Eine Auszeit zum völlig falschen Moment gönnte sich Fußball-Oberligist VfR Neumünster. Die zuvor achtmal in Folge ungeschlagenen Rasensportler fanden ausgerechnet im Duell mit dem Tabellenzweiten Holstein Kiel II nicht annähernd zu Normalform und verloren vor 341 Zuschauern mit 0:6 (0:2). Es war die mit Abstand höchste Saisonniederlage der Lila-Weißen. Die bislang höchsten Pleiten in der Serie 25/26 hatte es beim SV Todesfelde sowie gegen Phönix Lübeck II gegeben (jeweils 1:4).
Die Neumünsteraner behaupteten aber dennoch ihren fünften Tabellenplatz und müssen nun zweimal binnen fünf Tagen gegen den auf Platz 3 rangierenden SV Eichede antreten. Am Mittwoch, 6. Mai, geht es ins Ernst-Wagener-Stadion (19 Uhr), ehe die Stormarner am Sonntag, 10. Mai, ihre Visitenkarte in der Grümmi-Arena abgeben (14 Uhr).
„Man hat heute zu 100 Prozent gemerkt, dass die englischen Wochen am Körper und am Kopf nagen. Wir haben uns körperlich nicht auf dem Niveau der Kieler bewegt“, konstatierte VfR-Trainer Danny Cornelius nach der Abreibung durch die Zweitliga-Reserve der KSV. „Wenn du dann eine so spiel- und sprintstarke, dazu noch flexibel agierende Mannschaft gegen dich hast, bist du halt in allen Punkten unterlegen“, bilanzierte der 41-Jährige. „Unsere Niederlage war auch in der Höhe vollkommen verdient“, wollte Cornelius nichts beschönigen. Gleichwohl betonte er: „Wir haben eine super Saison gespielt. Leider spiegelt das heutige Spiel diese nicht wider.“
Für die „Veilchen“ begann das Topspiel, in das eine Inklusions-Veranstaltung zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung eingebettet war, denkbar schlecht. Knapp 40 Sekunden waren absolviert, als Holsteins Leon Parduzi einen Steilpass seines Kapitäns Malte Petersen aufnahm und VfR-Torwart José Aguirre mit einem Schuss ins kurze Eck überwand. Die Rasensportler wirkten wie gelähmt, hatten kaum einmal die Möglichkeit, ihre gefährlichen langen Bälle zu spielen, und gerieten nach einer knappen Viertelstunde mit 0:2 in Rückstand, als Islam Matene durch die Reihen spazierte und sein Solo mit einem Schuss ins rechte Eck vollendete. Streng genommen war die Begegnung damit schon entschieden.
Denn den Lila-Weißen fehlten trotz der Rückkehr des zuletzt mit einem Hexenschuss ausgefallenen Jan Lippegaus schlichtweg die Mittel, um die von Petersen hervorragend organisierte Gästedefensive überraschen zu können. Erschwerend kam für die Hausherren hinzu, dass sie in der ersten Halbzeit mit mehreren Entscheidungen von Schiedsrichter Jan-Christian Meyer (Grün-Weiß Todenbüttel) ganz und gar nicht glücklich waren.
Holstein II hatte alles im Griff und ließ phasenweise einen Klassenunterschied erkennen. Die VfR-Fans setzten ihre Hoffnungen in den zweiten Durchgang und wurden bitter enttäuscht. Aldin Jakupovic, einziger Akteur in Kieler Reihen mit einem Hauch von Zweitliga-Erfahrung (fünf Einwechslungen in der laufenden Saison), sorgte mit einem Doppelpack endgültig für klare Verhältnisse (49., 59.). Während bei den Rasensportlern nach einem Vierfach-Wechsel in der 63. Minute rein gar nichts besser wurde, trugen sich auf der Gegenseite noch zwei hereingekommene Spieler in die Torschützenliste ein: Mätthi Meyer traf mühelos nach schöner Vorarbeit von Jorden Winter zum 0:5 (70.), bevor Oskar von Esebeck sogar noch das halbe Dutzend vollmachte (86.).
„Wir haben null Gegenwehr gezeigt, das war ein herber Dämpfer“, urteilte Cornelius, der aus dieser Partie „wirklich nichts Positives“ mitnehmen konnte. Immerhin fand er noch die Zeit für einen Klassiker der Fußball-Phrasen: „Lieber einmal 0:6 als sechsmal 0:1 verlieren.“
Für die nun folgenden Duelle mit Eichede, das Holsteins U23 am kommenden Mittwoch mit einem Sieg gegen den VfR vom zweiten Platz verdrängen kann, müssen die letzten Kräfte aufseiten der Lila-Weißen mobilisiert werden. „Eichede ist aufgrund seiner Kompaktheit sehr ekelhaft zu bespielen“, kommentierte Cornelius mit dem Wissen, dass die in dieser Saison in 27 Partien nur zweimal bezwungenen Stormarner eine ganz harte Nuss sind. „Aber sie kommen nicht über die Geschwindigkeit, mit der die Kieler uns heute begegnet sind“, fand der VfR-Coach noch einen Mutmacher.
Dieser Text wurde erstellt von:
Torben John
VfR Neumünster