VfB Stuttgart: Wird die Stuttgarter Jokerqualität im Saisonfinale zum Faktor? Stuttgarts zwei gefährliche Joker: Tomas und Demirovic. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Mueller

Stuttgarts Angreifer, allen voran Tiago Tomas, gehören zu den gefährlichsten Jokern der Liga. Im Saisonfinale könnte die Stuttgarter Qualität nun zum Zünglein an der Waage avancieren.

Tiago Tomas ist der Mann für die späten, wichtigen Tore. Das stellt der Portugiese mittlerweile sogar im Training unter Beweis. So wie beim sogenannten Spielersatztraining am Morgen nach dem 3:3 in Sinsheim. Das Training war beendet, zwischen den Teams mit den blauen und den gelben Leibchen stand es unentschieden. Ein Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Den letzten und entscheidenden Strafstoß legte sich Tomas hin, versenkte ihn souverän gegen Stefan Drljaca. Der Rest war Jubel im Team blau.

Wenige Stunden zuvor in dem irren Schlagabtausch mit der TSG war es zwar nicht ganz so souverän, weil er die erste Möglichkeit kläglich vergab. Aber wieder einmal griff die in dieser Saison etablierte Regel: Kommt Tomas von der Bank, trifft er regelmäßig. Der Treffer war sein achter in 36 Saisoneinsätzen in allen Wettbewerben. Sechs der acht Treffer erzielte er nach Einwechslung, dazu kommen noch drei Vorlagen (zwei der drei nach Einwechslung). Die Geschichte beginnt am ersten Spieltag der Bundesliga, nach seiner Hereinnahme erzielt der Offensivallrounder den Treffer zum 1:2 in Köpenick, an der Niederlage dort änderte er damit nichts mehr.

Die meisten seiner Treffer waren indes von größerer Bedeutung. Etwa sein Tor nach Einwechslung im Celtic Park, das den ersten Erfolg in einem K.o.-Spiel des VfB auf europäischem Boden seit über einer Dekade zementierte und ihn selbst danach zu Tränen rührte. Wenige Tage zuvor war sein Vater gestorben. Tomas widmete ihm den Treffer. Zuletzt gelang ihm der Siegtreffer im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Freiburg in der 118. Minute, nun das punktbringende 3:3 in Sinsheim.

Das Remis fühlte sich dadurch wie ein Sieg an. „Zuletzt hat er zwei wichtige Tore gemacht. Das hilft der Mannschaft sehr“, sagte Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und präzisierte: „Das Tor war wichtig, weil es alle noch mal hat aufwachen lassen und alle dazu angemahnt hat, in den letzten drei Wochen stabil zu bleiben und sofort mit dem richtigen Spirit in das Spiel zu gehen.“

Erzielte die meisten VfB-Tore nach Einwechslung in der Liga: Ermedin Demirovic Foto: Uwe Anspach/dpa

Wohlgemuth vergaß auch nicht, die vielleicht größte Qualität von Tomas hervorzuheben: „Wenn man von der Bank Spieler bringen kann, die sofort funktionieren, die sofort im Spiel sind, sofort gefährlich werden, dann ist das sehr wertvoll.“ Der Angreifer benötigte sowohl gegen Freiburg als auch in Sinsheim nur wenige Minuten, um Zählbares auf der Anzeigentafel aufscheinen zu lassen. Damit ist Tomas der vielleicht wertvollste der Stuttgarter Joker.

Stuttgarts torgefährliche Bank

Ermedin Demirovic (vier Tore in der Liga,auch er traf in Sinsheim nach Einwechslung), Deniz Undav (drei Tore), Chema und Nikolas Nartey (je zwei, Nartey dazu noch mit einem Assist), Chris Führich, Bilal El Khannouss und Jamie Leweling (je ein Tor), dazu kommen noch vier Assists nach Einwechslung (Lorenz Assignon, Maximilian Mittelstädt, Ramon Hendriks und Angelo Stiller lieferten je einen) – nur der FC Bayern München ist mit seinen Einwechselspielern noch gefährlicher als der VfB.

Sebastian Hoeneß hat kurz vor dem Saisonende allein in der Liga bereits 17 Tore und sechs Vorlagen eingewechselt. Man darf also durchaus von „Lucky Hands“ sprechen, dem glücklichen Händchen des Trainers. Doch das gute Gespür von Hoeneß ist dabei das eine. Der wesentliche Aspekt der Thematik ist dabei die Tiefe und Breite des Kaders, die durch solche Statistiken deutlich wird. Und damit auch die gute Arbeit der Sportlichen Leitung und der Scouting-Abteilung unterstreicht.

Auch lohnt dabei ein Blick auf noch anstehende Aufgaben. Die Spiele gegen Leverkusen, Frankfurt und das Pokalfinale von Berlin gegen den FC Bayern dürften allesamt eng werden. Für alle Team geht es noch um viel, alle haben noch etwas zu verlieren – auch wenn das im Falle der taumelnde Frankfurter vielleicht etwas zu weit hergeholt scheint. Aber kein Team verliert gern das letzte Heimspiel der Saison vor den eigenen Fans. Die Frankfurter werden sicherlich alles in die Waagschale werfen, um dem ungeliebten Konkurrenten aus dem Süden noch einmal mächtig ein Bein zu stellen. Da schadet es sicher nicht, wenn man als Trainer weiß – im Zweifel werden meine Joker stechen.