Einen Autokorso auf den Ringen gab es am Sonntagabend nicht zu bestaunen. Vielmehr wurde der praktisch feststehende Klassenerhalt des 1. FC Köln mit einem erleichterten Aufatmen quittiert. Für überschwänglichen Jubel gibt es auch keinen Grund. Der FC hat sein Saisonziel als Aufsteiger zwei Spieltage vor Schluss erreicht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wer in 32 Spielen nie auf einem Abstiegsplatz stand, hält verdientermaßen die Klasse. Die gute Tordifferenz erweist sich dabei als entscheidender Pluspunkt für den FC. Dass die Kölner bislang ohne demütigende Niederlage auskamen, ist selten bei einem Liga-Neuling – und spricht für die Qualität und den Zusammenhalt der neu formierten Mannschaft.
Dennoch verlief die Saison ab der Rückrunde zu problematisch, um bald voller Zufriedenheit in die Sommerpause zu gehen. Was bleibt, ist das Gefühl, dass mehr möglich gewesen wäre als ein holprig errungener Klassenerhalt. 32 Punkte nach 32 Spielen stellen lediglich eine Mindestausbeute dar. Deshalb können sich die Kölner glücklich schätzen, dass der Tabellenkeller noch schwächer punktete. Einmal mehr benötigte der FC zur Erreichung seiner Ziele einen Trainerwechsel.
Um den nächsten Entwicklungsschritt einzuleiten, benötigt der Kölner Kader Verstärkung. Allen voran in der Mittelfeldzentrale, wo es an Spielstärke fehlt.
Tobias Carspecken, Redakteur
Trotz eines vielversprechenden Saisonstarts reihte sich der nicht zu bändigende Lukas Kwasniok nach nicht mal einer Saison ein in die lange Liste gescheiterter Trainer am Geißbockheim. Ein Makel auf dem Zeugnis des neuen Sportchefs Thomas Kessler, der bei der Umgestaltung des Kaders ansonsten ein überwiegend glückliches Händchen bewiesen hat. Dass Kessler auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurückschreckte, lässt für die Zukunft hoffen.
Die Rettung nach 32 Spieltagen verschafft dem FC frühzeitige Planungssicherheit, die er in Anbetracht der vielen Herausforderungen gut gebrauchen kann. Thomas Kessler kann ab sofort gezielt Gespräche mit potenziellen Neuzugängen sowie den bislang nur ausgeliehenen Spielern führen. Um den nächsten Entwicklungsschritt einzuleiten, benötigt der Kölner Kader Verstärkung. Allen voran in der Mittelfeldzentrale, wo es an Spielstärke fehlt. Vermutlich wird auch ein Ersatz für Ausnahmekönner Said El Mala gebraucht. Die mögliche Rekordablöse geschickt einzusetzen, bedarf einer guten Management-Leistung.
Die wichtigste Entscheidung ist aber die auf der Trainerposition. Thomas Kessler muss darüber befinden, ob er René Wagner zutraut, von der Interims- zur Dauerlösung aufzusteigen. Sechs Punkte aus fünf Spielen bedeuten eine ordentliche Zwischenbilanz. Für eine Weiterbeschäftigung Wagners spricht auch dessen unbelastetes Verhältnis zur Mannschaft. Überzeugend waren die Auftritte unter dem vorherigen Co-Trainer aber nur teilweise. Das 2:2 bei Union Berlin nach 2:0-Führung war kein Bewerbungsschreiben Wagners, der mit seinem Dreifachwechsel das Kölner Spiel zum Erliegen brachte. Zweifel sind auch dahingehend angebracht, ob Wagner mit seiner zurückhaltenden Art der richtige Mann ist, um Zugang zum emotionalen Kölner Umfeld zu finden.