Wie stark haben sich die Flugpreise zuletzt verändert?
Die Preise sind massiv gestiegen und bleiben hoch. Bei separat gebuchten Flügen gibt es praktisch keine Last-Minute-Schnäppchen mehr. Die Airlines stehen unter enormem Kostendruck und geben das weiter. Die alte Logik funktioniert nicht mehr. Wer wartet, zahlt am Ende oft drauf. Deshalb gilt: Wenn ich einen Flug brauche und der Preis passt, sollte ich ihn buchen.
Fliegen wird nicht nur teurer, sondern auch komplizierter – warum?
Weil immer mehr Leistungen einzeln berechnet werden. Früher waren Gepäck oder Sitzplatz oft inklusive, heute kostet vieles extra – selbst in höheren Tarifen. Der Einstiegspreis wirkt dadurch oft noch moderat, aber am Ende wird es deutlich teurer. Der Flug wird also nicht nur teurer, sondern auch kleinteiliger. Man muss genau hinschauen, was wirklich enthalten ist.
Welche Rolle spielt die Verknappung von Flügen für die Preise?
Eine sehr große. Es geht nicht nur um Kerosin. Viele Airlines haben Verbindungen gestrichen oder Kapazitäten reduziert. Wenn weniger Flüge verfügbar sind, aber die Nachfrage da ist, steigen die Preise automatisch. Das ist ein klassischer Marktmechanismus. Und ein wichtiger Grund, warum Flüge aktuell so teuer sind.
Und bei Pauschalreisen?
Da sehen wir eine völlig andere Dynamik. Ich gehe fest davon aus, dass wir in diesem Sommer noch deutliche Preisbewegungen nach unten sehen werden. Der Markt ist aktuell unter Druck, und genau daraus entstehen Chancen für Kunden.
Wie ist die Situation bei Kreuzfahrten?
Kreuzfahrten sind ein eigener Markt. Viele Schiffe sind ausgebucht, und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten. Dadurch bleiben die Preise stabil hoch. Teilweise kommen sogar zusätzliche Treibstoffzuschläge dazu. Wer eine Kreuzfahrt plant, sollte früh buchen. Auf Last Minute würde ich hier nicht setzen.
Der Osnabrücker Reiseexperte André Bruns erklärt im noz-Interview, wann sich Buchen lohnt – und warum Geduld bei Pauschalreisen in diesem Sommer Vorteile bringen kann.
Archivfoto: Höhenflug Reisen
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Woran liegt diese unterschiedliche Entwicklung?
Das hat viel mit der Zeit nach Corona zu tun. Nach der Pandemie gab es einen enormen Nachfrage-Boom. Die Menschen wollten unbedingt wieder reisen, und die Branche hat davon stark profitiert. Wir hatten im vergangenen Jahr das beste Ergebnis unserer über 30-jährigen Geschichte.
Wie haben die Anbieter darauf reagiert?
Viele Hoteliers und Anbieter in den Urlaubsregionen haben die Preise in den vergangenen Jahren massiv angehoben. Teilweise ging das weit über das hinaus, was durch Inflation erklärbar wäre. Stammkunden haben gesehen, dass ihr Urlaub jedes Jahr um 1000 Euro teurer wird. Das ist irgendwann nicht mehr vermittelbar. Da wurde in Teilen einfach überzogen.
Ist jetzt die Grenze erreicht?
Ganz klar. Die Schmerzgrenze ist erreicht. Wenn ein Familienurlaub, der früher 5000 Euro gekostet hat, plötzlich bei 7000 Euro liegt, sagen viele: Das machen wir nicht mehr mit. Genau das sehen wir jetzt. Die Buchungszahlen sind bei den meisten Veranstaltern rückläufig, bei vielen sogar deutlich im Minus.
Was bedeutet das konkret für den Markt?
Der Druck ist enorm. Veranstalter müssen reagieren, weil sie ihre Kontingente füllen müssen. Und diesen Druck geben sie direkt an die Hoteliers weiter. Die Ansage ist klar: Mit den Preisen vom letzten Jahr bekommt ihr eure Betten nicht voll.
