In der Leipziger Innenstadt hat am Montag ein Autofahrer zwei Menschen getötet. Der Fahrer fuhr in einer belebten Straße der sächsischen Metropole in mehrere Fußgänger. Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Was bisher über den Vorfall bekannt ist.
Todesfahrt in Leipzig: Wie viele Opfer gibt es?
Über die Zahl der Todesopfer gab es aufgrund der chaotischen Lage direkt nach der Tat zunächst unterschiedliche Angaben. In ersten internen Lagemeldungen war zuerst von „mindestens einem Toten“ die Rede. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) teilte in einem Statement kurz nach der Tat mit, dass es zwei Tote gegeben habe. Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) bestätigte dies auf X. Zur Identität der Opfer machten die Behörden bis zum Abend zunächst keine Angaben.
Außer den Toten gab es eine hohe Zahl von Verletzten. Jung sprach von drei Schwerverletzten. Leipzigs Branddirektor Axel Schuh sagte, darüber hinaus gebe es „20 Betroffene“. Die Rettungskräfte riefen einen „Massenanfall von Verletzten“ aus. Demnach waren rund 40 Feuerwehrkräfte und 40 Rettungskräfte vor Ort im Einsatz. Bei dem Pkw des mutmaßlichen Täters handelt es sich um einen hellgrauen SUV VW-Taigo.
Was ist mit dem Täter?
Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort von der Polizei festgenommen. Er leistete keinen Widerstand. „Die Lage ist jetzt geklärt, es gibt keine weitere Gefährdung“, sagte Oberbürgermeister Jung. „Es ist im Griff.“ Die Polizei erklärte: „Der Fahrzeugführer wurde festgenommen, von ihm geht derzeit keine Gefahr mehr aus.“ Kretschmer (CDU) teilte nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ am Rande eines Bürgerdialogs in Meißen ebenfalls mit, bei dem Verdächtigen handele es sich um einen jungen Mann, „psychisch auffällig, deutscher Staatsbürger“. Nach Angaben von Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) ist der Mann 33 Jahre alt. Der Mann ist den offiziellen Angaben zufolge wohnhaft im Bereich Leipzig.

Polizisten stehen neben einem Leichensack mit einer Leiche an der Stelle, wo ein Auto in eine Menschengruppe gefahren ist.
© dpa | Jan Woitas
Handyvideos auf den sozialen Plattformen zeigen einen Mann im mittleren Alter, kurze Haare. Er liegt am Boden, ein Polizist kniet auf seinem Rücken, schnallt die Handschellen fest. Die Echtheit des Videos ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Unklar ist auch, ob es sich bei dem Festgenommenen um den mutmaßlichen Täter handelt – oder um eine dritte Person, etwa einen Passanten. Das auf dem Video abgebildete Fahrzeug passt zu Bildern des mutmaßlichen Tatwagens, die offizielle Fotoagenturen verbreiten.
Nach Informationen unserer Redaktion soll der mutmaßliche Täter den Polizisten am Tatort in einem ersten Eindruck stark psychisch auffällig verhalten haben. Laut MDR soll der Mann erst vor Kurzem aus der Psychiatrie entlassen worden sein. Doch auch dazu gibt es bisher keine näheren und offiziellen Informationen. Auf dem Handyvideo, das mutmaßlich die Festnahme zeigt, sind Rufe zu hören, die etwa lauten „Bitte aufhören“ oder „Bitte, lasse es aufhören“. Die Prüfung dauert an. Der mutmaßliche Amoktäter war bei der Polizei aktenkundig, jedoch nicht mit politisch motivierten Straftaten. Einen Eintrag in der Datei des Verfassungsschutzes gibt es nach Informationen unserer Redaktion nicht.
Was ist über den Hintergrund bekannt?
Über die Motivation des Täters gebe es noch keine Erkenntnisse, teilte Jung in seiner Stellungnahme kurz nach der Tat mit. Ministerpräsident Kretschmer ging später am Abend von einer mutmaßlichen „Amokfahrt“ aus. Es gebe keine Hinweise auf eine „andere Lesart“ oder weitere Tatbeteiligte, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Polizei warnte vor Spekulationen: „Bitte vermeidet das Teilen von ungeprüften Meldungen und Fotos bzw. Videos vom Einsatzort“, erklärte die Polizei Sachsen auf X. „Fakenews erschweren unsere Arbeit vor Ort.“ Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.
In der Vergangenheit kam es in Deutschland immer wieder zu gewaltsamen Vorfällen mit Pkw: Im Dezember 2024 war ein in Saudi-Arabien geborener Mann mit einem Pkw in den Magdeburger Weihnachtsmarkt gerast. Er tötete sechs Menschen und verletzte Dutzende zum Teil schwer. Im Februar 2025 fuhr ein afghanischer Staatsbürger mit einem Wagen in eine Demonstration in München, dabei wurden zwei Menschen getötet und mehr als 40 verletzt. Ein terroristische Tat scheint es in Leipzig aber nicht gegeben zu haben.

