Von Nazis gesprengt
Lost Place bei Köln: Wurde hier ein Mord begangen?
02.05.2026 – 07:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Seitenansicht der Ummigstalbrücke: Sie wurde von den Nazis gesprengt. (Quelle: Martin Henning )
Vor rund 100 Jahren wurde die Ummigstalbrücke als Teil eines großen Bauprojekts im Siegtal errichtet. Doch sie hielt nur kurz und ist heute ein Lost Place. Um sie ranken sich teils unheimliche Legenden.
Eindrucksvoll ragt die Ruine aus dem Waldstück im Wahnbachtal hervor. Früher eine komplette Brücke stehen heute nur noch zwei Pfeiler und ein kurzer Teil des Brückendecks. Tiefe Risse durchziehen den übrig gebliebenen Teil. Direkt daneben fließt der Ummigsbach träge das Tal entlang. Auf der anderen Uferseite liegen riesige, tonnenschwere Betonbrocken zwischen umgestürzten Baumstämmen und moosbewachsenen Flächen – Reste eines Bauwerks, das Denkmal der wechselvollen Geschichte des Siegtals ist.
Einst sollte die Ummigstalbrücke bei Siegburg-Seligenthal ihre Region beleben und besser vernetzen. Doch nur 20 Jahre nach ihrem Bau war sie schon wieder Geschichte, zerstört durch die Nazis. Dass sie im Laufe der Zeit Schauplatz für Legendenbildungen werden sollte, ahnte damals niemand.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts hatte es erste Pläne gegeben, mit einer Bahnlinie den Bereich rund um Siegburg besser ans Rheintal anzubinden. Doch erst nach Ende des Ersten Weltkriegs nahmen die Ideen konkrete Formen an. Weil das Geld fehlte, konnte aber keine Bahnstrecke gebaut werden. Stattdessen entschieden sich die Verantwortlichen für die leichter umsetzbare Autolösung. In jedem Fall war das Großprojekt eine riesige Chance für die von Arbeitslosigkeit gepeinigte Region.
1925 begann der Bau der sogenannten Wahnbachtalstraße, zwei Jahre später war sie fertig. 21 Bachbrücken sowie zwei Brücken über das Ummigstal und das Derenbachtal verbanden die verschiedenen Täler miteinander. Die Straße wurde außerdem genutzt, um unterschiedliche Fahrbahnbeläge wie Asphalt, Beton und Stein zu testen.
Mit der Ummigstalbrücke schafften die Bauherren die Anbindung an ein weiteres Bauprojekt, das 30 Jahre später und nur einen Steinwurf entfernt entstehen sollte: die Wahnbachtalsperre, heute ein zentrales Trinkwasserreservoir für rund 800.000 Menschen in der Region Bonn/Rhein-Sieg.
Doch als Verbindungsstück konnte die Ummigstalbrücke nicht mehr dienen: Am 8. April 1945 sprengte die deutsche Wehrmacht zwei Brückenbögen auf ihrem Rückzug vor den amerikanischen Truppen. Übrig blieb der Bruchteil, der noch heute im Wahnbachtal steht. Weil es in der Zwischenzeit eine neue Straßenführung gab, wurde die Ummigstalbrücke nicht wieder aufgebaut.
