Wenn beim Oktoberfest in München der dort amtierende Oberbürgermeister das erste Fass speziell gebrautes Oktoberfestbier anzapft, ist meist der bayerische Ministerpräsident dabei und nahezu die ganze partyverrückte Szene der Republik blickt in die bajuwarische Hauptstadt. Wenn aber das erste Fass für das Jahresfest des St. Hubertus – St. Sebastianus Schützenvereins Vennhausen angezapft wird, ist das eine total vereinsinterne Angelegenheit. Der Chef der Schützen, Herbert Koch, legt selbst Hand an und drückt den Messinghahn ins Zapfloch und befüllt die ersten Gläser für seine Schützenkameraden.
In München ist auch alles viel größer, das Fass, die überregionale Bedeutung, der Rummel auf dem Festplatz. Und doch kommt dem Stadtteilschützenfest zumindest für die NRW-Landeshauptstadt eine herausragende Bedeutung zu, ist es doch die allererste mehrtägige Feier im alljährlichen Schützenfest-Kalender. „Wir in Vennhausen sind traditionell die Nummer eins und das wird auch so bleiben“, sagt Koch. Offiziell geht das Jahresfest der Vennhauser Schützen vom 1. bis einschließlich 4. Mai.
Inoffiziell aber begann alles bereits am 30. April mit einem Tanz in den Mai im Festzelt auf dem Schützenplatz an der Höherhofstraße. Dafür zeichneten allerdings nicht die Sebastianer, sondern der Festzelt-Wirt mit seiner Wüsthoff Event-Agentur verantwortlich. So also standen neben DJ Ralle auch die „Großstadt Engel“ und Olaf Henning auf der Bühne. Spätestens als Myriam Koudsi und Chris Gehtmann ihren Party-Knaller „Gute Laune“ performten, gab es kein Halten mehr. „Es war ein ausgelassener, friedlicher und entspannter Abend mit toller Stimmung“, erklärt Koch. „Das Zelt war mit 300 Leuten auch fast voll.“
So eingestimmt machten die Schützen mit ihrem Programm einfach so weiter. Schlagersängerin Christina May rockte das Festzelt am 1. Mai, die Wohnzimmerband tat Gleiches am 2. Mai und von Ina Colada wurde erwartet, dass sie am Sonntagabend mit so einigen persönlich vorgetragenen Ballermann-Hits Vennhausen erbeben lässt.
Dass die Wohnzimmerband einen Abend bestreitet, ist eine Selbstverständlichkeit, hat sie doch ihren Proberaum auf dem Gelände der Vennhausener Schützen. „Seit Kurzem sind die Bandmitglieder auch bei uns im Schützenverein“, sagt Koch. „Die Freundschaft hat sich in den letzten Jahren entwickelt und sie haben ja auch nicht zum ersten Mal bei uns im Festzelt gespielt.“ Mit den Neumitgliedern aus der Band kommt der St. Hubertus – St. Sebastianus Schützenverein Vennhausen auf 72 Mitglieder.
Die Vennhausener Schützen setzen auch auf eine Kooperation mit einem anderen Brauchtumsverein. „Seit August letzten Jahres arbeiten wir mit der Karnevalsgesellschaft Funken-Artillerie Rot-Wiss zusammen“, so Koch. „Sie kommen mit 16 Tänzerinnen ihrer TSC Rhein-Stars am Sonntag ins Festzelt. Und sie sind auch am Sonntag bei unserem Schützenumzug mitgelaufen.“
Die Kooperation des Sommer- mit dem Winterbrauchtum freut die Bürgermeisterin des Stadtbezirks 8 (Eller, Lierenfeld, Vennhausen, Unterbach). „Vereine bieten den Menschen eine Gemeinschaft, Zusammenhalt, vermitteln ein Zugehörigkeitsgefühl, bieten Heimat“, meint Dagmar von Dahlen. „Das braucht die Gesellschaft, in der vieles auseinanderdriftet, heutzutage ganz besonders.“
Bei den Schützen in Vennhausen wird niemand zum Griff nach der Waffe gezwungen. So verzichteten die Neumitglieder aus den Reihen der Wohnzimmerband darauf, beim Königsschießen anzutreten. Bei dem Wettbewerb, wer auf Marcus Güldenmeister, den König des Vennhausener Schützenjahres 2025/26, folgt, setzte sich Christian Marks durch. Kein Unbekannter im Schützenverein, steht der neue König doch als Oberst in der Schützenhierarchie weit oben. Mit Klaus Jordan hat das Regiment einen neuen Major in seinen Reihen, der Marks in seinen organisatorischen Schützenaufgaben entlastet. „Unser König muss nur die Zeit aufbringen, die das Amt mit sich bringt“, erläutert der Chef. „Finanziell ist es keine Belastung. Außer er möchte seinen Kameraden mal ‘ne Runde oder zwei spendieren.“