Der Vorfall ereignete sich der Grimmaische Straße in der Innenstadt, der Bereich zwischen Augustusplatz und Ritterstraße wurde abgesperrt.
© picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH
Wo ereignete sich die Tat?
Mitten in der Leipziger Innenstadt. Berichten zufolge war der Fahrer des Wagens am Augustusplatz auf Höhe der Grimmaischen Straße in die Fußgängerzone eingebogen. Örtlichen Medienberichten zufolge schlossen mehrere Geschäfte nach den Ereignissen, die Polizei sperrte einen Teil der Innenstadt ab.
Die Polizei war mit massiven Kräften vor Ort, intern wurden Beamte des Landeskriminalamts mobilisiert. Alle Einsatzkräfte sollen in den Dienst gerufen worden sein. Die Polizei in Leipzig hat eine „Betreuungsstelle“ im dortigen Gewandhaus eingerichtet. Alle Personen, die aktuell noch vor Ort sind und vom Geschehen betroffen sind oder sich als Zeugen zur Verfügung stellen wollen, können sich dort melden. „So eine Tat macht uns sprachlos – und sie macht uns entschlossen“, erklärte Kretschmer. „Wir werden alles daransetzen, sie schnell und vollständig aufzuklären.“
Wie ist die Stimmung in der Stadt?
Die Leipziger Innenstadt ist am Abend immer noch großräumig abgesperrt. Über dem Augustusplatz, wo der Täter seine Amokfahrt begann, kreist eine Drohne.
Vor dem rot-weißen Flatterband der Polizei, das in einer der Seitenstraße den Zugang zur Grimmaischen Straße versperrt, steht Laura aus Nordrhein-Westfalen. Sie ist beruflich in Leipzig, um einen Lehrgang zu geben. Laura, so erzählt sie es, musste die Folgen der Tat live erleben: Als sie am Nachmittag aus ihrem Hotel in der Innenstadt kam, fiel ihr sofort eine am Boden liegende Person ins Auge. „Ich dachte erst, er sei vom Fahrrad gefallen“, sagt sie. Dann entdeckt sie weitere verletzte Menschen.
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik – meinungsstark, exklusiv, relevant.

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In den nächsten Minuten seien Polizei und Rettungskräfte angekommen. Eine Person sei reanimiert worden, auch Passanten hätten Erste Hilfe geleistet. Laura und ihre Freundin sind Stunden später noch immer geschockt. „Ich habe mich hier immer sicher gefühlt“, sagt Laura, „Ich liebe diese Stadt.“
Was an diesem Abend bleibt, ist die Sorge um die Teilnehmer ihres Lehrgangs, die in einem Hotel im Augustusplatz untergekommen sind. Ob es allen gut geht, wird sie erst am Dienstag erfahren.
Grünen-Landtagsabgeordnete Claudia Maicher ist mit Blumen an den Augustusplatz gekommen, um der Opfer zu gedenken. „Es ist ein Horror, dass wir so etwas in Leipzig erleben und unschuldige Menschen aus dem Leben gerissen wurden.“ Sie selbst sei am Nachmittag nur kurz vor der Tat in der Innenstadt unterwegs gewesen. „Das nimmt einen natürlich mit.“ Die Rettungskräfte hätten schnell und besonnen reagiert, sagt Maicher. „Jetzt geht es darum, dass wir in Leipzig zusammenstehen.“