Um die Ereignisse rund um die mutmaßliche Vergewaltigung einer 16-Jährigen im Neuköllner Jugendzentrum Wutzkyallee aufzuarbeiten, hat das Bezirksamt eine unabhängige Kommission eingesetzt. Das Gremium hat seine Arbeit am 27. April aufgenommen und soll ermitteln, was genau seit Anfang 2025 in dem Jugendclub geschehen ist und wie Beteiligte mit den Vorfällen umgegangen sind. Das hat das Bezirksamt Neukölln nun mitgeteilt.

Es geht um die mutmaßliche Vergewaltigung einer damals 16-Jährigen, die am Abend des 28. Novembers 2025 geschehen sein soll. Das Mädchen soll von einem 17-Jährigen im Garten, über den das Mädchenzentrum und der Jugendclub Wutzkyallee verbunden sind, vergewaltigt worden sein. Dokumente legen nahe, dass es auch zu Schlägen gekommen sein soll.
Jugendzentrum Neukölln: Aufarbeitung nach mutmaßlicher Vergewaltigung
Der Fall um das Jugendzentrum hatte für großes Aufsehen gesorgt, weil Mitarbeiter des Jugendzentrums den Fall nicht gleich zur Anzeige gebracht haben sollen. Mit der Begründung, die mutmaßlichen Täter aufgrund ihrer Herkunft nicht stigmatisieren zu wollen, so heißt es, sollen sie die Ereignisse zunächst nicht öffentlich gemacht haben. Seit Wochen ist der Bezirk Neukölln mit der Aufarbeitung beschäftigt. Es gibt viele Ungereimtheiten und offene Fragen.

Der Fokus liege nun auf der „Aufklärung des Sachverhalts, einer Analyse von Fehlern, insbesondere im Hinblick auf den institutionellen Kinderschutz und der Beteiligung der betroffenen jungen Menschen“, teilt das Bezirksamt mit. Die Kommission werde auf Grundlage dieser Analyse Empfehlungen für die Zukunft geben, um den institutionellen Kinderschutz im Jugendamt Neukölln sowie bei den hier tätigen freien Trägern zu stärken.
Elke Nowotny leitet Unabhängige Kommission zu Ereignissen im Neuköllner Jugendzentrum
Geleitet wird die unabhängige Kommission von Elke Nowotny. Die Diplompsychologin und Psychologische Psychotherapeutin habe jahrzehntelange Erfahrung mit den Themen Gefährdung des Kindeswohls, Kinderschutz und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Wie das Bezirksamt erklärt, arbeitete sie mit Familien und Jugendlichen und ist als Fachberaterin und Fortbildnerin tätig. Von 1996 bis 2017 war Nowotny Vorstandvorsitzende des Kinderschutz-Zentrums Berlin e. V. und in der Unabhängigen Clearingstelle im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik Berlin tätig.

Der Kommission gehören weitere fünf Mitglieder mit Expertise in den Bereichen institutioneller Kinderschutz und Umgang mit sexualisierter Gewalt an. Dazu gehören Vertreterinnen des Kinderschutz Zentrums Berlin sowie der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und eine Rechtsanwältin.
Die Kommission wird dem Bezirksamt und dem zuständigen Jugendhilfeausschuss der BVV Neukölln bis Ende Mai erste Ergebnisse bekannt geben, heißt es. Bis Anfang September wird die Kommission ihren Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorstellen.