
Der FC Schalke 04 kann am Abend in die 1. Bundesliga aufsteigen. In den Kneipen stimmen sich viele Fans auf das Spiel ein. Am Nachmittag startete ein Fanmarsch zum Stadion.
Fans hoffen auf denkwürdigen Tag
Die Mission Schalke-Aufstieg begann für Manuel Steinhuber schon 24 Stunden vor Anpfiff. Am Freitagabend setzte er sich in Oberbayern in den Zug, fuhr die ganze Nacht lang und kam am Samstagmorgen in Gelsenkirchen an. Jetzt sitzt der glühende Schalke-Fan in der Kneipe „Friesenstube“ in der Nähe des Hauptbahnhofs. „So viele Schalke-Fan gibt’s bei uns nicht, deshalb bin ich hierhin gekommen“, sagt Steinhuber und lacht.
Manuel Steinhuber, Schalke-Fan aus Oberbayern
Hinter ihm stehen zwei Gehstützen, denn Steinhuber hat sich vor Kurzem beim Fußball das Außenband gerissen. Für seinen Verein hat er die zehnstündige Reise trotzdem auf sich genommen – auch wenn er gar keine Eintrittskarte für das Spiel am Abend gegen Fortuna Düsseldorf hat. Gewinnen die Schalker, sind sie zurück in der ersten Bundesliga.
Steinhuber will das Spiel in einer Kneipe verfolgen und nicht nur das: Er will auch versuchen trotz Verletzung am Nachmittag beim Fanmarsch aus der Innenstadt im Stadtteil Buer zum Stadion mitzulaufen. „3,5 Kilometer – die ziehen wir durch“, ruft er.
Ansturm auf Kneipen: 20 Fässer Bier für Schalke-Fans
Ein paar Meter weiter zapft Ulf Timmermann das nächste Bier. Der Inhaber der Friesenstube hat in seinem Vorrat über 20 Fässer Bier, um den erwarteten Ansturm rund um das vielleicht entscheidende Spiel gegen Düsseldorf zu bewältigen. „Wir sind froh, wenn wir den Abend überleben. Deshalb haben wir vorsichtshalber so viel Bier bestellt.“
Ulf Timmermann, Inhaber der Friesenstube in der Gelsenkirchener Altstadt
Seine Kneipe ist schon am Mittag gut gefüllt mit Gästen wie Steinhuber aus Oberbayern, aber auch aus Luxemburg oder vom Niederrhein. „Viele sind gestern schon angereist. Gestern war die Bude hier schon rappelvoll“, erzählt Timmermann. „Gestern ging es bis 5 Uhr morgens, heute haben wir sogar bis 6 Uhr auf.“
Bratwurst, Bier und Schalker Vorfreude
Ortswechsel: Einige Kilometer weiter Richtung Stadion liegt die Schalker Vereinskneipe „Bosch“, direkt neben der Glückauf-Kampfbahn, dem früheren Stadion der Königsblauen. Hier liegt am Mittag schon der Geruch von frisch gegrillten Bratwürstchen in der Luft. Roy Heiligert steht nebenan im Bierwagen und hat schon alle Hände voll zu tun. „Es ist noch früh, aber es läuft so langsam an“, sagt er.
Für Heiligert ist es ein besonders emotionaler Tag: Er wird die Kneipe nur noch bis Ende Mai betreiben. Da er aber noch keinen Nachfolger gefunden hat, steht das „Bosch“, die Traditions-Kneipe mit dem Stammplatz von Klublegende Ernst Kuzorra, vor dem Aus.
Wir fahren das Ding heute nach Hause.
Roy Heiligert, Betreiber der Kneipe „Bosch“
„Ich genieße heute den Augenblick. Das kann heute ein krönender Abschluss werden, wenn wir den Aufstieg schaffen“, meint er. Er ist sich sicher: „Wir fahren das Ding heute nach Hause.“
Hochstimmung in Gelsenkirchen
Ähnlich optimistisch sind Heiligerts Gäste am Stehtisch nebenan. „Das wird ein 3:0 für uns“, versichert Marek Wessels. „3:2, wie vor vier Jahren gegen St. Pauli“, tippt Leon Nobis. Die beiden sind mit 15 weiteren Mitgliedern des Fanclubs „Asbeck auf Schalke“ aus Ahaus und Umgebung nach Gelsenkirchen gekommen.
Der Fanclub „Aseck auf Schalke“
„Die Stimmung ist Bombe“, ruft Wessels und nimmt einen Schluck von seinem Bier. Davon hatte sich die Freundesgruppe schon am Freitagabend einige gegönnt, erzählt Nobis. Doch jetzt sind alle wieder fit: „Einige sind mit Kopfschmerzen aufgestanden, aber als wir in Gelsenkirchen angekommen sind, war alles wieder weg. Ich hatte schon die ganze Woche lang Glücksgefühle, wenn ich an dieses Spiel gedacht habe.“
20.000 Menschen beim Fan-Marsch
Am Treffpunkt zum Fanmarsch in der Innenstadt von Buer, schallt es bereits von einigen Meter Entfernung entgegen: „Schalalala, Schalke Null-Vier“, singen die Fans. Stück für Stück kommen immer mehr Fans auf den großen Platz an der St.-Urbanus-Kirche. Schon gegen 16 Uhr, 30 Minuten vor dem Start des Fanmarschs, ist der Platz bereits rappelvoll. Gemeinsam stimmen die Fans einen Gesang nach dem anderen an.
Fans pilgern auch ohne Tickets nach Gelsenkirchen
„Tausend Freunde, die zusammenstehen – das merkt man hier einfach“, sagt Christiane Bleil. Sie ist mit ihrem Partner und einem Freund aus Borken nach Gelsenkirchen gekommen und läuft auch beim Fanmarsch zum Stadion mit. Rein ins Stadion wird sie aber nicht kommen, denn sie hat kein Ticket. „Wir gehen dann zum Public Viewing in eine Kneipe.“ Am Ende des Abends soll dann vor allem eine große Aufstiegsparty stehen. Doch dafür muss Schalke erstmal gegen Düsseldorf gewinnen.
Treffpunkt des Schalke-Fanmarschs
Um 16.30 Uhr startet der Fanmarsch planmäßig Richtung Stadion. Laut Polizei sind es 20.000 Fans, die folgen – klatschend, singend, Fahnen schwenkend. Auch Patrick Rösen läuft mit, er ist mit einem Freund aus Weinberg in Hessen angereist. Beide haben eine Dauerkarte, sind bei also bei jedem Heimspiel in der Arena.
Patrick Rösen (rechts) läuft mit einem Freund beim Fanmarsch mit.
Und doch ist dieser Tag mit dem Fanmarsch etwas ganz Besonderes für sie: „Überwältigend, ich habe Gänsehaut. So etwas habe ich noch nie erlebt“, schwärmt Rösen. „Nach der schlechten letzten Saison hätte ich sowas nie für möglich gehalten.“ Dann müssen sie weiter, mit dem Fanmarsch zur Arena. Nur eines will Rösen noch kurz sagen: „Wir gewinnen 3:0. Das muss heute klappen.“
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Schalke-Fans
- Gespräch mit Ulf Timmermann, Inhaber der „Friesenstube“
- Gespräch mit Roy Heiligert, Betreiber der Kneipe „Bosch“
Sendung: WDR.de, Schalke vor Bundesliga-Rückkehr: Gelsenkirchen ist heute fest in der Hand der Fans, 02.05.2026, 16.24 Uhr