Weißer Schaum am Ufer, ein unangenehmer, gülleartiger Geruch – Spaziergänger berichten von auffälligen Veränderungen am Elfrather See. Die Stadt bestätigte auf Anfrage ein erhöhtes Algenaufkommen und hat ihre Einschätzung der Lage inzwischen verschärft.
Im November 2025 wurde im Elfrather See ein Vorkommen der sogenannten Burgunderblutalge festgestellt. Dabei handelt es sich um Cyanobakterien, die natürlicher Bestandteil von Gewässern sind.
„Grundsätzlich ist ganzjährig – abhängig von Umwelt- und Witterungsbedingungen – mit dem Auftreten von Algen und Cyanobakterien zu rechnen“, sagte ein Stadtsprecher. In der Regel gehe davon keine Gesundheitsgefahr aus, betonte er. Unter bestimmten Bedingungen könne es jedoch zu verstärkten Algenblüten kommen.
Im Wasser wurden Giftstoffe nachgewiesen
Aktuell gilt nach Angaben der Stadt für den Großteil des Sees das sogenannte Szenario 3. Das bedeutet: Es besteht ein erhöhtes Risiko, weil im Wasser Toxine nachgewiesen wurden – allerdings unterhalb der geltenden Grenzwerte. Die Stadt rät deshalb zu Vorsicht. Sichtbare Algenansammlungen sollten gemieden werden, ebenso direkter Wasserkontakt. Eine sportliche Nutzung des Sees sei weiterhin möglich, sofern die Hinweise beachtet würden. Der Elfrather See ist ohnehin kein offizielles Badegewässer.
Am Südufer gilt jetzt „Szenario 4“
Am südlichen Ende des Sees hat sich die Lage jedoch verändert: Dort bildet sich aktuell ein schaumiger Belag, der mit einem starken Geruch einhergeht. Nach Angaben der Stadt steht dies im Zusammenhang mit dem natürlichen Zellabbau und dem Absterben der Algen. Eine aktuelle Wasserprobe habe in diesem Bereich erhöhte Konzentrationen von Cyanobakterien mit enthaltenen Toxinen gezeigt. Deshalb wurde für den betroffenen Abschnitt das Szenario 4 ausgerufen. Bedeutet: Die entsprechenden Stellen, die sowohl vom Ufer als auch vom Wasser aus deutlich erkennbar sind, sollten strikt gemieden werden.
Hinweisschilder mit QR-Codes
Vor Ort weist die Stadt inzwischen mit Schildern auf die Situation hin. Über einen QR-Code können Besucher aktuelle Informationen und Verhaltensempfehlungen abrufen. Ziel sei es, „eine einheitliche, nachvollziehbare und zugleich flexible Informationsgrundlage für alle Nutzergruppen zu schaffen“, so der Sprecher.
Einen Zusammenhang mit Einleitungen in den See schließt die Stadt nach aktuellem Stand aus. Die beobachtete Schaumbildung könnte vielmehr mit natürlichen Abbauprozessen zusammenhängen. „Es ist fachlich plausibel, dass aktuelle Witterungsbedingungen – insbesondere höhere Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung – diese Prozesse begünstigen“, erklärte der Sprecher. Dabei könnten Stoffe freigesetzt werden, die zu Schaumbildung und auch zu Geruchsbelästigungen führen. Die Situation werde weiterhin beobachtet und bewertet. Es wird erwartet, dass sich der verbleibende Algenbelag in den kommenden Wochen auf natürliche Weise vollständig abbaut.
Woher kommt die rötliche Farbe?
Die Burgunderblutalge kann bei massenhaftem Auftreten das Wasser rötlich oder bräunlich färben. Wie andere Cyanobakterien ist sie in der Lage, Giftstoffe zu bilden, die bei hoher Konzentration gesundheitsschädlich sein können. Ihren Namen verdankt sie ihrer rötlich-weinfarbenen Färbung, die bei starker Vermehrung an Burgunderwein und damit an „Blut“ erinnert. Diese rötliche Färbung entsteht durch spezielle Farbstoffe, mit denen die Alge auch in tieferen Wasserschichten noch Licht nutzen kann. Deshalb taucht sie oft nicht nur an der Oberfläche auf, sondern auch etwas darunter.