87 vorübergehende Festnahmen, 121 Ermittlungsverfahren und 15 verletzte Einsatzkräfte: Das ist die Bilanz der Berliner Polizei zum 1. Mai. Dennoch sprach die Behörde am Samstag in ihrer Bilanz von einem „weitestgehend störungsfreien Maifeiertag“.

Das erklärt sich durch die schieren Massen an Menschen, die am Freitag über das gesamte Stadtgebiet verteilt in Berlin unter freiem Himmel feierten und demonstrierten. Den Angaben zufolge gab es berlinweit mehr als 90 Versammlungen, an denen insgesamt über 70.000 Menschen vom frühen Morgen bis in die späte Nacht teilnahmen. Nicht mitgezählt sind jene, die unorganisiert in den Straßen feierten.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es am Maifeiertag 73 vorläufige Festnahmen. Auch damals verliefen die Versammlungen weitgehend gewaltfrei.

Am Ende der „revolutionären“ Demo wurde es hektisch

Etwas kleiner als 2025 fiel in diesem Jahr die „revolutionäre“ Demo am Abend durch Kreuzberg und Neukölln aus. Zu Spitzenzeiten nahmen daran einer Schätzung der Polizei zufolge bis zu 11.000 Menschen teil. Während die Demonstranten vom Oranienplatz zum Südstern durch Kreuzberg zogen, wurden verschiedene Formen von Pyrotechnik sowie Nebeltöpfe und Leuchtfackeln gezündet.

Am Rio-Reiser-Platz flankierte die Polizei den besonders radikalen Kern, den sogenannten schwarzen Block. Dabei wurden Einsatzkräfte unter anderem mit Flaschen beworfen.

Während die Polizei den Aufzug ansonsten als „störungsarm“ bezeichnete, wurde es nach Ende der Demonstration am Südstern hektisch. Eine Einsatzkraft der Polizei wurde bei einer Attacke an der Schulter verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Insgesamt gab es bei der Demonstration 18 Festnahmen und 28 Ermittlungsverfahren, darunter wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, des tätlichen Angriffs auf Vollzugsbeamte und Landfriedensbruchs.

Wegner: „Der 1. Mai in Berlin war friedlich“

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zog eine positive Bilanz des Tages. „Der 1. Mai in Berlin war friedlich“, postete Wegner auf der Plattform X. „Das ist auch ein großer Erfolg der besonnenen und konsequenten Planung und Vorbereitung unserer Berliner Polizei und Feuerwehr. Ich danke allen Einsatzkräften, die im Dienst waren!“

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Von einem „weitgehend friedlichen“ 1. Mai sprach Innensenatorin Iris Spranger (SPD). „Berlin hat gezeigt, dass Versammlungsfreiheit und Sicherheit gleichermaßen gewährleistet werden können“, betonte die Senatorin. Zehntausende Berlinerinnen, Berliner und Gäste der Stadt hätten den 1. Mai friedlich und verantwortungsvoll gefeiert. „Gleichzeitig gilt aber: Wer Gewalt ausübt oder Einsatzkräfte angreift, überschreitet klare Grenzen. Straftaten werden konsequent verfolgt und rechtsstaatlich geahndet.“

Sprangers Dank galt den 5300 eingesetzten Polizistinnen, von denen etwa 2000 aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei kamen.

01.05.2026, Berlin: Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, gibt am 1. Mai in der Feuerwache Kreuzberg ein Statement. Hinter ihm stehen Iris Spranger (SPD, l-r), Berliner Senatorin für Inneres und Sport, Barbara Slowik Meisel, Polizeipräsidentin der Polizei Berlin, und Karsten Homrighausen, Landesbranddirektor Berlin. Am 1. Mai finden bundesweit und auch in der Stadt mehrere Demonstrationen und Veranstaltungen statt. Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Zufrieden mit dem Verlauf des Tages: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sowie (hinten von links) Innensenatorin Iris Spranger (SPD), Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel und Feuerwehrchef Karsten Homrighausen am 1. Mai bei einer Pressekonferenz in der Feuerwache Kreuzberg.

© dpa/Sebastian Gollnow

Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Unsere über Jahrzehnte immer weiter fortentwickelte und ausdifferenzierte Strategie der Deeskalation hat sich erneut bewährt“, ließ sie sich in der Mitteilung ihrer Behörde zitieren. „Zurückhaltung, wenn es uns nicht braucht, enge Begleitung, wenn Straftaten drohen, konsequentes Eingreifen, wenn Straftaten begangen werden.“

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zog hingegen ein gemischtes Fazit. Zwar sei der Tag über weite Strecken gewaltfrei verlaufen, am Ende hätten jedoch Demonstranten aus dem linksautonomen Spektrum Polizisten mit Gegenständen beworfen. Deshalb könne man „weiterhin nicht von einem friedlichen Tag sprechen“, teilte die GdP mit. Insgesamt gehe die Entwicklung weiter in die richtige Richtung, die Polizei habe „jegliches Gewaltpotenzial in den Griff bekommen“.

Feuerwehr: Von Menschenmassen versperrte Wege erschwerten Arbeit

Die Berliner Feuerwehr registrierte in diesem Jahr keine Angriffe auf Einsatzkräfte. Allerdings wurde ein Rettungswagen auf dem Weg in ein Krankenhaus beschmiert, wie die Feuerwehr mitteilte.

