Kurzfassung des Artikels:
- Die GOP Genusswerkstatt hat ihren Vertrag für die Bewirtung im Forum Melle zum 31. Juli 2026 gekündigt.
- Die Stadt Melle sucht nun einen neuen Pächter für die gastronomische Versorgung des Veranstaltungsortes ab dem 1. August 2026.
- Gestiegene Kosten, Umsatzrückgänge und ein verändertes Gästeverhalten haben die Rentabilität für den bisherigen Caterer erheblich beeinträchtigt.
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Das Forum Melle ist der wichtigste Veranstaltungsort der Stadt. Dort finden Konzerte, Lesungen, politische Sitzungen und einiges mehr statt. Begleitet werden die Veranstaltungen von der GOP Genusswerkstatt, die seit 2020 für die Bewirtung gesorgt hat. Nun hat der Anbieter den Vertrag gekündigt. So ist der Stand.
Das gehört zum Cateringauftrag im Forum Melle alles dazu
Das Forum ist im Besitz der Stadt Melle. Geführt wird es von der Stadttochter Wirtschaftsbetriebe Melle GmbH, deren Geschäftsführer Michael Schönwald überwiegend im kommunalen Gebäudemanagement tätig ist. Zum 1. August 2026 sucht die Gesellschaft einen neuen Pächter für das Forum in Melle-Mitte, die Genusswerkstatt hat zum 31. Juli gekündigt.
Das Pachtobjekt umfasst die Bewirtschaftung der Säle und des Foyers. Der künftige Pächter übernimmt exklusiv die Bewirtung sämtlicher Veranstaltungen. Dafür können die voll ausgestattete Küche sowie die Thekenbereiche genutzt werden. Darüber hinaus stehen die Räumlichkeiten und die gastronomische Infrastruktur auch für Angebote außer Haus zur Verfügung, heißt es in einer Mitteilung der Stadt.
Das Catering im Forum Melle ist zum August 2026 neu ausgeschrieben worden.
Archivfoto: Denise Matthey
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Das Forum gibt es seit 1996, es fasst bis zu 600 Besucher. Dort finden alljährlich mehr als 100 Veranstaltungen statt. 2023 waren es 106, wie Melles Mediensprecher Jürgen Krämer auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt. Für 2024 stehen 102 Events zu Buche, 2025 waren es 111.
Wir haben bei der Stadt nachgefragt, welcher Art die Veranstaltungen sind. 2025 verteilte sich das wie folgt:
- Konzerte: 7
- Theater/Puppentheater: 16
- Lesungen: 6
- Tagungen/Seminare: 30
- Politische Sitzungen: 30
- Feiern/Bälle: 11
- Messen/Ausstellungen: 7
- Sonstiges: 4
Die GOP Catering GmbH & Co. KG mit Sitz in Bielefeld hatte den Service im Forum zum 1. August 2020 übernommen – während der Corona-Pandemie. Die Gesellschaft gehört zum Unternehmen GOP, das Theater in acht deutschen Städten betreibt, darunter Bad Oeynhausen, Münster, Bremen und München. Die Genusswerkstatt wiederum ist in Löhne (Restaurant neunzehn’86), zweimal in Bückeburg (Lilly’s Eventlocation und Schloss Bückeburg) sowie Rödinghausen (Gut Böckel) exklusiv als Caterer tätig sowie an anderen Standorten mit weiteren Anbietern. Außerdem gehört „klassisches Firmencatering“ zum Portfolio, erläutert Geschäftsführer Olaf Stegmann im Gespräch mit unserer Redaktion.
Deshalb zieht die Genusswerkstatt by GOP sich aus Melle zurück
Er verweist auf mehrere Gründe, warum die Genusswerkstatt sich aus Melle zurückzieht. Demzufolge habe es im Oktober 2025 ein Gespräch mit der Stadt beziehungsweise der Wirtschaftsbetriebe Melle GmbH gegeben, in dem es darum ging, „dass wir unser Engagement in dieser Konstellation der vertraglichen Gegebenheiten nicht mehr fortsetzen und Alternativvorschläge machen wollen“. Ein schriftliches Angebot wurde Stegmann zufolge Ende November unterbreitet: „Wir haben da mit offenen Karten gespielt und unsere Umsätze und Kostenstrukturen offengelegt.“
Die erste Buchmesse im Forum Melle: Was Besucher wissen müssen
Allerdings sei das für eine Entscheidung durch die Kommunalpolitik noch 2025 zu spät gewesen, und weil der Vertrag spätestens zum 30. Januar 2026 gekündigt werden musste, damit er sich nicht verlängert, „haben wir das am 23. Januar vorsorglich gemacht, aber auch geschrieben, dass wir unser Angebot aufrechterhalten.“ Die Politik habe jedoch entschieden, einen neuen Caterer zu suchen, „was ja auch ihr gutes Recht ist. Die Stadt muss tun, was für sie am besten ist“, so Stegmann.
