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Grevenbroich (NRW) – Der Frühling bringt am Donnerstag sanfte Sonnenstrahlen an den Niederrhein nach Grevenbroich. Über einen kleinen Trampelpfad laufen sechs Freunde durch das grüne Dickicht bis ans Ufer des Flüsschens Erft. Die fröhliche Clique ahnt nicht, welche furchtbare Tragödie sich kurze Zeit später abspielen wird.

Die Stimmung unter den Teenagern ist ausgelassen, als sie die Böschung erreichen. Vor dem langen Maifeiertags-Wochenende wollen die Jugendlichen Videos für TikTok drehen. Der versteckte Ort am stillgelegten Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf (Nordrhein-Westfalen) zieht immer wieder Sprayer und Teenager an. Am Ufer sind sie unbeobachtet. Vögel zwitschern in den Bäumen, Libellen fliegen sirrend über das Wasser.

Die Unglücksstelle an der Erft. Hier fiel die junge Schülerin ins Wasser und tauchte nicht wieder auf

Die Unglücksstelle an der Erft. Hier fiel die junge Schülerin ins Wasser und tauchte nicht wieder auf

Foto: ALEX TALASH

Beatrice verschwindet im trüben Wasser der Erft

Beatrice (16) sitzt fröhlich auf den Schultern eines Freundes. So erzählen es Augenzeugen. Doch der Junge verliert nach BILD-Informationen plötzlich das Gleichgewicht, beide fallen in die Erft – mit fatalen Folgen: Beatrice, die aus Rumänien stammt und nie schwimmen gelernt hat, versinkt vor den Augen ihrer Freunde im trüben Wasser. Sie taucht nicht wieder auf. Panisch wählen ihre Freunde den Notruf. Fieberhaft suchen siebzig Retter, darunter Wasserwacht und Taucher, nach dem Mädchen. Erst rund zwei Stunden später finden sie die 16-Jährige im Fluss. Beatrice ist in der Erft ertrunken.

Am Tag darauf liegt die Unglücksstelle immer noch frühlingshaft heiter im Sonnenschein. Aber es liegt tiefe Trauer über ihr. Beatrices Angehörige sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Sie wollen sehen, wo Beatrice starb.

Blumen an der Unglücksstelle erinnern an die beliebte Schülerin aus Grevenbroich

Blumen an der Unglücksstelle erinnern an die beliebte Schülerin aus Grevenbroich

Foto: ALEX TALASH

Die Familie aus Rumänien legt einen Blumenstrauß mit einem bunten Schmetterling an die Ufermauer, zündet Kerzen an. Tränen laufen über die Gesichter der Trauernden, ihre Augen sind voller Schmerz. Sie liegen sich in den Armen, versuchen, einander Halt und Trost zu geben.

Vater springt weinend in den Fluss

Doch für Beatrices Vater gibt es den nicht. Die BILD-Reporter werden Zeugen einer erschütternden Szene: Überwältigt vom Schmerz über den Verlust seiner geliebten Tochter, springt er unvermittelt in den Fluss. Angehörige ziehen den weinenden Mann zurück ans Ufer, eine Frau bricht unter Tränen zusammen. Niemand spricht. Nur Vögel zwitschern und immer noch sirren die Libellen.

Angehörige stützen sich gegenseitig, als sie am Freitag die Unglücksstelle wieder verlassen

Angehörige stützen sich gegenseitig, als sie am Freitag die Unglücksstelle wieder verlassen

Foto: Sebastian Prengel

Als sich die Mutter wieder gefasst hat, gibt sie den BILD-Reportern ein Foto ihrer Tochter: „Beatrice war ein freundliches, liebevolles Mädchen“, sagt sie mit stockender Stimme. Auf die Frage, warum ihre Tochter nicht schwimmen konnte, antwortet sie nicht. Wieder laufen Tränen über ihre Wangen: „Sie war am liebsten draußen mit ihren Freunden. Das hat jetzt dieses Ende gebracht.“ Arm in Arm verlässt die Familie das Ufer der Erft. Sonnenstrahlen trocknen langsam die Kleidung des Vaters. Der tiefe Schmerz bleibt.

Weitere Leiche in Erft bei Grevenbroich

Nur zwei Tage nach dem tödlichen Badeunfall hat die Grevenbroicher Feuerwehr erneut einen Leichnam aus der Erft geborgen. Zuvor machte ein Paddler die schlimme Entdeckung und wählte den Notruf. Laut einen Feuerwehrsprecher handelt es sich um einen Mann, der wohl schon länger tot im Wasser trieb. Ein Zusammenhang mit der ertrunkenen Beatrice bestünde aber ausdrücklich nicht.

In einer seelischen Krise? Hier bekommen Sie umgehend Hilfe. Wenn Sie depressiv sind oder an Suizid denken: Holen Sie sich bitte Unterstützung. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222. Die Beraterinnen und Berater helfen Ihnen, Auswege aus schwierigen Situationen aufzuzeigen. Im Notfall wenden Sie sich bitte an die Feuerwehr (112) oder den Polizei-Notruf (110).