Die Gattin des Unterweltherrschers Pluto spielt im vierten Akt der 1607 in Mantua uraufgeführten Oper Monteverdis bekanntlich eine wichtige Rolle, gelingt es ihr doch, ihren Gatten Pluto zu erweichen, Orfeo die Chance auf Rückkehr seiner Gattin Euridice zu ermöglichen. Leider kann der mythische Sänger die Bedingung nicht erfüllen, sich auf dem Rückweg nicht zur ihr umzukehren.
Nach Goethes Monodrama „Proserpina“, die eine andere Geschichte erzählt, schuf der 1952 geborene und 2024 gestorbene Karlsruher Komponist Wolfgang Rihm sein gleichnamiges Bühnenwerk, das 2009 als Auftragswerk der Schwetzinger SWR Festspiele herauskam.
Aus Rihms Oper: Pluto lässt Proserpina (Mojca Erdmann) auf einen Gynäkologiestuhl schnallen, ihm assistieren seine Folterknechte (Sascha Jähnert, Christian Natter, Andreas Jähnert, von links).Foto: Pipprich
Wolfgang Rihm hat in seinem umfangreichen Schaffen oft antike Stoffe verarbeitet, auch in seinem Trompetenkonzert „Marsyas“. Wolfgang Rihm hat sich schon früh mit dem Marsyas-Mythos auseinandergesetzt. Marsyas, der flötenspielende Satyr unterliegt dem Gott Apoll im künstlerischen Wettstreit und wird von ihm bei lebendigem Leib gehäutet. Die intellektuelle Kunst des Gottes triumphiert über die Emotionalität des Satyrs, der von Rihm als Symbol des unabhängig schaffenden Künstlers gesehen wurde. Der 2024 verstorbene Karlsruher Komponist schuf vom antiken Mythos angeregt seine 1999 im Badischen Staatstheater uraufgeführte „Marsyas“-Rhapsodie für Trompete mit Schlagzeug und Orchester. Ein Triumph nicht nur für den Komponisten, sondern auch für den Trompeter Reinhold Friedrich und Karlsruhes damaligen GMD Kazushi Ono. Auf Friedrichs Spuren setzte sich nun im sechsten Sinfoniekonzert Wolfram Lauel, der Solotrompeter der Badischen Staatskapelle, mit der technisch wie intellektuell höchst fordernden Rhapsodie auseinander, wobei er von dem Schlagzeuger Marco Dalbon und Johannes Willig am Pult der Badischen Staatskapelle souverän unterstützt wurde. Der Wechsel von lyrischer Intensität und expressivem Ausbruch, der „Marsyas“ prägt, wurde von Wolfram Lauel mit großem Nachdruck gestaltet. Als vom Publikum gefeierter musikalischer Kontrapunkt präsentierte Lauel, gemeinsam mit dem Jazztrio „Tirantes“ (bestehend aus Willig am Flügel, Schlagzeuger Dalbon und dem Kontrabassisten Xiaoyin Feng) zudem eine swingende Zugabe des Jazztrompeters Harry James.
Mahler mit Staatskapelle und Staatsphilharmonie
Umrahmt wurde Rihms Rhapsodie von der Suite aus Leos Janaceks Oper „Das schlaue Füchslein“ und Dvoraks selten zu hörender sechster Sinfonie. Janaceks Musik, die Suite nutzt nur Material aus dem ersten Akt der Oper, ist der von Willig sehr konzentriert geleiteten Badischen Staatskapelle hörbar nicht fremd, war die Oper doch zu Zeiten von GMG Justin Brown auf dem Spielplan des Badischen Staatstheaters. Zu großer Form liefen der erste Kapellmeister des Hauses und das Orchester bei der D-Dur Sinfonie von Dvorak auf. Willig fand eine treffende Mischung aus genauer Ausformung der musikalischen Verläufe und musikantischem Überschwang. Strahlende Streicherklänge prägten die Sechste ebenso wie viele fein austarierten Bläsersoli, denen der Dirigent viel Gestaltungsraum ließ. Lyrische Intensität wie im Adagio standen neben rhythmischem Überschwang im vorantreibenden Furiant, das Finale wurde zu einem vom furiosen Stretta-Taumel geprägten Höhepunkt.
Im nächsten Sinfoniekonzert der Badischen Staatskapelle im Karlsruher Staatstheater dirigiert am 31. Mai um 11 Uhr und 1. Juni um 19.30 Uhr GMD Georg Fritzsch die monumentale dritte Sinfonie von Gustav Mahler. Fast genau ein Jahr später vom 21. bis 23. Mai 2027 wird die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Michael Francis das singuläre Werk in Ludwigshafen und Mainz spielen. Im fünften Satz werden die Partien des Knaben- und Frauenchores von Ensembles der Speyerer Dommusik in der Einstudierung von Domkapellmeister Markus Melchiori übernommen.