Nach dem 1. Mai steht in Berlin in einigen Stadtteilen das große Aufräumen an. Bereits in den Vorjahren hatte die Stadtreinigung BSR in Sonderschichten nach dem 1. Mai mehr als hundert Kubikmeter Müll eingesammelt. Außerdem wird die Polizei im Laufe des Tages eine Bilanz zu ihren Einsätzen vorlegen. Bereits am Abend sprach die Polizei von einem erneut sehr friedlichen Verlauf. In der Nacht sei es „noch ruhiger“ geworden, sagte ein Sprecher des Lagezentrums dem Tagesspiegel am Samstagvormittag.

Nach Angaben der Polizei verlief der 1. Mai in Berlin ausgesprochen friedlich.

© Sebastian Gollnow/dpa

Bis zum Abend hatte es keine größeren Störungen gegeben, wie ein Polizeisprecher sagte. Er berichtete von einer vorläufigen Festnahme am Rande der Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ mit linken und linksextremistischen Teilnehmern. Zwar sei die Stimmung bei der Demonstration auch aggressiv gewesen, aber es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben. Einige Teilnehmer hätten Pyrotechnik gezündet, Polizisten seien mit Gegenständen beworfen worden. Nach aktuellem Stand seien neun Einsatzkräfte leicht verletzt worden. 

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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bestätigte am Samstag, dass der Vortag ruhig geblieben war. „Der 1. Mai in Berlin war friedlich“, postete Wegner auf X. „Das ist auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung unserer Berliner Polizei und Feuerwehr. Ich danke allen Einsatzkräften, die im Dienst waren!“

60.000 Menschen am 1. Mai in Berlin versammelt

Nach Angaben von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatten sich am Tag der Arbeit in Berlins Grünanlagen und Parks mehr als 60.000 Menschen versammelt – besonders in Kreuzberg waren viele unterwegs. Die einen feierten ausgelassen, andere demonstrierten.

„Wir haben einen weitgehend friedlichen Ersten Mai 2026 erlebt“, teilte die Senatorin am Samstagvormittag mit. „Mein Dank gilt den rund 5300 eingesetzten Kräften für ihren professionellen Einsatz, darunter Kolleginnen und Kollegen der Polizei Berlin, rund 1500 Polizistinnen und Polizisten aus mehreren Bundesländern und 580 Kräfte der Bundespolizei, der Berliner Feuerwehr und der Hilfsorganisationen.“

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Das lange im Vorfeld vorbereitete Einsatzkonzept sei aufgegangen, sagte Spranger. Dabei handelte es sich um „eine abgestimmte und situativ angepasste Deeskalationsstrategie sowie auch verstärkte Maßnahmen zum Zufahrtsschutz, um Versammlungen und Veranstaltungen zu sichern“. Auch diesmal habe die Berliner Polizei die Stadt nicht nur auf der Straße, sondern auch zu Wasser und in der Luft geschützt.

„Berlin hat gezeigt, dass Versammlungsfreiheit und Sicherheit gleichermaßen gewährleistet werden können“, betonte die Senatorin. Zehntausende Berlinerinnen, Berliner und Gäste der Stadt hätten den 1. Mai friedlich und verantwortungsvoll gefeiert. „Gleichzeitig gilt aber: Wer Gewalt ausübt oder Einsatzkräfte angreift, überschreitet klare Grenzen. Straftaten werden konsequent verfolgt und rechtsstaatlich geahndet.“

Gewerkschaft der Polizei mit gemischtem Fazit

Am Samstagmorgen zog die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein gemischtes Fazit. Zwar sei der Tag über weite Strecken gewaltfrei verlaufen, am Ende hätten jedoch Demonstranten aus dem linksautonomen Spektrum Polizisten mit Gegenständen beworfen. Deshalb könne man „weiterhin nicht von einem friedlichen Tag sprechen“, teilte die GdP mit. Mindestens zehn Polizisten seien leicht verletzt worden.

Insgesamt gehe die Entwicklung weiter in die richtige Richtung, die Polizei habe „jegliches Gewaltpotenzial in den Griff bekommen“. Getrübt werde die Gesamtbilanz des Feiertags von der Nacht in Kreuzberg, so die GdP. Kurz vor Mitternacht kam der sogenannte schwarze Block mit vermummten Linksautonomen am Ende des Demonstrationszugs am Südstern an, wo es dann zu Rangeleien und Angriffen auf Polizisten mit Flaschen- und Böllerwürfen kam.

Vorläufige Bilanz: Festnahmen im mittleren zweistelligen Bereich

Die Polizei hatte am späten Freitagabend eine positive vorläufige Bilanz gezogen. Im gesamten Tagesverlauf habe es Festnahmen im mittleren zweistelligen Bereich gegeben – sowohl bei den vielen Demonstrationen als auch bei den Straßenfesten und Feiern in Parks.

02.05.2026, Berlin: Eine Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung (BSR) fährt im Görlitzer Park den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai die Wege ab. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Eine Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung (BSR) fährt im Görlitzer Park den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 1. Mai die Wege ab.

© dpa/Carsten Koall

Die große Demonstration von linken und linksextremen Gruppen am Abend endete friedlich und ohne Gewaltausbrüche. Trotz zum Teil aggressiver Stimmung und der Teilnahme eines sogenannten schwarzen Blocks von Linksautonomen gab es keine Gewalt, Ausbrüche oder Angriffe auf die Polizei.

Feuerwehr verzeichnet 2050 Einsätze

Auch die Berliner Feuerwehr registrierte keine Angriffe auf Einsatzkräfte. Allerdings wurde ein Rettungswagen auf dem Weg in ein Krankenhaus beschmiert, wie die Feuerwehr mitteilte. Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht, .

Von Freitagfrüh bis Samstagmorgen rückten die Kräfte den Angaben zufolge insgesamt zu 2050 Einsätzen in den Bereichen Rettungsdienst, technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung aus. Besonders belastet war der Rettungsdienst: 1657 Einsätze mussten die Teams bewältigen.

Vor allem wegen Zehntausender feiernder Menschen und viel Alkohol waren die Sanitäter der Berliner Feuerwehr am 1. Mai im Dauereinsatz. Die Feuerwehr berichtete von Arbeit unter hoher Belastung.

Am Abend häuften sich in Kreuzberg die Einsätze. Große Menschenmengen und dadurch versperrte Zufahrtswege erschwerten die Hilfeleistung. Um die Lage besser zu bewältigen, verlegten die Rettungskräfte die Einsatzmittel auf eine nahegelegene Feuerwache. Zudem richteten Feuerwehr und Polizei am Görlitzer Park eine Verletzten-Sammelstelle ein, um die medizinische Hilfe zu bündeln. Gegen zwei Uhr in der Nacht entspannte sich die Lage deutlich.

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Die Feuerwehr war eigenen Angaben zufolge auf den 1. Mai gut vorbereitet: Zusätzlich geplante Helferinnen und Helfer, darunter zahlreiche Kräfte der Hilfsorganisationen sowie der Freiwilligen Feuerwehren, wurden in Dienst gestellt. Im Rettungsdienst standen tagsüber acht und in der Nacht sieben Rettungswagen zur Verfügung.

02.05.2026, Berlin: Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) sammeln im Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai Altglas ein. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) sammeln im Görlitzer Park Altglas ein.

© dpa/Carsten Koall

Mit Blick auf Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung blieb es am 1. Mai bei einigen wenigen „größeren Einsatzlagen“, wie die Feuerwehr weiter mitteilte. In Kreuzberg brannten in der Ritterstraße drei Autos. Der Vollbrand konnte aber schnell gelöscht werden. Besondere Einsätze im direkten Zusammenhang mit Kundgebungen oder Versammlungen verzeichnete die Feuerwehr nicht.

Tonnenweise Müll in Kreuzberg

Unterdessen beseitigt die Berliner Stadtreinigung seit dem frühen Samstagmorgen große Mengen Müll. Mit Sonderschichten und viel Personal wurden die von Scherben und Glassplittern bedeckten Straßen zwischen Oranienplatz und Schlesischem Tor abgefahren.

