Die finanzielle Lage der Stadt Esslingen ist dramatisch. So ist für das Jahr 2026 mit rund 36 Millionen Euro weniger Gewerbesteuern zu rechnen als angenommen. Zudem wurde Ende Februar bekannt, dass die Stadt Gewerbesteuer-Vorauszahlungen in Höhe von 24,4 Millionen Euro für das Jahr 2025 zurückzahlen muss. Nun hat die Verwaltungsspitze eine lange Liste mit gut 100 Sparmaßnahmen vorgestellt. 40 Millionen Euro sollen so jährlich zusammenkommen. Setzt die Stadt die richtigen Prioritäten? Die Bürgerinnen und Bürger diskutieren heftig über den geplanten Sparkurs.

In den sozialen Netzwerken wird der Stadt vorgeworfen, ihre finanziellen Probleme durch immer neue Einnahmen lösen zu wollen. Damit würden die Bürgerinnen und Bürger genauso wie die Unternehmen immer weiter belastet. Tatsächlich enthält die Vorschlagsliste der Stadt unter anderem höhere Grund- und Gewerbesteuersätze. Viele finden, dass die Esslinger Innenstadt unattraktiv geworden sei. Vor allem Besucher, die mit dem Auto kommen, würden durch hohe Parkgebühren abgeschreckt. „Macht das billiger, damit man wieder Spaß daran hat, in Esslingen etwas zu unternehmen und die lokalen Läden zu unterstützen“, schreibt etwa ein User.

Eine weitere Kritik lautet, dass Esslingen Unternehmen nicht ausreichend unterstützt und sie teilweise durch übertriebene Auflagen vertreibt. „Gewerbetreibende werden wie ein notwendiges Übel behandelt“, heißt es in einem Eintrag. „Es gibt keine Standortpolitik, die sich positiv auf die Gewerbeansiedlung auswirken könnte“, bemängelt ein anderer.

Kritik an Kitaschließungen: „Esslingen ruiniert seine Zukunft“

Ein rotes Tuch sind für sehr viele Bürgerinnen und Bürger offenbar die Blitzer und Strafzettel. Die Stadt möchte zwei neue Messanhänger anschaffen, die in Tempo-30-Zonen mehr Bußgelder generieren sollen. Einige fordern dagegen sogar mehr Kontrollen von Falschparkern und Rasern. Nachzulesen ist aber auch ein kostenloser Tipp für alle: „Fahrt anständig, dann müsst ihr nix zahlen!“, schreibt jemand. In die falsche Richtung gehe der Vorschlag, das günstige Stadtticket als Alternative zum Auto abzuschaffen, finden viele.

Auch die Idee der Stadt, aus Kostengründen fünf kleinere Kitas in Esslingen zu schließen, stößt auf Widerstand. „Wer an Kitas spart, ruiniert seine Zukunft“, kommentiert jemand. Eine Userin schreibt: „Dann lieber ein paar Schlaglöcher mehr, als bei den Kindern zu sparen.“

Finanzbürgermeister Ingo Rust erläutert in der Gemeinderatssitzung den Sparkurs. Foto: Roberto Bulgrin Auch Bürgermeister sollen sparen: OB soll Chauffeur abgeben

„Nicht die Bürger immer weiter belasten. Erst die Stadt besser führen“, schreibt ein User und fasst damit den Tenor vieler sachlicher Beiträge gut zusammen. Gefordert werden beispielsweise eine stärkere Digitalisierung und eine verschlankte Verwaltung. Das deckt sich im Übrigen mit den Vorschlägen der Stadt, die rund 172 Vollzeitstellen bis Ende 2029 abbauen und zudem verstärkt auf KI setzen möchte. Die Menschen drängen aber auch darauf, dass die Bürgermeister bei sich selbst anfangen. Die Rede ist etwa von einem geringeren Gehalt. „Den Chauffeur vom OB abschaffen“, fordert eine Bürgerin auf Instagram.

Einige schlagen zudem vor, dass die Stadt ihr Gebäudemanagement optimieren soll. So könnten beispielsweise mehr LEDs eingesetzt oder die Zimmertemperatur abgesenkt werden. Darüber hinaus sollten ungenutzte Gebäude verkauft oder vermietet werden. Immer wieder ist auch von vermeintlichen „Prestigeprojekten“ die Rede, die gestoppt werden müssten. Genannt wurden in diesem Zusammenhang der Marktplatz, dessen Sanierung bereits in vollem Gange ist, die Ritterstraße und der Bahnhofsplatz. Vereinzelt wurde auch das geplante Stadtjubiläum im Jahr 2027 infrage gestellt. Angesichts der Hiobsbotschaften ist vielen Bürgerinnen und Bürgern derzeit offenbar nicht zum Feiern zumute.