
Unions Abwehr um Danilho Doekhi (l.) sah gegen Köln mit Torschütze Marius Bülter oft nicht gut aus.
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Aller guten Dinge sind auch in Köpenick drei: Zwei Spiele brauchte Marie-Louise Eta mit den Fußballern des 1. FC Union Berlin, um als erste Trainerin der Bundesliga-Geschichte dort auch wirklich anzukommen. Im dritten Anlauf gelang der erste Erfolg. Auch am Sonnabend gab es für das 2:2 (0:1)-Unentschieden gegen den 1. FC Köln nur einen Punkt, aber Zählbares ist im engen Abstiegskampf viel wert, zumal ein direkter Konkurrent auf Abstand gehalten werden konnte. So befreiend der Jubel in der Alten Försterei nach dem Abpfiff dann auch war, bis zum Klassenerhalt bleiben der 34-Jährigen und ihrem Team noch viel Arbeit.
Die vergangenen vier Partien zeigen, wie schlecht es um Union Berlin steht. 15 Spiele hintereinander konnte der 1. FC Heidenheim nicht gewinnen, kassierte in diesen traurigen vier Monaten zehn Niederlagen und insgesamt 35 Gegentreffer. Dann kam das 3:1 gegen die Köpenicker, was wiederum die einjährige Beziehung zwischen Steffen Baumgart und Union beendete. Der Trainer wirkte selten souverän, der Verein merkwürdig gebremst – und das Spiel meist gequält.
Mit Eta nicht besser
Es folgte Eta, besser wurde es unter der Cheftrainerin nicht. Gegner in ihrer historischen ersten Bundesligapartie war der VfL Wolfsburg, der mit einer Serie von zwölf sieglosen Spielen, darunter neun Niederlagen, nach Berlin gekommen war – und die Alte Försterei als jubelnder Sieger verließ. Dem ernüchternden Debüt folgte ein 1:3 in Leipzig, was Unions Trainerin angesichts der Stärke des Gegners nutzte, um hervorzuheben, dass sie bei ihrem Team »positive Dinge« entdeckt habe.
Gegen Köln wollte Eta nun endlich »die Chance vor eigenen Publikum nutzen, einen großen Schritt zu machen«. Über die Unterstützung der Fans im Kampf um den Klassenerhalt konnten sich Trainerin und Team in Köpenick wie immer verlassen: Früher als sonst waren die 22 000 Plätze in der Alten Försterei voll – und lauter die Anfeuerungen. Auf dem Platz folgte dann erst mal nichts Positives: Nachdem Union druckvoller begonnen hatte, aber aufgrund der altbekannten Abschlussschwäche zwei Chancen von Mittelfeldspieler Aljoscha Kemlein und eine weitere von Linksverteidiger Tom Rothe nicht nutzen konnte, kam der Schock: Der ehemalige Unioner Marius Bülter traf nach 33 Minuten zur Führung für den 1. FC Köln.
Glück vor dem Pausenpfiff
Wenn selbst die einst so verlässliche Defensive der Berliner auseinanderfällt, ja dann wird es schwer. Beim 0:1 ließ sich die von Eta umgebaute Fünferkette – ohne Abwehrchef Leopold Querfeld und Kapitän Christopher Trimmel – derart düpieren, dass Bülter in zentraler Position genug Zeit hatte, sich die Ecke auszusuchen und den Ball im oberen linken Eck platzieren. Nur wenig später liefen die Kölner gar in Überzahl auf das Tor von Union zu – zweimal konnten die Gastgeber nur mit Glück verhindern, dass der Ball erneut im Netz landete.
An dem Bild, dass die Kölner souveräner und planvoller auftraten, änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nichts. Schon in der 50. Minute hätte das 0:2 fallen können, aber Jakub Kaminski verpasste die Hereingabe von Said El Mala freistehend nur knapp. Elf Minuten später war es dann so weit: El Mala, der auffälligste Spieler an diesem sommerwarmen Nachmittag, traf aus kurzer Distanz.
Nachdem Unions Trainerin Eta kurz vor dem zweiten Gegentreffer dreimal gewechselt hatte, änderte sie danach die bis dahin mit nur zwei sehr Offensivspielern doch sehr defensive Grundausrichtung ihres Teams, stellte in der Abwehr auf eine Viererkette um und verstärkte mit Tim Skarke das Angriffsspiel. Es half: Erst erzielte Rothe in der 73. Minute per Kopf nach einem Eckball den Anschlusstreffer, zum umjubelten Ausgleich traf der eingewechselte Livian Burcu nach starker Einzelleistung in der 89. Minute. So teilten sich am Ende die Köpenicker und die Kölner die Punkte im Kellerduell. Beide können damit halbwegs gut leben, gejubelt wurde angesichts des Spielverlaufs aber nur auf Berliner Seite.
Mit Angst ins Saisonfinale
»Aufwachen!« Die Angst vor dem Abstieg, die in der Alten Försterei in den Rufen der Fans nicht zu überhören war, begleitet Union beim Blick auf die Spiele der Konkurrenten am Sonntag sowie das eigene Restprogramm weiterhin: auswärts in Mainz und zum Abschluss in der Alten Försterei gegen Augsburg. Es sind die Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte, in denen Union so große Schwierigkeiten hat. Nimmt man noch das 1:1 im Heimspiel Anfang April gegen St. Pauli dazu, dann haben die Köpenicker aus den letzten vier Spielen gegen Gegner, die in der Tabelle hinter ihnen stehen, nur zwei Punkte geholt.
Solch eine Bilanz spricht für deutliche spielerische Schwächen. Unter Steffen Baumgart war der Fußball in Köpenick nie wirklich besser, nur die Punktausbeute. Die für viele sichtbare Gefahr, die hinter den Zahlen lauerte, erkannte der Verein anscheinend nicht, als er den Vertrag des Trainers noch im Januar verlängerte. Immerhin standen nach Baumgarts Entlassung weniger die vielen Probleme des 1. FC Union Berlin im Mittelpunkt. Vielmehr wurde der Verein dafür gefeiert, die erste Frau in der Bundesliga der Männer an die Seitenlinie gestellt zu haben.
Sieben Trainer in drei Jahren
Die grundlegenden Probleme aber bleiben – und begleiten Union schon länger. Wie sehr der Verein auf der Suche ist, zeigt, dass nach den fünf Erfolgsjahren mit Urs Fischer im Sommer dann der siebte Coach in drei Jahren, Interimslösungen wie Eta mitgerechnet, sein Glück versuchen wird. Die Trainerin soll ja bekanntlich zur kommenden Saison Unions Fußballerinnen übernehmen. So wurde es kommuniziert. Und so betonte es jüngst auch Präsident Dirk Zingler noch einmal. Dass Horst Heldt nahezu zeitgleich Gegenteiliges von sich gab, passt ins merkwürdige Bild, das der Verein derzeit abgibt. Der Geschäftsführer Sport ist als Nachfolger des Erfolgsmanagers Oliver Ruhnert ein entscheidender Teil davon: Sowohl in der Trainerfrage als auch bei der Zusammenstellung des Kaders hat er nicht immer die besten Entscheidungen getroffen. Aber jetzt gilt erst mal für alle beim 1. FC Union: Die Hoffnung stirbt auch in Köpenick zuletzt.