Wie reagieren die Hotels darauf?
Die Hotels stehen aktuell massiv unter Druck, weil sie merken, dass ihre Auslastung hinter den Erwartungen zurückbleibt. Nach den starken Jahren nach Corona haben viele ihre Preise sehr hoch angesetzt – teilweise deutlich über das hinaus, was die Kunden dauerhaft mitgehen. Jetzt sehen wir, dass diese Rechnung nicht mehr aufgeht. Wenn ein Hotel merkt, dass es Wochen vor Ferienbeginn noch viele freie Zimmer hat, muss es reagieren. Das passiert über Preisnachlässe, Zusatzleistungen oder attraktivere Pakete. Gleichzeitig erhöhen die Veranstalter den Druck. Am Ende bringt sich der Markt wieder ins Gleichgewicht. Die Übertreibungen der vergangenen Jahre werden korrigiert.
Heißt das: Es kommt wieder Bewegung in die Preise?
Ja, und zwar spürbar. Wir erleben gerade eine Phase der Neujustierung. Viele Kunden sind bei den aktuellen Preisen ausgestiegen oder zögern. Das zwingt die Anbieter zum Umdenken. Veranstalter und Hoteliers müssen ihre Angebote wieder attraktiver machen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir in den nächsten Wochen deutlich bessere Last-Minute-Angebote bei Pauschalreisen sehen werden.
Warum trifft der Kerosinpreis günstige Reisen stärker als teure Fernreisen?
Das ist eine Frage der Relation. Wenn eine Reise 800 Euro kostet und der Flug wird 100 Euro teurer, ist das ein enormer Aufschlag. Bei einer Fernreise für 5000 Euro fällt das kaum ins Gewicht. Deshalb sind günstige Badeurlaube prozentual deutlich stärker betroffen als hochwertige Fernreisen.
Können Pauschalreisen wegen der hohen Kerosinpreise auch nachträglich teurer werden?
Das ist möglich. In den Vertragsbedingungen der meisten Veranstalter gibt es Regelungen, die Preissteigerungen von bis zu acht Prozent erlauben, etwa wegen gestiegener Treibstoffkosten. Erst darüber haben Kunden ein Rücktrittsrecht. In der Praxis wird das aber sehr vorsichtig eingesetzt, weil die Veranstalter ihre Kunden nicht verlieren wollen.
Warum gewinnen Pauschalreisen gerade wieder an Bedeutung?
Weil sie Sicherheit bieten. Wenn ich Flug und Hotel einzeln buche und der Flug ausfällt, bleibe ich auf den Kosten sitzen. Bei einer Pauschalreise kümmert sich der Veranstalter um Alternativen. Gerade in unsicheren Zeiten ist das ein großer Vorteil.
Wie verändert sich das Buchungsverhalten der Kunden?
Viele passen sich an. Statt 14 Tagen buchen sie zum Beispiel nur noch 10 Tage, um im Budget zu bleiben. Andere wählen ein einfacheres Hotel oder verzichten auf Extras. Die Reiselust ist da, aber es wird genauer gerechnet.
Trotzdem lief das Geschäft zuletzt gut – wie passt das zusammen?
Wir hatten einen starken Frühbucher-Boom. Viele haben so früh gebucht wie noch nie. Deshalb stehen wir insgesamt noch gut da. Aber aktuell sehen wir eine klare Zurückhaltung bei neuen Buchungen. Das ist eher eine momentane Delle als ein genereller Einbruch.
Fassen Sie bitte noch einmal kurz zusammen: Worauf sollten Urlauber aus unserer Region in diesem Sommer besonders achten?
Die Urlauber aus unserer Region müssen unterscheiden. Flug: jetzt buchen! Pauschalreise: flexibel bleiben, da kann sich Warten lohnen. Kreuzfahrt: früh entscheiden! Es gibt nicht mehr die eine Strategie für alles. Wer das versteht, kann auch in diesem Sommer noch gute Entscheidungen treffen.