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Von Freitagfrüh bis Samstagmorgen rückten die Kräfte den Angaben zufolge insgesamt zu 2050 Einsätzen in den Bereichen Rettungsdienst, technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung aus. Besonders belastet war der Rettungsdienst: 1657 Einsätze mussten die Teams bewältigen. Das waren etwa 250 bis 300 mehr als üblich, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel.

Vor allem wegen Zehntausender feiernder Menschen und viel Alkohol waren die Sanitäter am 1. Mai im Dauereinsatz. Die Menschen brauchten Hilfe, weil sie zu viel getrunken hatten – oder aufgrund von Drogenkonsum. Aber auch Dehydrierung, die Enge sowie Verletzungen im Gedränge, etwa weil Menschen stürzten und sich an Glasscherben schnitten, spielten eine Rolle, wie der Feuerwehrsprecher erläuterte. Generell komme es in der Menschenmenge regelmäßig zu Fällen von Kreislaufproblemen, manche Menschen fühlten sich außerdem schnell bedrängt.

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Am Abend häuften sich in Kreuzberg die Einsätze. Die großen Menschenmengen auf der Straße und dadurch versperrte Zufahrtswege erschwerten die Hilfeleistung. „Zum einen mussten wir mit unseren großen Fahrzeugen durchkommen“, erklärte der Sprecher, „und zum anderen die Menschen, die uns gerufen hatten, erst mal finden.“

Um die Lage besser zu bewältigen, verlegten die Rettungskräfte die Einsatzmittel auf eine nahegelegene Feuerwache. Zudem richteten Feuerwehr und Polizei am Görlitzer Park zwei Verletztensammelstellen ein, um die medizinische Hilfe zu bündeln. Gegen zwei Uhr in der Nacht entspannte sich die Lage deutlich.

02.05.2026, Berlin: Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) sammeln im Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai Altglas ein. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung (BSR) sammeln im Görlitzer Park Altglas ein.

© dpa/Carsten Koall

Tonnenweise Müll in Kreuzberg

Unterdessen war die Berliner Stadtreinigung seit dem frühen Samstagmorgen im Einsatz, um die großen Mengen Müll zu beseitigen. Mit Sonderschichten und viel Personal wurden die von Scherben und Glassplittern bedeckten Straßen zwischen Oranienplatz und Schlesischem Tor abgefahren. Bereits in den Vorjahren hatte die Stadtreinigung BSR in Sonderschichten nach dem 1. Mai mehr als hundert Kubikmeter Müll eingesammelt.

Im Scherbenhaufen vom Görlitzer Park „Das war eines der geilsten Maifeste überhaupt“

Große Müllhaufen gab es in diesem Jahr vor allem auch im Görlitzer Park, aber ebenso im Mauerpark, im Treptower Park und im Volkspark Friedrichshain. Die BSR will später die Menge an Müll konkreter benennen. In früheren Jahren wurden mehr als 100 Kubikmeter eingesammelt. 

02.05.2026, Berlin: Eine Kehrmaschine der Berliner Stadtreinigung (BSR) kippt vor dem Görlitzer Park in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 01. Mai die Wege überwiegend Glasflaschen ab. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Eine Kehrmaschine der BSR kippt vor dem Görlitzer Park überwiegend Glasflaschen ab.

© dpa/Carsten Koall

02.05.2026, Berlin: Mitarbeiter sammeln überwiegen Glasflaschen-Müll in den frühen Morgenstunden am Tag nach dem 1. Mai. Foto: Carsten Koall/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Per Greifarm werden die Flaschen verladen.

© dpa/Carsten Koall

Ein offizielles Straßenfest gibt es am 1. Mai in Kreuzberg schon seit Jahren nicht mehr. Die Anwohner hatten zu sehr unter Lärm, Müll und sonstigen Hinterlassenschaften der feiernden jungen Menschen gelitten. Allerdings ziehen trotzdem Zehntausende jedes Jahr an dem Feiertag ab mittags in den Stadtteil. Viele kommen mit den S-Bahnen und Zügen aus den Randbezirken und aus Brandenburg, sodass der Andrang größer ist denn je.

Zahllose Spätis und Kneipen verkaufen Getränke meist in Glasflaschen. Früher hatte sich das von den Grünen geführte Bezirksamt noch bemüht, Glasflaschen zu verbieten und den Getränkeausschank nur in Bechern zu genehmigen – davon ist aber schon länger nicht mehr die Rede. Als Folge sind am späten Abend ganze Straßenzüge voll mit den Resten der Flaschen.

Voll war es auch diesmal: Wegen der Massen an Menschen war der Görlitzer Park am Abend des 1. Mai vorübergehend geschlossen worden. Der Park wurde zwar nicht geräumt, aber die Menschen durften nicht mehr hineingehen. Ein Verlassen des Parks war jederzeit möglich. Mit der Maßnahme wolle man Platz für Rettungskräfte machen, wenn diese benötigt würden. 

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Wegen der Menschenmassen in Kreuzberg waren auch die umliegenden Straßen für Autos gesperrt. Mehrere U-Bahnhöfe wurden geschlossen, die Züge hielten dort nicht mehr. Voller Menschen war auch der Mariannenplatz, als dort am Abend die Berliner Rapperin Ikkimel beim 1.-Mai-Fest der Linken auftrat. (mit dpa)