Kurzfassung des Artikels:

  • Kristin Adrian aus Kiel hat vielleicht die Möglichkeit, mit dem deutschen Flag-Football-Nationalteam an den Olympischen Spielen 2028 teilzunehmen.
  • Flag Football, eine weitgehend kontaktfreie Variante des American Football, ist erstmals ins olympische Programm aufgenommen worden.
  • Die 22-Jährige hat erst vor gut drei Jahren mit dem Sport begonnen und sich 2023 für das Nationalteam qualifiziert.

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Mit ihrem Sport fing sie erst vor gut drei Jahren an, in zwei Jahren könnte sie schon bei Olympia dabei sein. Für Kristin Adrian aus Kiel bietet sich eine vorerst einmalige Chance, wenn ihr mit dem deutschen 5er-Nationalteam im Flag Football die Qualifikation für die Sommerspiele in Los Angeles 2028 gelingt.

„Ich schätze es auf jeden Fall als möglich ein, dass wir das schaffen können – wenn wir unsere Leistung aufs Feld bringen und das zeigen, was wir können“, sagt die 22-Jährige, die bei den KBH Sirens unter dem Dach der Kiel Baltic Hurricanes spielt. Erstmals steht die weitgehend kontaktfreie Variante des American Football im olympischen Programm. Ob sie es bleibt, wird die Zukunft zeigen.

Lieblingsnummer: Die 33 trägt Kristin Adrian sowohl auf ihrem Kieler Trikot als auch auf dem deutschen Nationaltrikot – wegen des Ex-Handballers Dominik Klein.
Foto: Oleg Strebos

Lieblingsnummer: Die 33 trägt Kristin Adrian sowohl auf ihrem Kieler Trikot als auch auf dem deutschen Nationaltrikot – wegen des Ex-Handballers Dominik Klein.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Zum Medizinstudium aus Bad Bramstedt nach Kiel

2021 zog es Kristin Adrian aus ihrer Heimatstadt Bad Bramstedt, wo sie als Kind Handball spielte, nach dem Abitur für das Medizinstudium nach Kiel. In der Landeshauptstadt griff sie im selben Jahr auch erstmals nach dem Football, damals noch bei den Hurricanes Ladies und der bekannteren Vollkontakt-Variante.

Das Interesse an der Sportart weckten TV-Übertragungen aus der US-amerikanischen Profiliga NFL. „Durch Zufall bin ich irgendwie im Fernsehen hängen geblieben, weil es ganz lustig aussah – und dann bin ich Fan geworden“, sagt Kristin Adrian.

Gute Hände: Kristin Adrian (links) fängt im deutschen Nationaltrikot einen Pass.
Foto: IXBA creative

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Ein Trainer animierte sie, bei einem Probetraining (Tryout) für die deutsche Flag-Nationalmannschaft im Jahr 2023 in Hamburg mitzumachen. „Ich dachte, ich habe nichts zu verlieren, und bin da ohne große Erwartungen hingefahren. Ich war vor allem auf das Feedback und ein paar neue Tipps gespannt“, blickt Kristin Adrian zurück. Vor Ort überzeugte sie Bundestrainer Jona Winkel allerdings und wurde fortan immer wieder zu Lehrgängen eingeladen.

Flag Football – eigentlich kontaktfrei, aber trotzdem mit Kontakt

„Es hat dann immer mehr Spaß gemacht“, sagt die junge Schleswig-Holsteinerin. Der Körperkontakt fehlt ihr mittlerweile nicht mehr, obwohl „der auch irgendwo seinen Reiz hat. Das hat auch Spaß gemacht.“ Flag Football sei zwar theoretisch kontaktfrei, in der Praxis aber in Sachen Körperlichkeit vergleichbar mit Basketball.

Doch sind es nicht doch komplett verschiedene Welten? „Nein, ich würde schon sagen, dass es einfach zwei Varianten einer Sportart sind“, betont Kristin Adrian: „Das Prinzip, wie man Raumgewinn erzielt, ist doch sehr ähnlich. Im Flag Football ist alles ein bisschen kleiner, aber auch ein bisschen schneller.“

Auf engem Raum sind Athletik, Beweglichkeit, Handlungsschnelligkeit und Kreativität gefragt. Flinke Füße und flexible Hüften sind von Vorteil. Sie selbst sei „vielseitig einsetzbar“, ihre Hauptposition sei aber Receiver (Passempfängerin).

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So funktioniert Flag Football (5er)größer alsGrößer als Zeichen

– Das Spielfeld ist 25 Meter breit und 50 Meter lang. Dazu kommt an beiden Spielfeldenden je eine zehn Meter lange Endzone. Die Spiele (in der deutschen Liga) dauern zweimal 20 Minuten.

– Ziel ist es, mit dem Ball in die gegnerische Endzone zu laufen oder einen geworfenen Pass dort zu fangen (Touchdown = 6 Punkte). Nach einem Touchdown gibt es einen Versuch, die Endzone per Conversion aus fünf (für einen Extrapunkt) oder zehn Metern (für zwei Extrapunkte) Entfernung erneut zu erreichen.

