dänischen Grenze.

Der Schleppverband ist mit dem Wal unterwegs Richtung Nordsee. Verfolgen Sie alle Infos, Bilder, Videos und Stimmen im Liveblog.

FAQ zur aktuellen Rettungsaktion

Der Wal befindet sich in einem Schwimmdock oder Transportdock. Darin kann er sich bewegen – und er liegt, laut Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus, in einem Bett aus Sand. Das Schwimmdock wird normalerweise verwendet, um kleinere Schiffe zu transportieren. Die Besonderheit ist, dass es in Flachwasser eingesetzt werden kann. Ein Netz verhinderte zunächst, dass der Wal aus dem Dock herausschwimmt.

  • „Fortuna B“: Das Mehrzweckschiff war bis vor wenigen Monaten als „Scharhörn“ für die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes im Einsatz und fährt jetzt unter dänischer Flagge und gehört zu einer Offshore-Service-Firma mit Sitz in Glückstadt.
  • „Robin Hood“: Das Boot war lange als Marineschlepper unterwegs, anschließend fuhr es für eine Reederei in Brunsbüttel auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Inzwischen gehört der Schlepper zu einer Küstenschiffreederei mit Sitz in Elsfleth.
  • Barge/Lastkahn: Das Transportschiff der SET Werft aus Tangermünde funktioniert wie ein schwimmendes Aquarium und wurde eigentlich entwickelt, um Schiffe zu transportieren.

Ein Transport wäre – laut der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes – möglich gewesen, sei aber nicht angefragt worden. Laut der Mit-Initiatorin der privaten Rettungsaktion, Karin Walter-Mommert, war der Transport des Buckelwals durch den NOK nie eine Option. Grund: Das Risiko, dass etwas schiefgeht und der Schlepperverband samt Wal im NOK festhängt, sei hoch, der Schaden für die Wirtschaft sei dann immens.

Freude bei Helfern und Minister – Kritik vom Meeresmuseum

Während sich Helferinnen und Helfer und Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Dienstag erleichtert zeigten, gibt es auch Kritik an der Rettungsaktion. Fachleute warnen vor Stressbelastung für das Tier wegen der Lautstärke. Das Deutsche Meeresmuseum hatte von einem Lastkahn-Transport des Buckelwals abgeraten. Besser sei größtmögliche Ruhe für das Tier und eine palliative Versorgung, so die Einrichtung. Die wiederholten Strandungen des Wals würden auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hinweisen. Eine Bergung sei mit enormen Verletzungsrisiken für den Wal verbunden.

Der Wal wird am Mittwochmorgen von zwei Schleppern in einem gefluteten Lastschiff vor der dänischen Küste transportiert

Bilderstrecke

Der Buckelwal, der wochenlang vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern festhing, wird in einem Lastkahn Richtung Nordsee transportiert.

Meeresbiologe skeptisch gegenüber Rettungsversuch

Auch der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter zeigte sich skeptisch: „Der Zustand des Wales ist nach wie vor auch prekär. Er hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich.“ Das Tier habe Wochen auf Land gelegen. „Das tut so einem riesigen Organismus nicht gut.“ Die Rettungsversuche könnten dem Tier auch schaden. Auch er wies auf die hohe Lärmbelastung hin. „Wale und Delfine leben in einer Welt des Schalls. Die sind da extrem empfindlich.“ Ritter sagte aber auch: „Es steckt unglaublich viel Lebenswille in ihm und das hat alle – auch die Experten – überrascht.“

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Eine private Rettungsinitiative transportiert das Tier aktuell mit dem Lastkahn Richtung Nordsee. Eine Chronologie.

Wo strandete der Wal bisher?

Am 3. März war der Wal erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden. Mithilfe der Naturschutzorganisation Sea Shepherd wurde er aus dem Hafenbecken geleitet. Am 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Niendorf (Kreis Ostholstein). Dort wurde eine Rinne für ihn gebaggert. Er schwamm sich am 27. März frei. Am 28. März strandete er erneut in der Wismarer Bucht südlich der Insel Walfisch, kam zwischenzeitlich frei, lag anschließend jedoch bis zum 30. März wieder im flachen Wasser fest. In der Nacht zum 31. März setzte er sich abermals in Bewegung. Allerdings schwamm er nicht Richtung Westen, sondern nach Norden und blieb in der Kirchsee vor Poel liegen.

Video:
Spektakuläres Video: Der Moment, in dem der Wal in die Barge schwimmt (3 Min)

Eine Drohnenaufnahme zeigt den Buckelwal in der Wismarbucht

Ob Hörer, Zuschauer oder Social-Media-Nutzer: Alle haben viele Fragen zum Buckelwal. Expertinnen und Experten antworten.

Der vor der Insel Poel gestrandete Buckelwal.

Was als Sorge um ein geschwächtes Tier beginnt, entwickelt sich zu einem emotionalen Medien-Ausnahmezustand und immer neuen Rettungsideen.

Katharina Nocun

Dabei sei die Wissenschafts-Feindlichkeit besonders problematisch, sagte die Autorin und Publizistin Katharina Nocun im Gespräch auf NDR Info.

Wal

Die wiederholte Strandung eines Buckelwals an der Ostseeküste sorgt für große Aufmerksamkeit. Eine private Initiative versucht ihn retten.

Der Buckelwal vor der Insel Poel schlägt am Morgen mit seiner Schwanzflosse.

Screenshot der Webansicht eines TikTok-Profils im Darkmode

Rechte und Rechtsextreme nutzen die Geschehnisse rund um den gestrandeten Wal, um Stimmung gegen Politik und Behörden zu machen.