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Dresden – Glas. Glanz. Große Geschichte. Die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden symbolisiert die deutsche Ingenieurskunst. Doch jetzt steht das Prestige-Werk vor einer ungewissen Zukunft. Ausgerechnet China soll Interesse an der Nutzung haben – genauer gesagt der E-Auto-Riese BYD.

Ein Insider-Bericht des Branchenportals CarNewsChina sorgt für Unruhe: BYD verhandle mit VW über die Nutzung eines Teils des Dresdner Werks. Der Plan klingt wie ein Joint Venture der Gegensätze: Hier Sachsen, TU Dresden, Innovationscampus. Dort China, Elektro-Offensive, Serienfertigung.

Bald „made in Germany“? Die neuen BYD-Automodelle Datang EV Pre und Yuan PLUS wurden am 24. April auf der Beijing International Automotive Exhibition präsentiert

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Foto: REUTERS

Der angebliche Plan: jeweils zur Hälfte forschen und fertigen. BYD würde investieren – und ausgerechnet im Herzen der deutschen Auto-Identität Fahrzeuge bauen. Mit dem begehrten Etikett „Made in Germany“. Volkswagen reagierte prompt. Ein Sprecher stellt klar: „Wir weisen diese Spekulation entschieden zurück.“ Punkt. Ende. Aus.

VW-Chef spricht von „cleverer Lösung“

Doch ganz vom Tisch ist das Thema damit offensichtlich nicht. Konzernchef Oliver Blume (57) hatte erst am vergangenen Donnerstag „eine gemeinsame Produktion in Fabriken“ mit chinesischen Herstellern ins Spiel gebracht. Das könne eine „clevere Lösung“ sein, um Überkapazitäten abzubauen und Kosten zu senken, so Blume.

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Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (58) hatte zuletzt offen für mehr Kooperationen mit chinesischen Herstellern geworben. Tenor: Wenn Werke nicht ausgelastet sind, müsse man auch über neue Partner reden. Mit 20 Prozent ist Niedersachsen zweitgrößter Anteilseigner von VW.

China drängt – und denkt strategisch

UND: BYD wächst rasant. Allein im März verkaufte der Autobauer über 3000 Autos in Deutschland – ein Plus von mehr als 300 Prozent. Noch kommen die Wagen aber aus China, belastet mit Zöllen. Ein Werk in Deutschland wäre da mehr als nur Symbolik: Es wäre ein Türöffner. Und nicht nur BYD schaut nach Europa. Auch MG (SAIC) und Xpeng prüfen dem Bericht von CarNewsChina zufolge, ob sie freie Kapazitäten bei VW nutzen könnten.

Produktionsanlagen abgebaut: In der Gläsernen Manufaktur steht die Produktion seit Dezember 2025 still

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Foto: Stefan Häßler

Seit Ende 2025 steht die Produktion in Dresden still. Wo früher Phaeton, e-Golf und zuletzt der ID.3 vom Band liefen, herrscht jetzt Leerlauf mit Aussicht. VW will umbauen, neu denken, mit der TU Dresden einen Innovationscampus schaffen. Rund 50 Millionen Euro stehen im Raum. Forschung statt Fertigung. Zukunft statt Vergangenheit. Doch genau diese Leerstelle macht den Standort plötzlich interessant – auch für andere.