Für viele war es der erste Sommerkleid- oder Kurze-Hose-Tag im Jahr: Es schien, als sei am 1. Mai ganz Berlin auf der Straße – die einen zum Demonstrieren, die anderen zum Feiern. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach am Abend von knapp 50.000 Menschen, die sich in der Hauptstadt versammelt hatten.
Rund 5300 Polizisten aus mehreren Bundesländern sicherten die zahlreichen Demonstrationen und Veranstaltungen zum 1. Mai. Am Abend berichtete die Polizei wie auch im vergangenen Jahr von einem ausgesprochen gewaltfreien und friedlichen Verlauf des Tages.
Der Demonstrationszug „Revolutionärer 1. Mai – Freiheit“. Frieden. »Solidarität.« zog durch Kreuzberg und Neukölln.
© dpa/Fabian Sommer
Im Fokus der Sicherheitskräfte stand die traditionelle Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksextremen Gruppen. Etwa 10.000 Demonstranten zogen am Abend durch Kreuzberg und Neukölln. Nach ersten Angaben der Polizei gab es keine größeren Zwischenfälle. Vereinzelt kam es zu Rangeleien, auch Bengalisches Feuer wurde gezündet. Kurz nach Mitternacht meldete die Polizei, dass neun Einsatzkräfte leicht verletzt worden seien.
Berlins Regierender war selbst bei Demo Kai Wegner verteidigt den 1. Mai als Feiertag
Wegen Überfüllung wurde der Görlitzer Park am Abend geschlossen, später jedoch wieder geöffnet. Zuvor protestierten Tausende Menschen bei der Techno-Demo „Free Görli – Rave against the Zaun“ gegen die nächtliche Schließung der Anlage.
Wegen der Menschenmassen in Kreuzberg waren auch die umliegenden Straßen für Autos gesperrt. Mehrere U-Bahnhöfe wurden geschlossen, die Züge hielten dort nicht mehr. Voller Menschen war auch der Mariannenplatz, als dort am Abend die Berliner Rapperin Ikkimel beim 1. Mai-Fest der Linken auftrat.
Bereits am Vormittag demonstrierten Menschen im Villenviertel Grunewald gegen soziale Spaltung und hohe Mieten. Und an der Demonstration und Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) beteiligten sich in der Hauptstadt nach Gewerkschaftsangaben rund 12.000 Menschen. Sie gingen unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ auf die Straße. (mit dpa)
Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen:
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Polizei meldet neun leicht verletzte Einsatzkräfte
Nach dem Ende der Demonstration meldet die Polizei neun verletzte Beamte.
Aus der Demonstration heraus sei „mehrfach Pyrotechnik gezündet“ worden, teilte sie auf der Plattform X mit. „Außerdem sind unsere Kolleginnen und Kollegen teilweise mit Gegenständen beworfen worden. Nach aktuellem Stand wurden neun Einsatzkräfte leicht verletzt.“
Damit beenden wir unseren Liveblog nach einem insgesamt friedlichen und nahezu gewaltfreien 1. Mai in Berlin. Wenn Sie noch in der Stadt unterwegs sind: Kommen Sie gut nach Hause!
Streit an der Warschauer Straße
Am späten Abend berichtet die Polizei noch von einer Auseinandersetzung in Friedrichshain:
„Auf der Warschauer Straße kam es zu Streitigkeiten zwischen zwei Männern, die vorerst geschlichtet wurden. Die beiden Männer wurden vor Ort entlassen, jedoch griff einer der Männer den anderen anschließend an. Er wurde festgenommen, wobei ein Kollege verletzt wurde. Der Mann pustete 0,74‰“, teilte die Behörde mit.
Schluss mit Revolution
Der Frontblock hat den Banner eingerollt, am Rande der Versammlung wird noch ein Feuerwerkskörper gezündet, ein Redner ruft heiser zum Abschied: Die revolutionäre 1. Mai-Demo ist vorbei.
Die Teilnehmenden der Demonstration machen sich auf den Heimweg, viele sitzen noch am Südstern. Die Revolution geht in spätabendliches Abhängen über. (Dominik Lenze)
Erste Demonstrierende sind am SüdsternGegen 23 Uhr erreicht die Demonstration trotz Routenänderung den ursprünglich anvisierten Endpunkt am Südstern.
Zum Abschied gibt es etwas Pathos: „Wir sind auf die Straßen gegangen im Namen unserer Klasse“, sagt eine Rednerin. Ein weiterer Redner skandiert „Hoch die internationale Solidarität“ auf einen Technobeat. Die Menge umrundet die Kirche am Südkreuz, stetig rücken weitere Demo-Blöcke nach. (Dominik Lenze)

