rbb24: Ist es in Berlin wirklich so warm oder ist es eher eine gefühlte gestaute Wärme – beispielsweise durch weniger Windschneisen, mehr aufgeheizten Asphalt und Gebäude, die insgesamt die Stadttemperatur erhöhen?

Peter Schwarz: Einen städtischen Wärmeinsel-Effekt haben wir tatsächlich. Man kann das sogar bemerken, wenn man mal die Augen schließt und auf dem Bürgersteig läuft. Dann spürt man die Lücken zwischen den Häusern, wo es dann etwas kühler wird, wenn die aufgeheizte Wand oder Mauer plötzlich wegfällt. Der Wärme-Peak tritt am späteren Nachmittag ein und die Wärme fällt abends länger ab. Im grünen Umland oder in den Außenbezirken kühlt es hingegen schneller ab. Gewässer wirken im Sommerhalbjahr eher kühlend, weil Wasser thermisch träger ist. Es braucht länger, bis es sich erwärmt und gibt Kühle ab – genauso übrigens wie Waldflächen.

Das Wichtigste ist für den Stadtklima, dass es Durchlüftungsschneisen gibt, wo auch der Wind reinkommt. Wenn ich nämlich keinen Wind habe, dann staut sich die Wärme noch ein bisschen mehr. Das wird häufig nicht genügend bedacht bei Bauprojekten. Oder wenn wir vom Thema Nachverdichtung reden, die mittlerweile ja gerne gemacht wird: Damit kann man auch der Stadt die Luft zum Atmen nehmen.