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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt in einer neuen Analyse auf, dass die Inflation in Deutschland bis zum Jahresende noch deutlich ansteigen könnte. So teuer könnte es noch werden.
Köln – Laut einer neuen Analyse des IW, müssen wir in Deutschland bis Jahresende noch mit einem deutlichen Anstieg der Inflation rechnen. Wie das Statistische Bundesamt gerade erst bekannt gab, lag die offizielle Inflationsrate im April 26 schon bei 2,9 Prozent. In der Analyse des IW wird dabei ein weiterer Anstieg der Teuerungsrate auf ganze 4,6 Prozent bis Jahresende berechnet, was dann im Jahresmittel eine Inflation von satten 3,5 Prozent bedeuten würde.
Die Preispirale in Deutschland könnte sich weiter nach oben drehen (Symbolbild) © Marijan Murat/dpaDirekte und indirekte Effekte der hohen Energiepreise treiben die Inflationsrate an
Wie das IW in weiteren Analysen erklärt, sind wir in Deutschland aufgrund der Krise im Nahen Osten direkt von steigenden Preisen bei Treibstoffen und Heizmittel betroffen. Während sich die Preise für Benzin und Diesel schnell nach oben anpassen, reagieren die Heizkosten erst mit einer zeitlichen Verzögerung auf die gestiegenen Öl- und Gaspreise. Die indirekten Effekte entstehen erst dann, wenn auch die Produzentenpreise steigen. So benötigt die Produktion von Düngemitteln Öl und Gas. Die Verteuerung der Düngemittel führt dann zwangsläufig auch zu einer Verteuerung der Lebensmittelpreise. Das IW merkt an, dass die Bereiche Lebensmittel, Treibstoffe und Heizmittel rund ein Fünftel der gesamten Lebenshaltungskosten ausmachen.
Die Prognose des IW beruht auf einer Simulation der Entwicklungen der letzten Energiekrise, die im Zuge des Ukrainekriegs entstanden ist. Der Anstieg der Inflationsrate im März diesen Jahres auf bereits 2,7 Prozent und jetzt im April auf 2,9 Prozent deutet laut dem IW auf einen „kommenden Inflationsdruck“ hin. Deshalb hält das IW für gut möglich, dass die Europäische Zentralbank (EZB), ähnlich wie 2022, die Zinsen wieder schrittweise erhöhen könnte, um die Preisstabilität zu unterstützen.
Zinsen rauf oder runter? Das Dilemma der EZB
Für die Forscher des IW trifft die steigende Inflation, die die EZB zu Zinserhöhungen drängen könnte, aktuell jedoch auf einen echten Zielkonflikt, denn wir befinden uns in einer Phase einer schwachen und kriselnden Wirtschaftsentwicklung. Steigende Zinsen würden die wirtschaftlichen Aktivitäten weiter belasten und Investitionen ausbremsen. Deshalb ist es aus Sicht des IW nachvollziehbar, dass die EZB genauso wie die Federal Reserve in den USA aktuell noch zögern, die Leitzinsen anzuheben, um die zarte Konjunkturbelebung der Wirtschaft nicht zu gefährden. Sie würden dabei dann eine weiter steigende Inflation erst einmal in Kauf nehmen.
Wie Dr. Markus Demary vom IW gegenüber der Berliner Morgenpost äußerte, hält er die aktuellen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung nicht für ausreichend, da insbesondere die einkommensschwachen Haushalte jetzt unter Druck geraten. Der neue Tankrabatt von 17 Cent pro Liter Benzin und die steuerfreie Entlastungsprämie von 1000 Euro, die Unternehmen ihren Beschäftigten gewähren können, seien zwar wichtige Maßnahmen, jedoch nicht hinreichend. Er plädiert z.B. dafür, einkommensschwache Haushalte zusätzlich über eine höhere Pendlerpauschale zu entlasten.
Simulation einer Inflation von 4,6 Prozent bis Jahresende ist vorläufig
Wie das IW in seiner aktuellen Analyse anmerkt, sind die aktuellen Simulationen der Inflationsentwicklung bis Jahresende jedoch noch nicht belastbar sind, da sich die aktuelle Energiekrise aufgrund von noch nicht prognostizierbaren Faktoren auch noch anders entwickeln könnte. So kann die Dauer des Iran-Krieges die Inflationsentwicklung durch die anhaltende Knappheit bei Öl und Gas noch verstärken und weitere politische Entlastungen der Bürger durch politische Maßnahmen könnten die Inflationsdynamik abschwächen. (Quellen: IW, Berliner Morgenpost, Statistisches Bundesamt) (sts)