Menschen hören zu bei einer Podiumsdiskussion im Literaturhaus Hamburg zu den Graphic Novel Tagen

AUDIO: Comics erwachsener denn je: Graphic Novel Tage starten in Hamburg (3 Min)

Stand: 04.05.2026 16:33 Uhr

Bei den Graphic Novel Tagen im Hamburger Literaturhaus dreht sich ab heute vier Tage lang alles um Comics und grafisches Erzählen. Neben internationalen Gästen auf dem Podium gibt es auch einen Workshop zum Selberzeichnen.

von Mathias Heller

„Comics sind ein visuelles Medium“, sagt Sascha Hommer. Er war erst Student unter Anke Feuchtenberger an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg, später ihr Mitarbeiter, dann Dozent. Heute leitet er zusammen mit Marie Pohl den Arbeitsbereich Illustration und Comic an der Kunsthochschule Kassel.

Comics: Längst aus den Kinderschuhen herausgewachsen

„Wenn man auf der Bühne über Comics redet, wie es bei den Graphic Novel Tagen stattfindet, dann ist das natürlich ein kleiner Umweg“, erklärt Hommer. „Der kann sich aber lohnen, weil man dann im besten Fall so besser versteht, wie die Ästhetiken eigentlich funktionieren oder wo sie herkommen.“

Comic-Experte Andreas Platthaus

Mit Comics sind ganz andere Erzählweisen möglich als etwa mit Romanen. Ein Gespräch mit dem Kulturjournalisten Andreas Platthaus.

Comic-Stile sind so verschieden wie die Stile im Plattenladen plus die Genres in der Buchhandlung. Mittlerweile sind die Inhalte schon längst aus den Kinderschuhen von Fix und Foxi oder Nick Knatterton herausgewachsen und zeigen sich inhaltlich erwachsener denn je.

Paul Auster und Albert Camus im Graphic-Novel-Format

Gleich zu Beginn der 14. Graphic Novel Tage in Hamburg geht es um das Thema Literatur im Comic. Mit dabei ist Paul Karasik, der vor kurzem Paul Austers „New York Trilogie“ als 400-Seiten-Wälzer vorgelegt hat. An seiner Seite: Katia Fouquet aus Berlin, die sich an Albert Camus gewagt hat.

Cover: Paul Auster: "New-York-Trilogie", Martin Scorsese: "Die Graphic Novel Biografie", Bianca Schaalburg: "Emma und Amir"

Unser Comic-Experte stellt unter anderem Graphic Novels über Martin Scorsese und über Paul Austers New York-Trilogie vor.

Am Dienstag steht dann ein Doku-Comic über die Zustände in Nordkorea auf dem Programm. Dazu sitzt die südkoreanische Illustratorin Keum Suk Gendry-Kim auf dem Podium, die den Comic „Mein Freund Kim Jong-un“ geschrieben und gezeichnet hat.

Comics über die Familiengeschichte in der NS-Zeit

Auch der Umgang mit der eigenen Herkunft und Familie spielt am zweiten Tag eine Rolle. Darüber haben Isabelle Maroger aus Frankreich und Bianca Schaalburg aus Deutschland jeweils ein Buch geschrieben und gezeichnet. Maroger erforscht in „Lebensborn“ die Geschichte ihrer Mutter, die im Rahmen des „Lebensborn“-Programms der Nazis als Kind eines deutschen Soldaten und einer norwegischen Frau geboren wurde. Schaalburg geht in „Der Duft der Kiefern“ dem Verhalten ihrer Großeltern im nationalsozialistischen Berlin nach.

Werkstattgespräch mit Nachwuchs-Künstlerinnen

Der Mittwoch gehört dem Nachwuchs: Drei Studentinnen öffnen ihre Werkstatt in der HAW. Sie haben Comics für Kinder entwickelt. „Alle drei stehen eher am Ende ihrer Studien und sind kurz davor, ihre Projekte, an denen sie im Moment noch arbeiten, bei Verlagen zu veröffentlichen“, so Hommer. So wird Nora Borkenhagen über „Bo und der erste Biss“ sprechen, Finja Frank wird ein Buch über Hunde vorstellen und Maj-Britt Eichstädt orientiert sich bei „Raus aus der Schlangengrube“ an Adventure-Spielen für Computer.

„Das zeigt ziemlich eindrücklich, wie viele Talente durch diese Schule gehen“, meint Hommer. „Noch vor zehn Jahren wäre das nicht möglich gewesen.“ Damals habe es noch nicht so viele Künstlerinnen und Künstler gegeben, die sich vorstellen konnten, aus ihrem Hobby, dem Comiczeichnen, einen Beruf zu machen. „Daran kann man ablesen, wie sich die Kulturlandschaft in Deutschland verändert hat.“

Comic-Konzert mit Reinhard Kleist und Joscha Baltes

Ein Highlight ist der Workshop von Lena Winkel am Mittwoch: „Figuren entwickeln, Comicbücher basteln und eine Geschichte schreiben“ steht allen Interessierten ab 14 Jahren offen. Ein weiterer Höhepunkt: Am Donnerstag lässt David-Bowie-Zeichner Reinhard Kleist zur Musik von Joscha Baltes die Stifte bei einem Comic-Konzert tanzen.

Collage der Buchcover: "AC/DC - Das Comic!", "Ab dafür - 10 Trio-Songcomics" und "Low" von Reinhard Kleist

Mathias Heller stellt drei Musiker-Biografien in Comic-Form vor: „Low“, „AC/DC – Das Comic!“ und „Ab dafür“.

„Für Menschen, die selbst keine Künstlerinnen oder noch in der Ausbildung sind, ist es besonders aufschlussreich, die verschiedenen Arbeitsweisen und Selbstverständnisse der eingeladenen Graphic Novelists kennenzulernen“, meint Sascha Hommer. „Die sind nämlich in der Regel total unterschiedlich.“

Comic-Legende Alison Bechdel kommt am 27. Mai

Vier Tage, zwölf Künstlerinnen und Künstler und jede Menge Eindrücke – wem das nicht reicht, für den gibt es in drei Wochen einen Nachschlag. Dann nämlich, am 27. Mai, wird die US-amerikanische Comic-Legende Alison Bechdel („Dykes to Watch Out For“) zu Gast im Literaturhaus Hamburg sein.

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