Bild:
Dominik Lenze
Während die Demonstration nun Richtung Südstern läuft, sind noch immer Tausende in Kreuzberg und Neukölln unterwegs und genießen die laue Nacht. Gelegentlich sind Polizeisirenen zu hören – und das Klirren von Glas. Die Berliner Stadtreinigung dürfte morgen einiges zu tun haben, um die Überreste der Feierei zu beseitigen.
Polizei: Gewaltfreier und friedlicher 1. Mai in Berlin
Der 1. Mai ist in Berlin nach Polizeiangaben bisher „ausgesprochen gewaltfrei und friedlich“ verlaufen. Bis zum Abend habe es keine größeren Störungen gegeben, sagte ein Polizeisprecher.
Er berichtete von einer vorläufigen Festnahme am Rande der Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“. Zwar sei die Stimmung bei der Demonstration teilweise aggressiv gewesen, aber es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben. (dpa)
Spranger: 50.000 Menschen unterwegsInnensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach in der RBB-„Abendschau“ von knapp 50.000 Menschen, die sich zum Tag der Arbeit in Berlin versammelt hatten. „Bisher ist alles friedlich gelaufen“, sagte sie. (dpa)
Route wird verkürzt
Gegen 22.30 Uhr erreicht die 1. Mai-Demo den Hermannplatz in Neukölln.
Die Polizei meldet, dass die Route ab hier verkürzt wird: „Die Wegstrecke des Aufzugs wurde geändert. Von der Sonnenallee geht es nun nach rechts direkt über den Hermannplatz zur Hasenheide“, teilt sie mit. Ursprünglich sollte der Protest über die Karl-Marx-Straße zum Südstern führen.

Die Demo am Hermannplatz.
Bild:
Dominik Lenze
Spitze der Demonstration an der Sonnenallee
Nachdem sich der linke Protestzug wieder in Bewegung gesetzt hat, erreicht die Spitze der Demonstration nun die Sonnenallee. (Dominik Lenze)
Mehrere Bahnhöfe weiter dicht
Laut Polizei und BVG sind drei Bahnhöfe weiter gesperrt:
Hallesches Tor
Görlitzer Bahnhof
Schlesisches Tor
Enge Polizeibegleitung
Im hinteren Block werden die Demonstrierenden eng umringt von behelmten Polizeikräften. Eine Frau auf der Bühne stimmt an: „Ohne Helm und ohne Knüppel seid ihr nichts“. Einmal greift ein Polizist genervt in eine Fahne. Mehr geschieht an dieser Stelle zunächst nicht. (Dominik Lenze)

Bild:
Dominik Lenze
Demo steht
Eine knappe Stunde stand die Spitze des Demo-Zuges in der Glogauer Straße. Das Ende befand sich noch in der Oranienstraße in Kreuzberg – dazwischen klafften große Lücken, der Zug zerfaserte quasi.
Warum der Zug stand, ist unklar. Laut Redner wartete man wohl auf Nachzügler. Die Polizei konnte keinen Grund nennen. Doch nun geht es wieder weiter.
Insgesamt ist die Lage etwas unübersichtlich. Immer wieder mischen sich Feiernde unter die Demonstrierenden.
1. Mai – war das nicht der Tag … des Tankrabatts? Wir haben uns das mal in Kreuzberg angeschaut.
Israelfeindliche Sprechchöre
Einschlägige israelfeindliche Gruppen sammeln sich in einem der hinteren Demo-Blöcke. Eine Rednerin stimmt das Publikum dazu an, „Fuck you Israel, viva Palestine“ zu rufen oder auch die Parole: „There ist only one state – Palestine 48“. Mit dem Jahr 1948 ist das in diesem Teil der Szene verhasste Gründungsjahr Israels gemeint.
Neben Flaggen der „Revolutionären Kommunistischen Partei“ sind Flaggen der Gruppierung „Young Struggle“ zu sehen. Diese Gruppe hatte den Überfall der Hamas auf israelische Zivilisten am 7. Oktober 2023 als „Widerstand“ verklärt. (Dominik Lenze)
Auch am Landwehrkanal wird noch gefeiert
Hunderte Menschen haben sich am Landwehrkanal versammelt. Am Dreiländereck, dort, wo Kreuzberg, Neukölln und Treptow aufeinandertreffen, feiern sie. DJs legen auf. Aber auch die Polizei ist hier. Ein DJ muss sein Set beenden. (Robert Klages)

Bild:
Robert Klages
Auseinandersetzung mit rechten StreamerAuf der Glogauer Straße kam es zu einem Gerangel zwischen einem Streamer aus der rechten Szene und Teilnehmenden der Mai-Demo.
Ein Video des BZ-Reporters zeigt, dass Demoteilnehmer zuerst den rechten Streamer bedrängen. Dieser weicht zurück, geht dann aber selbst zum Angriff über. Die Pressestelle der Polizei hatte gegen 21.30 Uhr noch keine näheren Informationen zu dem Einsatz. (Dominik Lenze)
Unterschiedliche Zahlen
Während die Berliner Polizei von 10.000 Teilnehmenden bei der Demonstration spricht, melden sich die Oranisator:innen mit anderen Zahlen: „Leute, es ist umwerfend. Es sind 30.000 bis 35.000 Leute in Kreuzberg und Neukölln auf der Revolutionären 1.Mai-Demo“, heißt es auf der Plattform X.
Auch wenn das Thema Nahost in diesem Jahr nicht am präsentesten ist – Palästina-Flaggen sind hier und da zu sehen.

Bild:
Dominik Lenze
Live vom Tanz in den MaiWas macht eigentlich Franziska Giffey? Die Wirtschaftssenatorin hat sich am Donnerstagabend unters Wahlvolk gemischt und heute per Video darüber berichtet: Tanz in den Mai in der Alten Dorfschule Rudow. Wir sagen: Aloha heja he. Hehe.
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