– Zuvor hat die angreifende Mannschaft vier Versuche, um die Mittellinie zu überqueren, und vier weitere, um in die Endzone zu gelangen. Gelingt dies nicht, wechselt das Angriffsrecht.

– Die Verteidigung kann einen im Ballbesitz befindlichen Gegenspieler stoppen, indem eine von zwei an einem Hüftgurt befestigten Flaggen herausgezogen wird.

Zwei Chancen haben Kristin Adrian und das Nationalteam, eines der raren Olympia-Tickets zu ergattern. Lediglich sechs Nationen werden in Los Angeles am Start sein, die – weltweit im Football dominierenden – USA als Gastgeber sind gesetzt. Fünf Eintrittskarten für das Ringe-Spektakel gibt es also noch zu holen, zwei davon bei der WM vom 13. bis 16. August 2026 in Düsseldorf.

Über die WM oder die EM zu Olympia

Geht das deutsche Team dort leer aus, kann es sich über die EM 2027 für ein letztes Qualifikationsturnier qualifizieren, das 2028 ausgetragen wird und bei dem die drei finalen Startplätze vergeben werden. „Das wird auf jeden Fall schwer. Aber wir wissen alle, was wir können. Und wir sind ein eingespieltes Team“, weiß Kristin Adrian.

Zugepackt: Kristin Adrian schnappt sich den Football mit einer Hand.
Foto: IXBA creative

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Bei der WM 2024 in Finnland (9. Platz) und der EM 2025 in Frankreich (5. Platz) war sie schon dabei. „Wir spielen regelmäßig um die Medaillen mit. Wir haben sowohl bei der Europa- als auch bei der Weltmeisterschaft unsere Gruppe gewonnen. Dann hat es in der K.-o.-Runde aber leider nicht funktioniert.“ Das Selbstvertrauen, in den oberen Bereichen ein Wörtchen mitreden zu können, ist aber da.

Kleine Sportart, großer Traum

Für sie persönlich wäre es von den ersten kleinen Schritten im Football ein extrem kurzer Weg bis auf die große olympische Bühne. „Ich habe quasi genau zur richtigen Zeit damit angefangen“, sagt sie schmunzelnd. Sie profitiert davon, dass 5er-Flag-Football noch eine relativ junge und relativ kleine Sportart ist. „Wenn man es zum Beispiel mit Leichtathletik vergleicht: Das könnte ich, wenn ich in meinem damaligen Alter damit anfangen würde, komplett vergessen“, meint die 22-Jährige.

Doch auch beim Flag Football werde es „zunehmend schwerer. Ich glaube, ich hätte nicht später anfangen dürfen. Denn dadurch, dass die Sportart jetzt wächst und deutlich mehr gefördert wird, entdeckt man viel mehr Talente. Aber diejenigen, die bereits vor ein paar Jahren angefangen haben, haben nun schon einen Vorsprung herausgearbeitet.“

Kieler Heimspieltag am 9. Mai 2026

Das insgesamt noch etwas unerfahrene Kieler Team, das für interessierte und neugierige Spielerinnen stets offen ist, mischt in der ersten deutschen Liga mit. An vier Turnierspieltagen messen sich die Sirens mit der vor allem aus dem Süden des Landes kommenden Konkurrenz. Am 9. Mai sind sie Gastgeberinnen für die Teams aus Mainz, Düsseldorf und Kelkheim, ab 10 Uhr steigen auf dem Kiliaplatz am Hasseldieksdammer Weg in Kiel sechs Partien (Eintritt frei). Dort trainieren die Sirens auch dienstags und mittwochs abends.

Seit dieser Saison sind die KBH Sirens mit Kristin Adrian (knieend ganz rechts) in der ersten Liga dabei.
Foto: Annemike Seydel

Seit dieser Saison sind die KBH Sirens mit Kristin Adrian (knieend ganz rechts) in der ersten Liga dabei.Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize

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Der nationale Titel wird im Juli 2026 beim Multisport-Meisterschaftsevent „Finals“ in Hannover vergeben. Eine Teilnahme der Sirens ist nicht unmöglich, wäre aber zumindest eine große Überraschung. Ebenso wie eine deutsche Olympia-Teilnahme.

„Es ist ein ganz besonderes Gefühl, dieses Leben leben zu dürfen als Sportlerin, die auf Olympia hinarbeitet.“

Kristin Adrian

Flag-Football-Nationalspielerin

„Es ist wohl der Traum eines jeden Sportlers, irgendwann zu Olympia zu kommen. Das wollte ich schon als kleines Kind, aber es war noch nie so greifbar wie jetzt. Natürlich sind wir noch lange nicht qualifiziert, aber es ist auch schon so ein ganz besonderes Gefühl, dieses Leben leben zu dürfen als Sportlerin, die auf Olympia hinarbeitet.“