„Menschenmassen strömten die Linden entlang. Musikkapellen spielten. Es herrschte Feiertagsstimmung, hochbeladene Lastwagen brachten das Material, die deutsche Literatur, für den Scheiterhaufen“. So erinnert sich die Berliner Autorin Elisabeth Castonier an den Tag der Bücherverbrennung in Berlin am 10. Mai 1933, bei dem auch ihr Werk in Flammen aufging. „Dies ist natürlich der größte Scheiterhaufen aller Zeiten, weil er vom größten Führer aller Zeiten und dem größten Schreier aller Zeiten befohlen worden ist“, notierte Castonier.

Am 10. Mai 1933 wurden am Bebelplatz von den Nationalsozialisten Bücher verbrannt.
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Nach 93 Jahren erinnert nur noch ein Denkmal an den Tag, an dem rund 20.000 Bücher unter großem Jubel in Berlin-Mitte verbrannt wurden. Es waren Autoren und Autorinnen wie Christopher Isherwood, Erich Kästner, Bertolt Brecht, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky oder Stefan Zweig. An die Werke der weniger bekannten Frauen, die damals verbrannt wurden, erinnert unermüdlich der feministische Berliner Aviva-Verlag aus Moabit, der 2024 den Kurt-Wolf-Preis erhielt.
Diese Autorinnen werden gerade wieder entdeckt
Aviva-Autorin Doris Hermanns erinnert in „Und alles ist hier fremd“ an deutschsprachige Schriftstellerinnen im britischen Exil. Verbrannt wurde 1933 neben den allseits bekannten Autoren eben auch „undeutsche Literatur“ von Frauen wie Maria Leitner oder der Pazifistin Bertha von Suttner, sowie die Gesamtwerke von Autorinnen wie Irmgard Keun (“Das kunstseidene Mädchen“), Anna Seghers (“Das siebte Kreuz“) oder eben Elisabeth Castonier („Stürmisch bis heiter“) oder Ruth Landshoff-York. So wie Gabriele Tergit („Käsebier erobert den Kurfürstendamm“) werden auch diese Autorinnen nach und nach wiederentdeckt, wobei die Bücherverbrennung so etwas wie ein Qualitätssiegel darstellt.

„Verboten – verbrannt – vergessen?“: Verlegerin Britta Jürgs (re.) bei der Lesung über Autorin und Zeitzeugin Elisabeth Castonier. Die Sprecherinnen Sandra Hans und Paula Fredrich (v. li.) trugen Texte vor.
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Die Events finden in Kooperation mit dem Lern- und Gedenkort Bücherverbrennung und dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg statt. Veranstalter Daniel Behringer: „Ganz konkret nehmen wir runde Gedenktage von 1933 ‚verbannten und verbrannten Dichtern‘ unseres Schöneberger Viertels zum Anlass, um durch einen besonderen Abend an sie zu erinnern.“ Nelly Sachs , nach der hier ein Park benannt wurde, erhielt beispielsweise vor 60 Jahren den Literaturnobelpreis.“
Weitere Veranstaltungen des Lern- und Gedenkorts Bücherverbrennung, jeweils um 18.30 Uhr: Die Piscatorbühnen am Nollendorfplatz, zum 60. Todestag des Exilanten Erwin Piscator, Mittwoch, 17. Juni, Haus des Humanismus, Potsdamer Straße 157 (U Bülowstraße); Louise Aston, Radikale deutsche Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Vorkämpferin der Märzrevolution 1848, 26. August, Der Eintritt ist frei, Anmeldung nicht erforderlich. Weitere Informationen auf der Website Mein Berlin.de