Fehlende Kitaplätze waren lange ein Problem in Stuttgart. Für die Planung sind allen voran die Geburtenraten entscheidend – und diese sind über die Jahre gesunken.
Tagesmütter in Stuttgart schlagen Alarm, weil sie angesichts sinkender Nachfrage um ihre Existenz fürchten – doch für Eltern könnte sich die Lage zugleich entspannen: Die Suche nach einem Betreuungsplatz könnte künftig einfacher werden. Die Gründe sehen Tagesmütter darin, dass Frauen weniger Kinder bekommen, die Einwohnerzahl Stuttgarts schrumpft, aber auch weil die Stadt massiv in den Ausbau von Kitas investiert hat. Diese Faktoren spielen neben vielen weiteren eine zentrale Rolle in der Bedarfsplanung für Kitaplätze in Stuttgart.
Eine Glaskugel haben auch die Planer nicht – doch ein Blick in die wichtigsten Zahlen zeigt: Die Zahl der Kinder bleibt stabil, die Geburtenrate sinkt seit den 2000er-Jahren, die Bevölkerung könnte insgesamt schrumpfen und die Versorgung mit Kitaplätzen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.
Grund 1: Anzahl der Kinder unter und über drei Jahren wird konstant bleiben
Die Anzahl der Kinder unter drei Jahren ist dem letzten Kitajahresbericht der Stadt Stuttgart zufolge seit 2019 gesunken, von 18.400 Kindern im Jahr 2019 auf 16.300 im Jahr 2024. Verantwortlich dafür sind sowohl die sinkende Geburtenrate als auch die Abwanderung junger Erwachsener aus Stuttgart. Zuvor stieg die Anzahl der Kinder von 2014 bis 2019 an – wobei auch die Migrationsbewegung ab 2015 eine Rolle gespielt haben dürfte.
Prognosen des Statistischen Amts der Stadt zeigen, dass die Zahl der unter Dreijährigen noch bis 2026 ansteigt, danach bleibt sie erst einmal stabil. Das liegt daran, dass das Statistische Amt für die Prognose ab 2027 von einer konstanten Geburtenrate ausgegangen ist, die auf den geburtenstärkeren Jahren 2017 bis 2022 basiert. Wie sich die Geburtenrate in Zukunft allerdings tatsächlich entwickelt, ist noch offen, sagt ein Sprecher.
Der Trend zeigt sich bei den Drei- bis Sechsjährigen zeitverzögert: Die Zahl der über Dreijährigen hingegen soll 2026 und 2027 weiter sinken, bevor dann 2029 ein Anstieg erwartet wird – wenn die bald unter Dreijährigen älter werden. „Bis etwa 2030 wird die Anzahl der Drei- bis Sechsjährigen noch von den geburtenstarken Jahrgängen 2019 bis 2021 geprägt“, so der Sprecher des Statistischen Amtes. Da künftig schwächer besetzte Jahrgänge nachrücken, wird diese Altersgruppe insgesamt tendenziell kleiner.
Grund 2: Frauen bekommen immer weniger Kinder
Während die Prognose der Kinderzahlen von einer konstanten Geburtenrate ausgeht, ist sie in den vergangenen Jahren in der Realität sogar gesunken. Dafür betrachtet man die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau statistisch über ihr gesamtes Leben bekommt. Während dieser Wert 1990 noch bei rund 1,3 Kindern pro Frau lag, betrug die Geburtenziffer 2024 zuletzt nur noch etwa 1,1 Kinder pro Frau – wie auch die folgende Grafik zeigt:
Von 2010 bis 2021 war diese Geburtenziffer immer wieder angestiegen – 2021 lagen beide auf dem höchsten Wert seit 1975. „Vielfach wird davon ausgegangen, dass der Anstieg der 2010er Jahre bedingt war durch verbesserte Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern sowie die hohe Zuwanderung“, erklärt ein Sprecher des Statistischen Amts.
Über den zuletzt zu beobachtenden Rückgang werde viel spekuliert, sagt er. Klare Erkenntnisse zu den Gründen liegen allerdings bisher nicht vor. Die Geburtenrate aus Stuttgart verhalte sich jedenfalls ähnlich wie die aus anderen großen Städten ebenso wie der aus Baden-Württembergisch und Deutschland insgesamt. Bundesweit war die Zahl der Geburten im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken, wie das Statistische Amt zuletzt berichtete.
Grund 3: Die Stuttgarter Bevölkerung könnte bis 2040 schrumpfen
Die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamts aus 2024 liefert einen Eindruck, wie viele Menschen bis 2040 in Stuttgart leben werden. Dabei wird unterschieden, ob ein niedriger, moderater oder höherer Zuzug aus dem Ausland angenommen wird.
Welche dieser Annahmen am wahrscheinlichsten eintrifft, dazu gebe es unterschiedliche Einschätzungen, sagt der Sprecher des Statistischen Amts. „Momentan liegt die reale Entwicklung der Gesamteinwohnerzahl unterhalb der Variante mit niedrigem Zuzug. Das könnte sich in Zukunft aber wieder ändern und im Durchschnitt über die Gesamtzeitraum wieder ausgleichen.“
Die folgende Grafik zeigt die drei Szenarien sowie die letzten Einwohnerzahlen:
Der Sprecher fügt hinzu, dass sich die Wanderungsbewegungen auch auf die Kinderzahlen auswirken: einerseits durch die Anzahl der potenziellen Mütter, durch deren gegebenenfalls andere Geburtenrate sowie die Zu- und Abwanderung von Kindern selbst.
Dass die Stuttgarter Bevölkerung zuletzt geschrumpft ist, zeigt auch die Einwohnerstatistik der Stadt Stuttgart – wonach Stuttgart im Jahr 2018 noch mehr als 630.000 Einwohner zählte, Ende 2025 waren es noch rund 606.000.
Grund 4: Mehr Kinder bekommen Kita- und Kindergartenplätze
Ein weiterer Grund für die weiterhin gute Versorgung in Sachen Kitaplätzen ist der Versorgungsgrad: Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Kita- und Kindergartenkinder zu den verfügbaren Plätzen hat sich über die Jahre immer mehr verbessert. Das geht aus dem Kitajahresbericht der Stadt Stuttgart hervor. Und das bedeutet, theoretisch könnten 57 Prozent aller Unter-Dreijährigen einen Kitaplatz haben, vor zehn Jahren waren es noch 43 Prozent. Für Kindergartenkinder ab drei Jahren gibt es seit mehreren Jahren bereits ausreichend Plätze.
In der Praxis steht diese Kapazität jedoch nicht vollständig zur Verfügung. Gründe dafür sind unter anderem fehlendes Personal, Sanierungen oder laufende Bauvorhaben. Auch deshalb bleibt die tatsächliche Versorgung je nach Stadtteil unterschiedlich. Laut Kitajahresbericht 2024 fehlen in den Bezirken Ost und West jeweils über 100 Plätze, in Degerloch und Möhringen unter anderem zwischen 50 und 100 Plätze.
In elf weiteren Bezirken gibt es keinen Fehlbedarf – was sich mit den Erfahrungen des Jugendamts-Sprecher deckt: „In manchen Stadtteilen sinkt die Nachfrage nach Kitaplätzen bereits.“ Dort könnten Familien wieder zwischen verschiedenen Angeboten wählen – während die Situation in anderen Stadtteilen weiterhin angespannt bleibe.