Die Gründe dafür, dass das Geschäft nicht auskömmlich war, sind vielschichtig, erläutert der Geschäftsführer. Neben gelernten Kräften setzt die Genusswerkstatt Schüler und Studenten ein. Der Mindestlohn ist aber seit 2020 um 49 Prozent erhöht worden (von 9,35 auf 13,90 Euro) und wird zum Januar 2027 auf 14,60 Euro steigen.
Hinzu kämen Kostensteigerungen bei Lebensmitteln und Getränken, alles in allem sei die Gewinnmarge damit um sechs Prozent gesunken, „und in der Cateringbranche muss man mit zehn Prozent schon happy sein“, so Stegmann.
Anfang April 2026 war Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul im Forum Melle zu Gast.
Archivfoto: Jannik Sommerfeld
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Die ersten Melle-Jahre waren wegen der Corona-Pandemie ab 2020 ohnehin schwierig, zuletzt kam ein Umsatzrückgang hinzu, den Stegmann für die Geschäftsjahre 2023/24 und 2024/25 mit 20 Prozent beziffert. „Wenn Firmen Kräfte abbauen, kommen auch weniger Gäste zu Weihnachtsfeiern. Ob 450 oder 350 Gäste kommen, macht sich natürlich bemerkbar. Und früher gab es zwei Abschlussbälle mit je über 300 Gästen, die zu einer Veranstaltung mit 450 Menschen zusammengedampft wurden.“
Zwei weitere Punkte, die eine zukunftsträchtige Perspektive aus Sicht der Genusswerkstatt nicht unterstützen: Der Parkplatz vor dem Forum ist weggefallen (weil dort gebaut wird) und das Gebäude komme überdies in die Jahre.
Es geht nicht um die Pachtsumme
In anderen Kommunen sei es zudem üblich, dass die Stadt sich um die Vermarktung ihrer Eventlocations kümmert; Stegmann nennt Bünde, Delbrück und Rietberg. In Melle sei das anders, dort werde explizit darauf verwiesen, dass lediglich Termine verwaltet würden. „Aber als Caterer können wir eine komplette Vermarktung nicht stemmen.“
Und schließlich habe sich das Gästeverhalten geändert: „Wenn früher jemand 50 wurde, hat er eine Feier veranstaltet, heute bucht der eine Kreuzfahrt. Da können wir nichts dafür, da kann die Stadt nichts dafür. Und wenn öffentliche Gelder knapper werden und man dann erst mal die Schule saniert, habe ich dafür auch Verständnis.“
Unter dem Strich sei die „Summe der negativen Fakten und Perspektiven“ der Grund für die Kündigung, die nur „durch eine Kostenentlastung oder Systemumstellung“ hätte verhindert werden können, sagt Olaf Stegmann. Zum Beispiel, indem die Genusswerkstatt das Forum nicht mehr ganzjährig betreibt, „sondern wir als Eventcaterer da reingehen.“ Schließlich liefen die Energie-Nebenkosten weiter, auch wenn keine Veranstaltungen stattfinden: „Es ist nicht die Pacht, die uns zu schaffen macht.“
Und was ist, wenn nicht sofort ein Caterer für das Forum gefunden wird?
Die Ausschreibung für die Neuvergabe des Caterings läuft bis zum 5. Mai 2026. Gesucht wird ein „engagierter Nachfolger, der mit Gastfreundschaft, Organisationstalent und Freude an der Bewirtung unterschiedlichster Veranstaltungen das Forum Melle weiterführt“, so die Stadtverwaltung.
Sollte sich kein fließender Übergang ergeben, sprich: nicht rechtzeitig zum 1. August 2026 ein geeigneter Partner gefunden werden, könnten trotzdem Veranstaltungen stattfinden. Jürgen Krämer: „Veranstalter haben die Möglichkeit, gemeinsam mit einem Gastronomiebetrieb ihrer Wahl zu arbeiten. Bereits gebuchte Veranstalter wurden über die Situation informiert und auf diese Möglichkeit hingewiesen. Unser Ziel bleibt es, auch künftig einen verlässlichen gastronomischen Service im Forum Melle anzubieten.“