02.05.2026, Berlin: Eine Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung (BSR) kippt vor dem Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai die Wege überwiegend Glasflaschen ab. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Eine Kehrmaschine der BSR kippt vor dem Görlitzer Park überwiegend Glasflaschen ab.

© dpa/Carsten Koall

Große Müllhaufen gab es vor allem auch im Görlitzer Park, aber ebenso im Mauerpark, im Treptower Park und im Volkspark Friedrichshain. Die BSR will später die Menge an Müll konkreter benennen. In früheren Jahren wurden mehr als 100 Kubikmeter eingesammelt. 

02.05.2026, Berlin: Ein Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) entleert im Görlitzer Park eine Mülltonne mit überwiegend leeren Glasflaschen in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Ein BSR-Mitarbeiter entleert im Görlitzer Park eine Mülltonne mit überwiegend leeren Glasflaschen.

© dpa/Carsten Koall

Ein offizielles Straßenfest gibt es am 1. Mai in Kreuzberg schon seit Jahren nicht mehr. Die Anwohner hatten zu sehr unter Lärm, Müll und sonstigen Hinterlassenschaften der feiernden jungen Menschen gelitten. Allerdings ziehen trotzdem Zehntausende jedes Jahr an dem Feiertag ab mittags in den Stadtteil. Viele kommen mit den S-Bahnen und Zügen aus den Randbezirken und aus Brandenburg, sodass der Andrang größer ist denn je.

02.05.2026, Berlin: Mitarbeiter sammeln überwiegen Glasflaschen-Müll in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 1. Mai. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Mitarbeiter sammeln Glasflaschen-Müll.

© dpa/Carsten Koall

Zahllose Spätis und Kneipen verkaufen Getränke meist in Glasflaschen. Früher hatte sich das von den Grünen geführte Bezirksamt noch bemüht, Glasflaschen zu verbieten und den Getränkeausschank nur in Bechern zu genehmigen – davon ist aber schon länger nicht mehr die Rede. Als Folge sind am späten Abend ganze Straßenzüge voll mit den Resten der Flaschen.

Görlitzer Park wegen Überfüllung geschlossen

Ein Aufräum-Schwerpunkt an diesem Wochenende dürfte der Görlitzer Park sein: Wegen der Massen an Menschen war der Görlitzer Park am Abend des 1. Mai geschlossen worden. Der Park wurde zwar nicht geräumt, aber die Menschen durften nicht mehr hineingehen, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Ein Verlassen des Parks war jederzeit möglich. Mit der Maßnahme wolle man Platz für Rettungskräfte machen, wenn diese benötigt würden. 

02.05.2026, Berlin: Ein Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) arbeitet gegenüber dem Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai an seiner Kehrmaschine. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Ein Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) arbeitet gegenüber dem Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 1. Mai an seiner Kehrmaschine.

© dpa/Carsten Koall

Wegen der Menschenmassen in Berlin-Kreuzberg waren auch die umliegenden Straßen für Autos gesperrt. Mehrere U-Bahnhöfe wurden geschlossen, die Züge hielten dort nicht mehr. Voller Menschen war auch der Mariannenplatz, als dort am Abend die Berliner Rapperin Ikkimel beim 1.-Mai-Fest der Linken auftrat.

Mehr zum 1. Mai in Berlin:„Ich bin für die Vier-Stunden-Woche und mehr Gehalt“ Berliner Rapperin Ikkimel tritt vor Tausenden auf Linken-Fest auf Berlins Regierender war selbst bei Demo Kai Wegner verteidigt den 1. Mai als Feiertag Baden in Berlin am 1. Mai Diese Freibäder haben ab heute geöffnet

Bereits im vergangenen Jahr verlief der 1. Mai weitgehend gewaltfrei, trotzdem wurden bei den Demonstrationen etwas mehr als 70 Menschen wegen Verstößen und Störungen von der Polizei festgenommen. Oft ging es um Flaschen- und Böllerwürfe oder verfassungswidrige Propaganda. (mit dpa)