Ennio ist ein deutscher Singer-Songwriter aus München, der sich in der Indie- und Pop-Szene einen Namen gemacht hat. Geboren 1999, startete er seine musikalische Karriere zunächst unter dem Namen Emotional Club, bevor er seit 2021 als Ennio deutschsprachige Songs veröffentlicht.
Mit seinem aktuellen Album „Haifischbecken“ geht Ennio bewusst neue Wege: Die LP erschien am 8. April nicht auf Streamingplattformen, sondern ausschließlich als physisches Produkt – gespeichert auf einem NFC-Chip, erhältlich über seinen Online-Shop und bei seinen Konzerten. Im Rahmen seiner Tour macht er am 2. und 3. Mai auch in Stuttgart Halt und tritt im Wizemann auf. Wir sprachen mit dem Sänger vorab.
Gestern Münster, heute Hannover: Wie läuft die Tour bisher?
Es läuft wirklich super, ich bin echt hin und weg. Dieses direkte Feedback für die neuen Songs ist toll.
Dein neues Album „Haifischbecken“ wurde ja nicht auf den üblichen Streamingplattformen veröffentlicht, sondern auf einem kleinen NFC-Chip, den man in deinem Online-Shop oder auf Tour kaufen kann. Warum hast du diesen Weg gewählt?
Ich habe im Songwriting-Prozess für das neue Album gemerkt, dass ich super persönliche und teils unkonventionelle Songs geschrieben habe, die zum Beispiel eigentlich viel zu lang waren für Streamingplattformen. Sie zu kürzen, hat die Musik aber nicht besser gemacht und dann dachte ich mir: Das kann ja nicht sein. Ich mache doch keine Musik für Plattformen oder irgendeinen Algorithmus, sondern für meine Community. Deswegen habe ich mich dann für diesen anderen Weg entschieden. Auf den NFC-Chip kann ich auch nachträglich immer wieder neue Song-Schnipsel hochladen und habe so einen direkten Weg geschaffen, um mit meinen Fans zu kommunizieren.
Nach 11 Minuten waren die ersten 5000 Stück ausverkauft. Hast du mit so einem Feedback gerechnet?
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so gut ankommt. Echt ein Traum.
In einem Video zum neuen Album sagst du „Zahlen sind nicht relevant für mich“. Das ist aber schon auch eine privilegierte Einstellung, oder?
Ja, absolut. Aber bei dem Projekt geht es gar nicht unbedingt darum, sich gegen Streaminganbieter zu stellen, sondern einen Schritt auf meine Community zuzugehen. Die Streaminganbieter haben viel für die Musikszene gemacht, in Zeiten, in denen viel illegal gedownloaded wurde, zum Beispiel über Napster.
Werden alle deine zukünftigen Alben nicht mehr bei Spotify und Co. erscheinen?
Ich werde auf jeden Fall irgendwann wieder etwas im Streaming releasen, da bin ich mir sicher. Wann genau, weiß ich noch nicht. Bis vor einer Woche wusste ich ja selbst nicht, ob die NFC-Chips klappen. Deswegen: let’s see.
Das Geld, das du durch das neue Album einnimmst, spendest du komplett.
Genau. Ich möchte Musikinstrumente an Schulen spenden, um die Message vom Album zu unterstreichen. Die ist letztendlich: Macht euer eigenes Ding und lasst euch nicht von eurem Umfeld einreden, dass ihr das nicht könnt. Man muss an sich und seine Träume glauben. Hintergrund ist, dass ich mal eine Lehrerin hatte, die zu mir sagte, dass ich niemals Sänger werden würde.
In „Dankbar“ singst du, dass du unter anderem für deine Freunde dankbar bist, „2 Teile“ ist deinen Eltern gewidmet und „Isar“ ist eine Hommage an die Isar bzw. an München. Hört man da Heimweh heraus?
Ja, bestimmt. Ich bin auf jeden Fall sehr heimatverbunden. Ich bin in München aufgewachsen und lebe da auch immer noch und habe da alle meine sozialen Kontakte – Familie, Freunde. Und ich finde es wahnsinnig schön, gerade nach einer Tour wieder nach Hause zu kommen.
Hast du einen Tipp, wenn man im Sommer nach München fährt? Wo ist der coolste Spot?
Holt euch ein Fahrrad, fahrt einfach an der Isar entlang und bleibt da stehen, wo es euch am besten gefällt.
Du kommst mit deiner Haifischbecken-Tour gleich zweimal nach Stuttgart und spielst am 2. und 3. Mai im Wizemann. Wie gefällt dir Stuttgart?
Ich war schon öfter in Stuttgart und bin großer Fan. Ihr habt auch einen Marienplatz wie in München, das finde ich lustig.
Was verbindest du mit der Stadt?
2023 haben wir auch schon einmal im Wizemann gespielt, das war um die Weihnachtszeit herum. Da hatte die ganze Crew einen Tag frei und wir sind zusammen auf den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt gegangen. Seitdem verbinde ich Stuttgart irgendwie immer mit diesem Weihnachtsmarkt, weil das so ein schöner, entspannter Tag war.
Hast du schon einen Plan, was du in der Stadt unternehmen willst, wenn du zwei Tage da bist?
Ich lebe da ehrlich gesagt ziemlich in den Tag hinein, mal schauen.
In der Zeit ist bei uns das Frühlingsfest…
Ich glaube, das sollte ich lieber vermeiden, das ist nicht gut für die Stimme.
Der Text erschien erstmals am 22. April 2026.